Gleich nach der Geburt einen Monat Elternzeit nehmen, das hat Rainer Stumpf, dessen Sohn im Februar 2007 geborenen wurde, gern gemacht. Der Redakteur der in Frankfurt/Main erscheinenden Zeitschrift Deutschland, zugleich das Internationale Magazin des Auswärtigen Amtes, gehört damit zu den ersten Vätern, die die neue Elterngeld-Regelung schon genutzt haben.
Herr Stumpf, war Ihnen und Ihrer Partnerin schnell klar, dass Sie Elternzeit nehmen werden, sobald Ihr Sohn geboren ist? Was waren Ihre persönlichen Gründe für diese Entscheidung?
Ursprünglich hatten wir geplant, meine Elternzeit eher auf den Sommer zu legen. Aber kurz vor der Geburt haben wir es uns aus zwei Gründen noch mal anders überlegt: Der Monat nach der Geburt passte zeitlich gut in den Ablauf meiner Redaktion. Und ich wollte meine Frau unterstützen. Unser Sohn ist unser erstes Kind, Großeltern haben wir keine in der Nähe - so haben wir beide absolutes Neuland betreten. Und das geht gemeinsam einfach besser.
Wie hat Ihr Arbeitgeber auf Ihren Wunsch nach Elternzeit reagiert? Hat er Sie unterstützt?
Ich glaube, mein Chefredakteur hat fast damit gerechnet. Er weiß, dass das Thema Familie für mich sehr wichtig ist. So ging dann auch alles völlig reibungslos über die Bühne.
Das zu hören ist sehr erfreulich! Haben Sie Tipps für andere Väter, was den Umgang mit dem Arbeitgeber hinsichtlich der Partnermonate angeht?
Am besten ist es wohl, sachlich aber bestimmt zu sagen, was man möchte. Sicher ist es kein Fehler, gemeinsam mit dem Arbeitgeber in den Planungen des Unternehmens passende Monate zu suchen - wenn es sich so einrichten lässt. Da ich in einer Redaktion arbeite und ja auch nur zwei Monate Elternzeit nehme, ließ sich das in meinem Fall gut organisieren. Wenn sich ein Arbeitgeber quer stellt, wird's kompliziert. Dann sollte man wohl am besten darüber nachdenken, ob man weiter für dieses Unternehmen arbeiten möchte. Denn mit Kind muss man ja auch mal spontan einen Tag frei nehmen oder früher von der Arbeit weg - wenn ein Arbeitgeber bei der Elternzeit schon quer schießt, ist weiterer Ärger vorprogrammiert.
Welche Reaktionen gab es von Ihren Arbeitskollegen? Und von Ihren Freunden?
Durchweg positive. Ich kann mich an keinen einzigen negativen Kommentar erinnern. Was wahrscheinlich aber auch daran liegt, dass viele Freunde gerade selber Eltern werden oder kürzlich geworden sind - da ist das Verständnis natürlich groß. Ich bin auch nicht der einzige Vater, der sich mit dem Thema Elternzeit auseinandersetzt. Was hinter vorgehaltener Hand am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis geredet wird, weiß ich natürlich nicht. Das ist mir, ehrlich gesagt, aber auch völlig egal.
Sind Sie dann auch nicht der einzige Vater, der tatsächlich Elternzeit genommen hat?
Zurzeit schon. Aber in der PEKiP-Gruppe unseres Kindes haben Väter schon ihre Elternzeit angemeldet.
Haben Sie den Eindruck, dass sich - in Ihrem Bekanntenkreis oder allgemein – die Einstellung zur Elternzeit von Vätern geändert hat? Es hat ja viele öffentliche Diskussionen von der Befürwortung über die Skepsis bis hin zur Ablehnung gegeben...
Gerade habe ich eine Geschichte über Väter in Elternzeit für unser Magazin geschrieben. Bei der Recherche habe ich nicht nur mit Vätern, sondern auch mit Personalreferenten von Unternehmen gesprochen. Und seitdem bin ich überzeugt, dass sich tatsächlich etwas tut in Sachen Familienfreundlichkeit. Immer wieder bin ich auf die gleiche Aussage gestoßen: Wer in Zukunft die besten Köpfe für sein Unternehmen möchte, muss familienfreundlich sein. Im privaten Bereich, das haben mir auch die befragten Väter bestätigt, wird das Engagement für das eigene Kind sowieso schon lange unterstützt.
Wie haben Sie Ihre erste Elternzeit mit Ihrem Sohn erlebt - auch vor dem Hintergrund der gesetzlichen Neuregelung?
Jeder Augenblick war ein Genuss. Gibt es etwas Aufregenderes, als die tägliche Entwicklung eines Kindes zu erleben? Gerade am Anfang da zu sein, festigt meiner Meinung nach die Bindung zwischen Kind und Vater. Wickeln und Anziehen sind dann auch schnell kein Problem mehr und heute selbstverständlich. Am Anfang hatte ich, wie wahrscheinlich jeder andere frischgebackene Vater auch, Angst, unseren Sohn falsch anzufassen oder anzuheben. Aber das legt sich durch die tägliche Routine schnell. Erlebt man sein Kind allerdings nur abends, dauert dieser Prozess sicher länger.
Wie geht es jetzt weiter mit Ihrer Elternzeit?
Ich werde Anfang nächsten Jahres einen zweiten Monat nehmen, um meiner Frau den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern. Ich kann es kaum erwarten, bis der zweite Vätermonat beginnt!
Vielen Dank für das Gespräch!