Interview: Roland Fink - "Ein Jahr Elternzeit - das glaubte niemand"

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Interview: Roland Fink - "Ein Jahr Elternzeit - das glaubte niemand"

fink_100Um die Elternzeit für seinen Sohn Alex in Anspruch zu nehmen, lässt Roland Fink, 41 Jahre, zurzeit seinen Job als Staplerfahrer bei der Fa. Interprint (Druckereibetrieb) ruhen. Er ist dort einer von 14 Beschäftigten in diesem Bereich, ingesamt arbeiten bei der Firma ca. 300 Personen.

Herr Fink, schildern Sie uns bitte kurz Ihre derzeitige Lebenssituation.

Ich bin verheiratet, unser Sohn Alex wird im September ein Jahr alt. Seit dem 1.11.06 bin ich in Elternzeit und beginne am 2.11.07 wieder in meiner Firma mit einer Teilzeitbeschäftigung. Meine Frau ist selbständige Friseurmeisterin.

Was war der Anlass für Sie, Elternzeit in Anspruch zu nehmen?

Durch die Selbstständigkeit meiner Frau und ihr höheres Einkommen war uns sofort klar, dass ich das erste Jahr die Sache in die Hand nehme, also unseren Sohn betreue.

Wie war die Reaktion Ihres Arbeitgebers?

Dazu kann ich nur sagen: top. Er hat mir keine Steine in den Weg gelegt. Mit den Bedingungen bin ich sehr zufrieden.

Wie waren die Reaktionen des Arbeits- und privaten Umfeldes? Haben Sie Kenntnis von weiteren Vätern in ähnlicher Situation?

So richtig wollte mir erst keiner in meinem Bekanntenkreis glauben, dass ich ein Jahr zu Hause bleibe. Als der Geburtstermin immer näher rückte, sagten dann aber viele Väter zu mir, dass sie das auch gerne tun würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten.

Wie sind Ihre persönlichen Erfahrungen in der Elternzeit - mit dem Kind, der Partnerin?

Am Anfang waren meine Frau und ich etwas ängstlich: machen wir alles richtig, geht es dem Jungen wirklich gut? Ich denke, dass ist am Anfang aber völlig normal, man wächst eben daran. Meine Frau und ich haben das sehr gut im Griff. Und dass der Alex sich bei uns wohlfühlt, merken wir auch jeden Tag aufs Neue.

Was denken Sie: Warum haben Sie es geschafft, das familiäre Arrangement so hinzubekommen, wie es ist, und warum schaffen es andere nicht?

Wir haben eine sehr gute Unterstützung durch die Omas und Opas, sowie meiner Geschwister und auch die meiner Frau. Ob ich das alles so gut hinbekommen hätte ohne die sehr gute familiäre Unterstützung, weiß ich nicht. Wenn ich Fragen habe, kann ich mich immer auf alle verlassen.

Haben Sie noch genug Zeit für anderes Privates?

Das ist kein Problem, wir bekommen das alles sehr gut unter einen Hut.

Gibt es einen beruflichen Verzicht durch das Engagement für die Familie? Werden Sie künftig wieder arbeiten gehen?

Insgesamt bleibe ich 12 Monate zu Hause und gehe dann ab November 2007 wieder täglich 4 Stunden arbeiten. Mein Arbeitgeber hätte es lieber gesehen, wenn ich zwei Jahre in Elternzeit gegangen wäre. Mit der Teilzeitbeschäftigung war er erstmal etwas zögerlich, hat dann aber meinem Wunsch nachgegeben.

Gibt es eine Unterstützung bei der Familienarbeit und bei Ihrer Vaterschaft? Existiert ein Betreuungsnetzwerk?

Wie schon erwähnt, ist die familiäre Unterstützung riesig. Wenn ich wieder Teilzeit arbeite, ist Alex familiär untergebracht.

Würden Sie wieder in Elternzeit gehen?

Auf jeden Fall, es ist sehr schön, sein Kind groß werden zu sehen, wenn es die ersten Laute von sich gibt - oder mit ihm zu spielen. Einfach toll.

Welchen Rat würden Sie anderen Vätern geben?

Wer die Möglichkeit hat, in Elternzeit zu gehen, dem kann ich das nur empfehlen.

Zum Ende eine etwas ungewöhnliche Frage: Hat es sich für Sie gelohnt, sich in der Familie zu engagieren?

Ganz klar, für mich und meine Frau hat ein neuer Lebensabschnitt begonnen, der uns sehr viel Freude macht.

Vielen Dank für das Interview!

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