Interview: Jens Körber - "Elternzeit, die Chance kommt nie wieder."

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Interview: Jens Körber - "Elternzeit, die Chance kommt nie wieder."

Jens Körber, Industriekaufmann in der Buchhaltung eines Polstermöbelfabrikanten, geht im November 2007 für seine zweite Tochter in die Elternzeit. Schon für die erste Tochter hatte er seine Arbeitszeit reduziert und sie in der Woche einen Tag betreut.

Herr Körber, wie ist Ihre derzeitige Lebenssituation?

Ich bin 35, verheiratet und habe 2 Töchter - fast 3 Jahre und 7 Monate alt. Ich habe meine Elternzeit unterbrochen und davor bis Ende Oktober Vollzeit gearbeitet, in meiner Branche 37,5 Stunden.

Wie werden Sie die Elternzeit - in Kooperation mit Ihrer Ehefrau - in Anspruch nehmen? Werden Sie künftig wieder arbeiten gehen?

Ab November 2007 werde ich ein halbes Jahr ganz zu Hause bleiben und meine Frau geht Vollzeit arbeiten. Wir werden so die 14 Elterngeldmonate ausnutzen. Wie es nach dem halben Jahr weitergeht, ist noch nicht ganz entschieden. Die Weichen sind schon gestellt, aber wo die Reise hingeht, mal sehen ...

Wie war die Reaktion Ihres Arbeitgebers auf Ihre Wünsche?

Er sagte nur: "Äh, was?"

Wie waren die Reaktionen des privaten Umfeldes?

Die Entscheidung, die Rolle des Hausmannes für ein halbes Jahr zu übernehmen, kam gut an. Viele wollen wissen, wie ich das schaffe und was nachher aus den Kindern wird. Allerdings kenne ich keinen Vater, der so was gemacht hat.

Wie sind Ihre persönlichen Erfahrungen mit der Elternzeit?

Während meiner Elternzeit vor der Geburt unseres zweiten Kindes habe ich einen Tag komplett zu Hause verbracht und hatte volles Programm mit meiner ersten Tochter. Meine Frau konnte arbeiten gehen und kam so nicht aus ihrem Beruf raus. Ich muss aber gestehen, dass ich froh war, wenn meine Frau abends wieder da war.

Was denken Sie: Warum haben Sie es geschafft, das familiäre Arrangement so hinzubekommen, wie es ist, und warum schaffen es andere nicht?

In der Ehe heißt es Kompromisse zu schließen! Warum es andere nicht schaffen: Keine Ahnung. Es gibt immer einen Weg. Die Frage der "Kinderbetreuung“ sollte aber vor dem Kinderwunsch in der Partnerschaft besprochen und geregelt werden, sonst wird meistens die Frau vor vollendete Tatsachen gestellt und ist dann für die Betreuung der Kinder zuständig.

Haben Sie noch genug Zeit für anderes Privates?

Nein! Ich fühlte mich noch nie so unfit wie jetzt. Mein Sport musste dem höheren Zeitaufwand für die Familie Tribut zollen. Meine beiden kleinen Töchter sind noch nicht so alt, dass ich mir die Zeit für Sport wieder nehmen kann.

Gibt es einen beruflichen Verzicht durch das Engagement für die Familie?

Bis jetzt noch nicht.

Gibt es eine Unterstützung bei der Familienarbeit und bei der Ausübung Ihrer Vaterrolle? Existiert ein Betreuungsnetzwerk?

Ich denke, ich bekomme das schon hin. Ein Betreuungsnetzwerk gab es vor zwei Generationen bestimmt auch nicht.

Würden Sie wieder in Elternzeit gehen?

Klar, ein paar Jahre stehen uns auch noch gesetzlich zu.

Bei meinem Arbeitgeber hab ich das auch schon so angekündigt, dass nach meiner Elternzeit nur max. 30 Stunden pro Woche drin sind.

Welchen Rat würden Sie anderen Vätern geben?

Macht es, die Chance kommt nie wieder.

Zum Ende eine etwas ungewöhnliche Frage: Hat es sich für Sie "gelohnt", sich in der Familie zu engagieren?

In erster Linie engagiere ich mich für mich selber. Diese Erfahrung, den ganzen Tag für zwei kleine Knöpfe da zu sein, will ich selbst bekommen. Die Frage, ob es sicht gelohnt hat, kann man erst in ein paar Jahren beantworten, wenn man sieht, was aus den Kindern geworden ist, denn der Grundstein wird in der Früherziehung gelegt.

Vielen Dank für das Interview!

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