„Gemeinsam zum Traumberuf“ – Auch Eltern brauchen Ansprechpartner!

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Themenschwerpunkt: Ungeplante Vaterschaft

Themenschwerpunkt: Ungeplante Vaterschaft

Aktuelles aus dem Familienministerium

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„Gemeinsam zum Traumberuf“ – Auch Eltern brauchen Ansprechpartner!

Wie Väter ihre Kinder beim Übergang Schule-Beruf unterstützen können

Fotolia_66805793_100Serap Karagöz hat schon als kleines Mädchen davon geträumt, Polizistin zu werden. Nach einem Schülerpraktikum war sie noch begeisterter von dem Beruf. Doch der Traum drohte zu scheitern, denn mit 11 Jahren hatte ein Arzt bei ihr eine Haselnussallergie diagnostiziert. Als sie sich bei den Ordnungshütern um einen Ausbildungsplatz bewarb, wurde sie aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt.

Das junge Mädchen war am Boden zerstört. Und obwohl ihr Vater sie gerne als Lehrerin gesehen hätte, war für ihn klar: ich tue alles, damit Serap ihren Traum verwirklichen kann. Nur wie er ihr helfen könnte, wusste der 46-Jährige zunächst nicht. Deshalb wandte er sich an das Kommunale Integrationszentrum der Stadt Herne. Dort hatte er schon eine Vätergruppe besucht.

 

Sich Rat und Hilfe holen

Gemeinsam mit Gürkan Ucan, Mitglied beim Facharbeitskreis „Interkulturelle Väterarbeit in NRW“, setzten Serap und ihr Vater alles in Bewegung, um der jungen Frau doch noch zu ihrem favorisierten Ausbildungsplatz zu verhelfen und legten Widerspruch gegen die Ablehnung ein. „Das hätte ich alleine nicht geschafft“, erzählt Davud Karagöz. „Deshalb finde ich es sehr wichtig, dass auch Väter sich Rat und Hilfe holen, wenn sie nicht mehr wissen, wie sie ihre Kinder beim Übergang Schule und Beruf unterstützen können“. Die Widersprüche hatten Erfolg, Serap Karagöz macht inzwischen ein Duales Studium zum gehobenen Polizeivollzugsdienst.

 

Väter haben viele Fragen

Ralf Harz hat seine zwei Kinder beim Übergang von der Schule in den Beruf begleitet. Außerdem stellt der Prokurist in seiner Firma auch Azubis ein. So kennt er beide Seiten. Als ehemaliger Schulpflegschaftsvorsitzender an der Schule seines Sohnes weiß er: Väter haben viele Fragen. Die häufigsten: wann sollen mein Kind und ich anfangen, uns mit dem Thema zu beschäftigen? Wo bekomme ich Auskünfte?

Ralf Harz selbst suchte vor kurzer Zeit auch nochmal Unterstützungsmöglichkeiten, weil der Auszubildende in seinem Betrieb nicht gut mit der Berufsschule zurechtkommt, das gefährdet die gesamte Ausbildung. Er fand Rat bei der Volkshochschule seines Heimatortes: die VHS Reckenberg-Ems in Rheda – Wiedenbrück bietet Hilfen zum Erreichen des Ausbildungsziels an. Deshalb lautet Ralf Harz erster Rat für Väter: „Nicht nur die Agenturen für Arbeit informieren und unterstützen, Städte und Kreise bieten ebenfalls Informationen zum Thema. Auch diese Angebote sollten Väter nutzen, denn nicht an allen Schulen werden Eltern umfassend informiert. Deshalb fand ich die Infobroschüre der Kreisschulpflegschaft Gütersloh besonders hilfreich“, sagt er.

 

Praktika sind wichtig

Der 17-jährige Sohn von Davud Karagöz möchte sich ganz selbstständig um seine Berufswegplanung kümmern. „Er ist im Boxverein und will nicht, dass ich ihn zum Beispiel zur Berufsberatung begleite, erzählt der Vater. „ Aber er bespricht alle seine Probleme mit meiner Frau und mir zuhause. Nur hat er leider noch keine genauere Vorstellung, was er lernen möchte und wir kennen viele dieser neuen Berufe gar nicht“. Deshalb findet Davud Karagöz es sehr wichtig, dass die Schüler und Schülerinnen möglichst viele Praktika machen. „Die helfen ja auch, wenn die Kinder dadurch den Arbeitsalltag kennen lernen und eventuell feststellen, was sie nicht möchten. Mein Sohn wusste zum Beispiel nach einem Praktikum bei einem Steuerberater genau, dass das keine berufliche Perspektive für ihn ist“. 

Auch Ralf Harz ist überzeugt, dass Praktika sehr wichtig sind. Er rät anderen Vätern, dass sie gemeinsam mit ihren Kindern ab der 8. Klasse loslegen und dem Kind Einblicke in die Arbeitswelt ermöglichen sollten. „Und das funktioniert gut über Praktika: dort erleben die Schülerinnen und Schüler einen Acht-Stunden-Tag und lernen, mit den Leuten umzugehen, sie anzusprechen und Fragen zu stellen“ betont er. Väter sollten ihre Kinder unterstützen, möglichst viele verschiedene Berufsfelder vor dem Antritt einer Ausbildung oder eines Studiums zu erkunden. Ab dem Alter von rund 14 Jahren sollten sie neben Betriebspraktika in den Schulferien auch Vater und Mutter zum Arbeitsplatz begleiten und an Boys’Day und Girls’Day teilnehmen. „Dabei sind auch negative Erfahrungen wichtig: herauszufinden, was will ich nicht, was gefällt mir nicht“ – genau das, was Davud Karagöz´ Sohn durch sein Praktikum erfahren hat.

