Interview: Volker Jantsch und sein Väterstammtisch

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Interview: Volker Jantsch und sein Väterstammtisch

Jantsch2007_100Volker Jantsch hat mit seinen beiden Söhnen Luis und Timo nicht nur an mehreren Vater-Kind-Wochenenden teilgenommen. Die vielen positiven Erfahrungen veranlassten ihn, mit anderen Vätern einen regelmäßigen Austausch über Probleme der Kinder oder Erziehungsthemen zu führen - den er nun nicht mehr missen möchte.

Herr Jantsch, Sie haben vor einiger Zeit mit Ihren Söhnen an einem Vater-Kind-Wochenende des Vereins "mannigfaltig" (Hannover) teilgenommen. Was hat Sie dazu bewogen?

Ich kenne Axel Hengst, den Leiter der Vater-Kind-Angebote, seitdem er einen wöchentlichen Vater-Kind-Nachmittag angeboten hat. Mein erster Sohn Luis, heute 9 Jahre, war damals etwa 3 Jahre alt, und diese Nachmittage haben immer sehr viel Spaß gemacht. Ich kam mit vielen Vätern in Kontakt und wir haben uns auch außerhalb dieser Gruppe getroffen. Als dann Vater-Kind-Wochenenden angeboten wurden, waren Luis und ich, später auch mein zweiter Sohn Timo (6 Jahre), sofort dabei.

Welche waren Ihre Erwartungen an dieses Wochenende? Wurden sie erfüllt?

Ich habe mit meinen Söhnen schon an fünf oder sechs Wochenenden für Väter und Kinder teilgenommen. Beim ersten Mal war ich natürlich sehr aufgeregt, ob auch alles klappt, dass Luis auch Spaß mit den anderen Kindern hat und guten Kontakt bekommt. Aber in dem schönen Rahmen, in dem die Wochenenden stattfinden, war eine Leichtigkeit und Gelassenheit, die ich so nicht erwartet habe. Das Tagesprogramm lief nach Abstimmung mit den Kindern und Vätern - Axel und ein weiterer Kollege machten Vorschläge und eine gewisse Vorstrukturierung - "wie von selbst". Nachdem die Kinder abends dann im Bett waren, saßen die Väter zusammen in gemeinsamer Runde. Es war ein sehr harmonisches Zusammensein und es gab neben allen Aktivitäten immer Zeit, sich mit den anderen Vätern auszutauschen. Meine Erwartungen wurden also mehr als erfüllt.

Sie nehmen an einem sog. Väterstammtisch teil, der auf Grund dieses Wochenendes ins Leben gerufen wurde. Wer nimmt noch daran teil, wie oft treffen Sie sich, und worum geht es da?

Die teilnehmenden Väter am Väterstammtisch, etwa 5 bis 8 an der Zahl, sind alle auf verschiedenen Vater-Kind-Freizeiten mitgefahren und wir treffen uns am 1. Donnerstag im Monat. Wir unterhalten uns über Probleme der Kinder in der Schule und zuhause in der Familie, geben untereinander Hilfestellungen bei Problemlösungen. Themen sind auch Familieunternehmungen ohne die Mütter, was für einige Väter und Kinder nicht so selbstverständlich ist. Aber es geht auch um so wichtige Themen wie Fußball und Autos…

Was ist denn ein Beispiel für das Problem eines Kindes oder eine Erziehungsfrage und worin genau besteht die Unterstützung im Väterkreis? Welche Lösungsvorschläge werden gemacht?

Bei schulischen Problemen der Kinder geben wir uns z.B. gegenseitig Ratschläge, was wir machen würden, was unsere Kinder im Vergleich tun. Und bei ganz schwierigen Sachen gibt es auch schon mal den Tipp, sich professionelle Hilfe zu holen etwa beim Schulpsychologen. Wichtig dabei ist uns, dass die Hemmschwellen fallen, über Probleme zu sprechen. Oft lösen sich Probleme, z.B. bei den Erziehungsfragen, im Gespräch der Väter untereinander.

Was empfinden Sie allgemein als hilfreich in Ihrem Alltag als Vater?

