Eine moderne Gestaltung und Regelung von Arbeitszeiten geht auf die Bedarfe nicht nur des Unternehmens, sondern auch auf die seiner Belegschaft ein - und damit auch auf die der Väter. Eine Vielzahl von Arbeitszeitmodellen bringt Bewegung in die Personalpolitik - die wichtigten werden hier vorgestellt.
Ein zentraler Baustein für eine familienbewusste und damit auch väterfreundliche Personalpolitik ist die Gestaltung und Regelung von Arbeitszeiten. Durch eine zeitgemäße Arbeitszeitgestaltung können die Anforderungen von Eltern an die Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit den betrieblichen Anforderungen optimal abgestimmt werden. Es eröffnen sich über die kompetente Gestaltung von Arbeitszeiten neue Chancen für ein Gleichgewicht zwischen Unternehmensinteressen, Kundenwünschen und familiären Belangen der Beschäftigten.
Die Möglichkeiten einer flexiblen und zugleich individuellen Regelung von Arbeitszeiten sind heute vielfältiger und passgenauer als in früheren Jahren. Kontinuierliche Vollzeittätigkeit spiegelt immer weniger die Norm des Arbeitsalltags vieler Menschen. Diskontinuitäten im Lebenslauf und Lebensphasen mit verringerten Arbeitszeiten sind für viele Frauen und Männer inzwischen eine Realität, die im betrieblichen Arbeitszeitmanagement berücksichtigt werden müssen. Die Unternehmen sehen sich auf der anderen Seite in der Pflicht, Auftragsschwankungen abzufedern, längere Servicezeiten zu ermöglichen, und die durch Überstunden ggf. entstehenden Kosten zu senken. Eine neue Arbeitszeitorganisation und eine zeitgemäße Arbeitszeitkultur als Teil der Unternehmensstrategie sind wesentlich für den Erfolg einer Organisation und zugleich Voraussetzung für hohe Motivation und Arbeitszufriedenheit der betroffenen Väter.
Die Möglichkeiten und Spielräume einer väterfreundlichen Arbeitszeitgestaltung sind heute sehr umfangreich. Die wichtigsten Varianten und Trends in der Praxis von Unternehmen sind:
Die eingesetzten Instrumente haben sich ebenfalls seit Einführung von Gleitzeitmodellen in den 70er Jahren erheblich weiter entwickelt. Neben dem traditionellen Zeitkonto (Gleitzeit mit Kernzeit) und der damit verbundenen maschinellen Zeiterfassung sind flexible Zeitkonten (Ampelmodelle) mit Selbsterfassung und der Möglichkeit eines individuellen Zeitausgleichs in der Praxis zunehmend relevant geworden.
Einige Unternehmen sind inzwischen zur so genannten Vertrauensarbeitszeit übergegangen, die ohne Zeiterfassung, Dokumentation und direkten Zeitausgleich auskommt. Dieser Trend von der traditionellen Zeitorientierung zur Leistungsorientierung wird unter Expertinnen und Experten durchaus kritisch diskutiert. Es wird z. B. befürchtet, dass die Beschäftigten sich in ihrem Arbeitszeitverhalten ausschließlich an den Erfordernissen des Unternehmens orientieren müssen und ihre lebensweltlichen Bedürfnisse keine Berücksichtigung erfahren, wenn eine ausschließlich leistungs- und ergebnisorientierte Form der Vertrauensarbeitszeit praktiziert wird.
Für Väter sind betriebliche Arbeitszeitregelungen immer dann optimal, wenn die Verteilung der Arbeitszeiten so weit wie möglich den Beschäftigten selbst obliegt. Wenn das Arbeitszeitvolumen bzw. die vertragliche Arbeitszeit frei gewählt werden kann und diese vereinbarten Arbeitszeiten weitestgehend eingehalten werden können (Mehrarbeit in begrenztem Umfang), lassen sich die alltäglichen Anforderungen und Verpflichtungen aus dem privaten Bereich gut mit den Arbeitsanforderungen harmonisieren.
Gleichwohl zeigt sich in der Praxis von einigen Unternehmen, dass die Wahlmöglichkeiten noch immer durch starre Anwesenheitspflichten und das Festhalten an relativ unflexiblen Arbeitszeitregelungen begrenzt werden. In manchen Unternehmen werden die Väter aufgrund der vorherrschenden Arbeitszeitkultur daran gehindert, ihre ggf. vorhandenen Teilzeitwünsche zu äußern. Wenn Mehrarbeit und ungezügelter Zeitverbrauch am Arbeitsplatz normal und gewünscht sind, befürchten Männer nicht selten negative Konsequenzen für die eigene Karriere.
Aufklärung, Weiterbildung und gute Beispiele zu neuen Arbeitszeitmodellen sind wichtige Hebel, um betriebliche EntscheiderInnen, aber auch Betriebsräte, Gewerkschaften, und nicht zuletzt die betroffenen Väter mit den Möglichkeiten einer innovativen Arbeitszeitgestaltung vertraut zu machen. Der betriebliche Kontext erfordert dabei passgenaue Lösungen, die einen fairen Ausgleich zwischen den Interessen von Unternehmen, Kundengruppen und Beschäftigten ermöglichen.
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Literatur: