Expertenmeinung: Väterfreundlichkeit in kleinen und mittleren Unternehmen

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Expertenmeinung: Väterfreundlichkeit in kleinen und mittleren Unternehmen

Fotolia_18184221_XS_Sean_Prior_mod_100Manche Betriebe seien väterfreundlicher als sie annähmen, sagt Berater Marcus Schmitz aus Frechen bei Köln. In anderen Unternehmen jongliere man indes noch mit Zuständigkeiten oder ignoriere das Thema ganz. Dabei gibt es Druck von unten: Väter definieren ihre Rolle zunehmend neu und formulieren veränderte Anforderungen an Familie und Arbeitsplatz.

"Es gibt mittelständische Unternehmen, häufig Familienunternehmen oder inhabergeführte Betriebe, in denen Familien- und Väterfreundlichkeit zur seit Jahrzehnten gelebten Unternehmenskultur gehört," berichtet Marcus Schmitz, Geschäftsführer der IGS Organisationsberatung in Frechen bei Köln. Flexible Arbeitszeitmodelle und individuelle Lösungen für Beschäftigte mit Familie würden dort individuell besprochen und umgesetzt - ohne sie groß als "Familienfreundliche Maßnahme" zu deklarieren. Damit vergäben sich die Betrieb jedoch eine Chance, meint der Berater: "Viele engagierte Nachwuchskräfte suchen einen Betrieb, der ihnen die Rahmenbedingungen bietet, die sie brauchen, wenn sie eine Familien gründen. Hier können dann gerade kleine und mittlere Unternehmen punkten, die - besser als große - flexibel auf die Bedürfnisse ihrer Beschäftigten eingehen können. Doch wenn die Unternehmen diesen Nachwuchs für sich gewinnen wollen, müssen sie sich ihres Familienfreundlichkeits-Vorteils bewusst sein und ihn auch kommunizieren." Doch nicht in allen Unternehmen ist Familien- und Väterfreundlichkeit eine gewachsene Tradition. Umfragen ergaben, das es in vielen Betrieben dafür noch keine klaren Zuständigkeiten gibt.

Väter zwischen Karriere und Familie

"Der Veränderungsdruck hin zu mehr Väterfreundlichkeit in den Betrieben kommt meist von unten", sagt Marcus Schmitz. Im Rahmen der Studie "Väter zwischen Karriere und Familie", die Marcus Schmitz im Auftrag der Konrad Adenauer Stiftung erarbeitete, stellte er Vätern die Frage: "Erlaubt es Ihnen die momentane berufliche Situation, Ihren eigenen Ansprüchen an Ihre Vaterrolle gerecht zu werden?" Nur rund ein Viertel der Befragten antworteten mit "ja". Die große Mehrzeit wird aufgrund beruflicher Anforderungen den eigenen Vorstellungen von einem "guten" Vater nur teilweise (58 %) oder gar nicht (16 %) gerecht.

Familienfreundlichkeit: für Mütter und Väter

"Das wirft ein Schlaglicht auf die Veränderungen in der Vaterrolle", erläutert Marcus Schmitz. "Partnerschaften, in der die Ehefrau als Hausfrau dem berufstätigen Mann den Rücken frei hält, gibt es immer weniger. Familie ist heute zunehmend ein gemeinsames 'Projekt',  für das die Beteiligten gemeinsam Verantwortung übernehmen. Zwar sind Männer in der Regel auch heute noch Hauptverdiener, doch die Ernährerrolle tritt gegenüber den Fürsorgeaufgaben in der Familie zunehmend zurück." Dieser grundlegende Wandel hat Auswirkungen auf die Arbeitswelt. "Was früher als weibliches Thema galt, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ist jetzt auch zum Väterthema geworden", berichtet der Berater. "Familienfreundlichkeit: Darunter verstanden Unternehmen bislang zumeist Maßnahmen, die es Frauen mit Kind oder Kindern erleichtern sollten, berufstätig zu sein. Erst langsam rücken auch die Väter als Zielgruppe in den Fokus." Der Begriff der Väterfreundlichkeit sei daher so lange wichtig, bis es selbstverständlich ist, dass unter Familienfreundlichkeit Angebote für beide Elternteile fallen.

Väter wünschen sich Home-Office-Tage

Werden Väter gefragt, was sie sich wünschen, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können, stehen Home-Office-Tage und generell mehr örtliche und zeitliche Flexibilität ganz oben auf der Liste. "Außerdem möchten Väter ihre Arbeitszeiten reduzieren. Eine Befragung von 2005 zeigte, dass die Mehrzahl der Väter (71 %) zwischen 41 und 60 Stunden in der Woche arbeitet", erklärt Marcus Schmitz. Außerdem wünschten sich die Väter eine Unternehmenskultur, die es ihnen erlaube, von familienfreundlichen Maßnahmen sanktionsfrei zu profitieren. Dass eine zeitweise stärkere Fokussierung auf außerberufliche Lebensbereiche Karrierenachteile mit sich brächte, sei indes für viele Väter kein Problem. "Sie sind häufig bereit, auf Beförderung zu verzichten, wenn sie im Gegenzug mehr Freiraum erhalten, um ihr Lebensmodell umzusetzen."

 

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