Nicht nur Großunternehmen können sich mit familienbewussten Angeboten profilieren - auch Klein- und Mittelbetriebe sind in der Lage, entsprechende Regelungen auf die Bedürfnisse einzelner Mitarbeiter zuzuschneiden. Und meist sogar genauer.
Lange Zeit waren es nur wenige Großunternehmen, die sich mit familienbewussten Angeboten profilierten. Dabei können Klein- und Mittelbetriebe solche Regelungen meist genauer auf die Bedürfnisse einzelner Mitarbeiter zuschneiden. Das gilt gerade für das oft vernachlässigte Thema Arbeitszeit: Wenn von Männern die ständige Bereitschaft zu Überstunden verlangt wird, kann von "Väterfreundlichkeit" keine Rede sein.
Die Druckwerkstatt in Darmstadt macht ihren männlichen Mitarbeitern ein besonders attraktives Angebot: Väter können ihre Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich reduzieren - je nach Alter des Kindes um bis zu sechs Stunden. Hinzu kommen sehr flexible Zeitkonto-Regelungen: Minusstunden dürfen junge Väter noch Jahre später ausgleichen - etwa, wenn sie wieder länger arbeiten wollen, weil sich ein öffentlicher Betreuungsplatz für ihr Kind gefunden hat.
Die Geschäftsführung achtet darauf, dass betriebliche Besprechungen zu familienfreundlichen Zeiten stattfinden - etwa vormittags oder direkt nach der Mittagspause, jedenfalls nicht am späten Nachmittag. Eine monatliche Firmensitzung, die besonders lange dauert, wird bei Bedarf sogar zu Eltern nach Hause verlegt. Das wenig väterfreundliche Motto "Karrieren werden nach 17 Uhr entschieden" hat bei der Druckwerkstatt jedenfalls keine Gültigkeit.
Das Unternehmen zählt zu den Gewinnern des von der Bundesregierung ausgeschriebenen Wettbewerbs "Der familienfreundliche Betrieb", der inzwischen in "Erfolgsfaktor Familie" umgetauft wurde. Nach einer Prognos-Studie rechnen sich familienfreundliche Maßnahmen: Ins Gewicht fallen besonders die Einsparungen durch eine sinkende Fluktuation. Denn Personalwechsel ist teuer: Die Kosten für die Wiederbesetzung einer Stelle taxieren Unternehmensberater mit 1,5 Jahresgehältern. Die Loyalität der Beschäftigten steigt, wenn der Arbeitgeber hilft, Kind und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Der langfristig absehbare Mangel an qualifizierten Fachkräften lässt einen Teil der Personalleiter umdenken. Zwar gilt als idealer "High Potential" immer noch der 30-Jährige, der sich in seiner knappen Freizeit eher im Kraftraum als im Kinderzimmer aufhält. Doch Männer lassen sich nicht mehr allein mit Geld oder tollen Tagungshotels ködern. Als Väter suchen sie ein berufliches Umfeld, das stabile Freiräume bietet für private Wünsche und Verpflichtungen.
Links:
Zum Weiterlesen: Die Betriebsvereinbarungen der Druckwerkstatt Kollektiv GmbH zu Entlohnung und Arbeitszeitregelung können Sie von der Site http://www.sozialnetz.de als pdf-Datei herunterladen.