 

Den Weg der Kinder akzeptieren

Davud Karagöz hätte sich gewünscht, dass sein Sohn Maschinenbau studiert. „Aber wenn ich ehrlich bin, weiß ich, dass das nichts für ihn ist, Physik und Mathe machen ihm keinen großen Spaß, er liest gerne und kann gut schreiben. Ich selber habe in der Türkei eine Ausbildung zum Maschinenschlosser gemacht und später in Deutschland dann in verschiedenen Berufen gearbeitet, um meine Familie zu ernähren. Schließlich bin ich in der Gastronomie gelandet. Ich hätte andere Wünsche gehabt, wollte Maschinenbau studieren. Manchmal ist es schwierig, die eigenen Vorstellungen nicht auf die Kinder zu übertragen. Aber meine Frau und ich wissen: unser Sohn und unsere Tochter müssen ihren eigenen Weg gehen. Nur dann werden sie die Ausbildung auch mit Freude machen und eine gute Ausbildung ist sehr wichtig, damit sie sich integrieren können und hier in Deutschland glücklich werden“. Nur eines sollte sein Sohn bei seiner Berufswegplanung unbedingt beachten, wünscht Davud Karagöz: die Arbeitszeiten sollten familienfreundlich sein!

 

Das Kind muss vorne stehen“ – Begleiten, aber nicht Bestimmen

Ganz wichtig, betont Ralf Harz, ist es, die Kinder bei ihrer Suche nicht zu bevormunden. Das ist sein dritter Rat, gegen den viele Eltern in der Praxis verstoßen: Väter sollen ihr Kind begleiten, ihm Sicherheit geben, es aber selbstständig agieren lassen. So nützt es nichts – im Gegenteil – wenn der Vater für seine Tochter nach einer Praktikumsstelle in einem Betrieb fragt. Das macht keinen guten Eindruck, denn es verrät, dass die Tochter entweder nicht selbstständig genug ist oder der Vater den Praktikumsplatz mehr will als sie. Die Tochter muss sich selber darum bemühen, auch wenn sie eher schüchtern ist, denn auch Leute ansprechen und Fragen stellen will geübt sein.

 

Stärken finden und unterstützen

Sollten Sohn oder Tochter antriebslos sein und sich nicht ausreichend kümmern, hilft das neu aufgelegte Programm des Landes „KAoA“ – kein Abschluss ohne Anschluss. Es begleitet unter anderem die Bemühungen von Schülern, Lehrern und Eltern, die Stärken der Jugendlichen herauszuarbeiten.Und dann gilt es, diese zu unterstützen. Sohn oder Tochter müssen vom Job überzeugt sein, nicht die Eltern!

Dennoch sollten Väter (und Mütter) ihre Lenkungsfunktion nicht vernachlässigen, betont Ralf Harz. „Wenn ein Kind Schauspieler werden oder Kunst studieren möchte, geht es nicht darum, ihm das auszureden, sondern diese künstlerische Seite auf eine solide Basis zu stellen. Es könnte beispielsweise eine Malerlehre in einem Betrieb machen, der auch Restaurierungen alter Gebäude durchführt oder ähnliches. Hier gilt es, findig zu sein. Die Kunst ist, beim Lenken nicht die Richtung zu verlieren, in die das Kind gehen möchte“.

 

Gemeinsam zum Ziel

Und Ralf Harz letzter Rat: die Eltern sollten eng mit der Schule des Kindes und der Berufsberatung der Agentur für Arbeit zusammenarbeiten. Wenn eine Hauptschülerin beispielsweise als Berufswunsch Bankkauffrau angibt, dann ist es wichtig, gemeinsam eine realistische Strategie zu entwickeln, wie sie dieses Ziel erreichen könnte: zunächst den Hauptschulabschluss machen, dann woanders die Oberstufe anschließen, Abitur machen und sich um einen Ausbildungsplatz bewerben. „Ziele sind wichtig“ unterstreicht Ralf Harz, „sie können die Jugendlichen unglaublich motivieren!“

 

Davud_Karag__z_100_Davud Karagöz lebt seit 20 Jahren in Deutschland. Er ist selbstständig und Vater von zwei Kindern. Er ist Mitglied in einer Vätergruppe des Kommunalen Integrationszentrums in Herne. Die Vätergruppen in Herne sind Bestandteil des interkulturellen Väternetzwerkes NRW, das aus dem Facharbeitskreis, der Landeskoordination, der Geschäftsführung und einer Evaluation zur nachhaltigen Entwicklung interkultureller Väterarbeit besteht.

 

 

 

Ralf_Harz_100Ralf Harz leitet den Arbeitskreis der Kreisschulpflegschaft zum Thema "Übergang Schule und Beruf" im Kreis Gütersloh. Er ist Vater von zwei Kindern, die diesen Prozess schon durchlaufen haben. Bei seiner Arbeit als Prokurist, auf vielen Berufsmessen und Infoabenden hat er beobachtet, dass sich Väter sehr für das Thema interessieren und bei der Begleitung ihrer Kinder engagieren. Kontakt: uesb@unitybox.de

 

 

 

Weitere Informationen unter:

 

(vaeter.nrw.de, 25.09.2014)

Foto 1: © Lisa F. Young - Fotolia.com
Foto 2: © Davud Karagöz
Foto 3: © Ralf Harz

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