Treffs: Erfahrungswerkstatt für Väter

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Treffs: Erfahrungswerkstatt für Väter

1999 hatte ein Offenbacher Vater Lust und Interesse daran, andere Väter kennen zu lernen und wagte einen Aushang am Mitteilungsbrett des Kindergartens seiner Kinder. Tatsächlich trafen sich dann auch wenig später fünf Väter zu einem Väterabend in der Einrichtung - ohne Kinder, ohne Frauen und auch ohne Erzieherinnen. Nun liegt - nach vielen Erfahrungen - eine Dokumentation vor.

Das erste Treffen wurde von allen Beteiligten als inspirierend und angenehm empfunden und so wurden weitere Termine vereinbart. Erste gemeinsame Aktivitäten gemeinsam mit den Kindern entstanden und ein Klangobjekt für das Freigelände der Kindertagesstätte wurde erdacht, erbaut und installiert. Bald fanden weitere Väter Anschluss an diese Gruppe, deren Kinder gar nicht diesen Kindergarten besuchten. Regelmäßig trafen sich die Väter nunmehr außerhalb der Kindertagesstätte und gründeten 2001 das VäterForum Offenbach e.V. Seither hat das VäterForum Offenbach viele konkrete Erfahrungen mit Vätern gesammelt, die sich im Familien-­ und Berufsleben für eine partnerschaftliche Arbeitsteilung auf unterschiedliche Weise engagieren.

In zahlreichen Gesprächen wurde deutlich, wie unterschiedlich einzelne Väter ihre Rolle und Bedeutung innerhalb ihres Familienkontextes einschätzen. Alle Beteiligten jedoch konnten davon erzählen, welche Hürden sie gegenüber ihren Arbeitgebern, ihren Eltern, ihren Frauen, ihren Kindern oder bei sich selbst überspringen müssen, wenn sie eine aktive Vaterschaft mit hoher zeitlicher und persönlicher Präsenz leben wollen. Damit wächst auch die Wahrscheinlichkeit, dass Väter bei der Verwirklichung eines geschlechterdemokratischen Lebenskonzeptes neben der Überwindung eigener tradierter Rollenvorstellungen, mit zahlreichen Problemen bei der Kindererziehung, Hausarbeit, Partnerschaft und Berufsarbeit konfrontiert sind. Eine stärkere Präsenz von Vätern in ihren Familien verändert nicht selten das gesamte Regelund Beziehungssystem und führt zu teilweise starken Irritationen und intensiven Auseinandersetzungen. Fast alle Väter erlebten, wie stark sich ihre Beziehung zu ihren Frauen verändert hatte und wie aufwändig und komplex das Aufrechterhalten eines konstruktiven und liebevollen Kontaktes ist; dass das Beziehungsgeschehen nicht kontrollierbar ist und dass fast alle von Fluchtphantasien berichten.

Anfang 2004 rief die "hessenstiftung - familie hat zukunft" dazu auf, Vorhaben im Bereich "Väter in Familie und Beruf" zu konzipieren und einen Antrag auf Projektförderung zu stellen. Die Stiftung beabsichtigt mit der Projektförderung, Vätern zu helfen, ihre elterliche Verantwortung stärker wahrzunehmen, den damit verbundenen Herausforderungen durch Kompetenzzuwachs zu begegnen und eine bessere Balance zwischen Beruf und Familie zu erreichen. Die Förderung von Projekten im Bereich "Väter in Familie und Beruf" ist einer von vier Förderschwerpunkten, die sich die Stiftung mittelfristig gesetzt hat. Sie verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke der Familienförderung. Ihr Ziel ist es, die Bedeutung der Familie in der Gesellschaft zu stärken und ihr das Leben zu erleichtern, indem die wirtschaftlichen, sozialen und rechtlichen Rahmenbedingungen verbessert und beste­hende Hindernisse auf dem Weg zu einer familiengerechten Gesellschaft überwunden werden.

Deshalb veranstaltete das VäterForum Offenbach ab November 2004 - in Kooperation mit der "hessenstiftung - familie hat zukunft" - in den Räumen des Offenbacher Kinder-­, Jugend-­ und Kulturzentrums Sandgasse eine professionell begleitete Jahresgruppe für Väter ("Ich bin gerne Vater! ­ Eine Erfahrungswerkstatt für Väter, die eine gesunde Balance zwischen Job, Frau und Kindern suchen") - aktiv unterstützt vom kommunalen Frauenbüro der Stadt. Im Rahmen von 12 Terminen beschäftigten sich die 10 Teilnehmer mit belastenden und freudvollen Aspekten ihres Vaterseins. Zusätzlich wurden zwei Treffen für die Frauen der Teilnehmer durchgeführt, um deren Sicht auf Entwicklungs­ und Veränderungsprozesse aufzugreifen.

Für die Durchsetzung des Lebensmodells "aktive Vaterschaft" sehen sich die meisten Väter schlecht vorbereitet, was durchaus als verunsichernd erlebt wird. Wenige können auf positive Erfahrungen in ihrem Elternhaus zurückgreifen oder haben in ihrer aktuellen Lebenssituation die notwendige soziale Rückenstärkung (von anderen Vätern) bei der Bewältigung ihres partnerschaftlichen Lebenskonzeptes. Und so wurden viele Gespräche unter den Vätern darüber geführt, wie "aktive Vaterschaft" funktionieren kann. Was muss "Mann" eigentlich tun, um aktiver Vater zu sein?

Die 72-seitige Dokumentation dieser Erfahrungswerkstatt für Väter wurde im Februar 2006 von Johannes Strohmeier, Gisela Wölbert und Guido Francescon vorgelegt - sie steht als pdf-Datei zum Download bereit.

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