Tipps: Teilnehmer gewinnen für Väter-Kurse und -Treffs

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Tipps: Teilnehmer gewinnen für Väter-Kurse und -Treffs

Was nützen die tollsten Themen, die abwechslungsreichsten Methoden und die größten Motivationen, wenn ich mein Vater-Kind-Angebot nicht an den Mann bzw. den Jungen oder das Mädchen bekomme?

Ankündigungen und Öffentlichkeitsarbeit sind - nach der inhaltlichen und konzeptionellen Entwicklung eines Angebots - das A und O einer gelingenden Veranstaltung. Damit ein Angebot nicht nur wahrgenommen, sondern Väter auch daran teilnehmen, muss die Werbung "Reize ausüben, den Zugewinn, den die Teilnehmer in der Veranstaltung erwarten, deutlich machen und Verunsicherungen vermeiden" (Richter & Verlinden: Vom Mann zum Vater, 2000, S. 42).

Veranstaltungstitel

Der Titel des Angebots ist der "Schlüssel für das Interesse der Männer" oder der "Angelhaken, an dem jemand hängen bleibt" (Gumpinger: Der Wandel der Geschlechtsrollen als Ausgangspunkt reflexiver Männerbildung, 1994, S. 102). Er liefert erste Anhaltspunkte zur Konzeption und zu den Hintergründen der Veranstaltung und sollte stärker lösungs- als problemorientiert sein. Auch wenn sich "zwischen den Zeilen" Problemorientierungen erahnen lassen, soll der Gewinn, der die Teilnehmer erwartet, ganz klar in einer ansprechenden Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit im Vordergrund stehen.

Ausschreibungstext

Hans-Joachim Lenz formulierte für Angebote im Bereich der Männerbildung bereits 1994 die Maxime, die Kursankündigung solle „erfahrungsorientiert an der Widersprüchlichkeit der Lebenswelt der Teilnehmer anknüpfen, ohne abzuschrecken, zu langweilen oder gar moralisierend zu belehren" (Lenz: Auf der Suche nach den Männern, 1994, S.41). D.h.: die Ankündigung muss lebensweltorientiert sein. Abstrakte Texte mit akademischen Inhalten sind für die meisten Väter wenig attraktiv und schrecken ab. Ebenso sind Aufzählungen dessen, was Väter alles nicht können bzw. noch lernen müssen, wenig einladend. Stattdessen geht es darum, Väter ressourcenorientiert zu fördern und einzuladen, ihre Kompetenzen in die Veranstaltung einzubringen und dort zu erweitern. Und das kann und soll Spaß machen, erst recht in der Freizeit.

Beispiele für eine gelungene und eine weniger gelungene Ausschreibung

Ankündigung zu einem "Männerfrühstück", das im männerbüro köln stattfand und außerordentlich gut besucht war: "Wenn Männer Väter werden ... tritt eine völlig neue Lebenssituation ein, die sie in ein Wechselbad der Gefühle wirft: Vorfreude, Eifersucht, Unabhängigkeitsdrang, Liebe, Überforderung, Stolz u.v.m. Welche Erfahrungen, Wünsche und Erwartungen haben wir mit bzw. an Schwangerschaft, Geburt und Vater-Sein? Wie stellen wir uns unsere Rollen als Väter vor? Was bringen wir mit, was wollen wir dazulernen? Hierüber wollen wir mit angehenden Vätern, gewordenen Vätern, Männern, die Väter werden möchten und anderen interessierten Männern ins Gespräch kommen. 'Geburtshilfe' dabei leisten die beiden Leiter".

Der Titel macht kurz und präzise deutlich, worum es geht. Eine Vielzahl von benannten Gefühlen bietet die Gelegenheit zur Identifikation und die Adressaten werden eingeladen, ihre Ressourcen einzubringen und selbst zu formulieren, was sie lernen wollen. Eventuelle Verunsicherungen werden als Fragen, nicht als bestehende Defizite formuliert. Der Text spricht besonders dadurch an, dass sich die Anbieter in die Gruppe der Adressaten einbeziehen und nicht abstrakt von "Männern" oder "Vätern" reden. So entsteht eine einladende Normalität und Niederschwelligkeit.

Ein weniger gelungenes Beispiel ist dieses (die Veranstaltung war recht schlecht besucht): "Männliche Kraft: Der Verlust an 'männlicher Energie' in unserer Kultur vermittelt Männern und Jungen ein Gefühl von Entfremdung, sozialer und persönlicher Verantwortungslosigkeit. Männer/Jungen sind voll neurotischer Angst und zielloser Aggression. Es gibt kaum Verbindung zu unseren männlichen Vorfahren. Die Kraft unserer Väter und Großväter hat wenig Einfluss auf unser Leben. In diesem Seminar werden wir zu den Themen Aggression, Verachtung, Väter arbeiten."

Dieser Text ist das Paradebeispiel einer abschreckenden Ausschreibung. Er urteilt pauschal über Männer und seine besondere "Stärke" ist das Aufzeigen von Defiziten. Den verallgemeinerten Problemlagen folgt keinerlei Ansatz einer in Aussicht gestellten Lösung und als Gewinn, den Männer aus diesem Seminar mitnehmen könnten, lässt sich als erstes eine ausgewachsene Depressionen vermuten - wobei das Ziel des Seminars an keiner Stelle deutlich wird.

Werbestrategien

Ist eine gelungene Ausschreibung formuliert - und im Idealfall von Mitgliedern potenzieller Zielgruppen für klar, präzise, ansprechend und ressourcenorientiert befunden -, gilt es, sie über geeignete Medienkanäle zur Zielgruppe zu transportieren. Denn was nutzt der beste Text, wenn er nicht gelesen wird?

Die Wege zur Zielgruppe variieren je nach Veranstaltungsort und -institution. Kindertagesstätten erreichen "ihre" Väter direkt über die "Kindergartentaschenpost", Elternabende, Mütter oder auch Väter direkt. Einrichtungen, die keinen direkten Zugang zur ihrer Zielgruppe haben, müssen dagegen eher auf nach außen gerichtete Werbung setzen. Neben der Ausschreibung im normalen Programm empfehlen sich ganz besonders für Väterthemen eigene Flyer, die an von Vätern frequentierten Orten ausgelegt werden (Sportvereine, größere Arbeitgeber, Baumärkte etc.). Besonders effektiv erweist sich auch die Mund-zu-Mund-Propaganda - auch in klassischen Eltern- bzw. Mutter-Kind-Angeboten. Häufig sind es gerade Mütter, die ihre Partner über Väterveranstaltungen informieren.

Oft lohnt sich auch eine Anfrage bei der regionalen Presse. Väter-Themen haben immer noch einen exotischen Charakter und sind manchem Redakteur einen extra Artikel wert.

Merkliste für Ankündigungstexte zur Männer- und Väterbildung

Weniger Text zieht Interessierte oft mehr an. Der gesamte Kurs muss in einigen klaren Sätzen zusammenzufassen sein. Ein Mann sollte den Ankündigungstext ohne Fachjargon einem anderen Mann beschreiben können:

 

Dem Inhalt eine Form! Ich feile am Text und seinem Aufbau, bis er sich "sprechen" lässt und positiv anregt, neugierig macht:

 

Die passende Information zur rechten Zeit am geeigneten Ort verbreiten. Ich lege mir eine Strategie verschiedener Schritte zur Öffentlichkeitsarbeit für das Angebot zurecht. Und plane im voraus, ob, wann und wo ich:

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