Wichtig ist für mich, dass ich für meine Kinder Zeit habe, nicht nur am Wochenende. Meine Frau und ich teilen uns den Haushalt und die Betreuung der Kinder zu etwa gleichen Teilen, d.h. ich habe auch genug Zeit, im Beirat der Kindertagesstätte mitzuarbeiten, zu den Klassenkonferenzen in die Schule zu gehen und mit meinen Söhnen während der Woche zum Fußballtraining zu gehen. Dieses Eingebundensein in den normalen Alltag empfinde ich als hilfreich, sowohl für die Beziehung zu meinen Kindern als auch für den Überblick, der nötig ist, wenn unerwartete Dinge geklärt und geregelt werden müssen.

Laufen Sie als "aktiver Vater" offene Türen ein oder gibt es Vorbehalte in Ihrem Umfeld, z.B. bei Freunden, Kollegen, beim Arbeitgeber?

Mein Freundes- und Bekanntenkreis unterstützt mich in meinen Aktivitäten, bei den Arbeitskollegen und beim Arbeitgeber gibt es aber auch sehr viel Skepsis, was wohl mit dem überkommenen Rollenverständnis zu tun hat.

Wie äußert sich diese Skepsis und ist sie Thema beim Väterstammtisch? Geht es anderen Vätern ähnlich?

Wir diskutieren über die beruflichen Nachteile, wenn man Teilzeit arbeitet, wobei es einigen Vätern ähnlich geht. Wir unterstützen uns aber in unserer Haltung, dass es für Väter nichts Besonderes sein sollte, weniger zu arbeiten - auch hinsichtlich der gesellschaftlichen Stellung - und sich die Kinderbetreuung und -erziehung mit der Partnerin zeitlich gleichberechtigt zu teilen.

Haben Sie sich mit weiteren Themen von Vaterschaft beschäftigt, z.B. mit Teilzeit oder der Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Als Luis 15 Monate alt war, habe ich für 16 Monate Erziehungsurlaub genommen und meine Frau hat wieder gearbeitet. Bei meinem Arbeitgeber (öffentlicher Dienst) kam meine Absicht damals gar nicht gut an. Nach dem Erziehungsurlaub habe ich dann meine Arbeitszeit für 3 Jahre auf 30 Stunden/Woche reduziert, und nachdem mein zweiter Sohn Timo geboren wurde, arbeite ich 20 Stunden/Woche - das alles aber erst nach vorherigem großem Diskussionsbedarf seitens meines Arbeitgebers!

Für mich war und ist es wichtig, Zeit für meine Kinder zu haben.

Hat sich bei Ihrem Arbeitgeber zu dieser Frage inzwischen mehr getan?

Vor einigen Tagen kam ein Arbeitskollege (er hat 3 Kinder) zu mir und sagte, dass er ab sofort auch Teilzeit arbeitet. Wir hatten uns über das Thema vor längere Zeit unterhalten, und nun sagte er, er habe seine Absicht, Teilzeit arbeiten zu wollen, bei unserem Chef problemlos durchsetzen können. Ich hätte da wohl "ganz gute Pionierarbeit geleistet", meinte er - ein kleiner Teilerfolg.

Mehr Zeit für Kinder zu haben wird für Väter heute selbstverständlicher. Wie haben Sie das selbst als Kind mit Ihrem Vater erlebt? Wird beim Väterstammtisch auch über die Beziehungen zu den eigenen Vätern gesprochen, positiv und negativ? Was z.B. machen Väter mit ihren Kindern heute genauso – oder ganz anders?

Die Beziehungen zu den eigenen Vätern sind auch Thema: was war besser, was schlechter? Mein Vater hatte seine Werkstatt bei uns im Haus. Er war zwar in unserer Nähe, aber für uns Kinder kaum ansprechbar, da er sehr viel gearbeitet hat; meine Mutter führte den Haushalt.

Die körperliche Nähe zu meinem Vater war nicht so stark ausgeprägt wie zwischen mir und meinen Söhnen. Ich spiele mit meinen Jungs auch Fußball oder male und bastele mit ihnen. Das gab es bei mir damals nicht. Mit meinem Vater habe ich Ausflüge gemacht und Veranstaltungen besucht.

Was würden Sie auf Grund Ihrer Erfahrungen anderen Vätern heute empfehlen?

Ich kann jedem Vater nur empfehlen darüber nachzudenken, Erziehungszeit zu nehmen bzw. die Arbeitszeit zu reduzieren - auch wenn dann weniger Geld vorhanden ist und der Karriereknick droht. Denn die Zeit mit den Kindern möchte ich nicht missen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Jantsch!

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