Die Mehrheit der Väter arbeitet festangestellt - mit all seinen Sonnenseiten vom Kündigungsschutz bis zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Doch die Zahl der Freiberufler und Selbständigen wächst kontinuierlich...
Die Mehrheit der Väter arbeitet festangestellt - mit all den Sonnenseiten vom Kündigungsschutz bis zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Doch die Zahl der Freiberufler und Selbständigen wächst kontinuierlich - gerade bei jungen Vätern und bei Männern, die überlegen, eine Familie zu gründen. Längst beschränkt sich diese Existenzform nicht allein auf die klassischen Berufe des Anwaltes, des Arztes oder des Journalisten. Auch immer mehr Arbeitsbereiche, die traditionell von Festangestellten beackert werden, werden ausgegliedert und Väter finden sich zuweilen plötzlich in mehr oder wenigen freien Verhältnissen wieder: Eine Kommune schließt ihre Gartenbauabteilung und vergibt nun Aufträge an selbständige Gärtner - nur nicht im Winter. Krankengymnasten teilen sich eine Praxis und arbeiten je auf eigene Rechnung - und eigenes Risiko. Friseure arbeiten nicht mehr fest angestellt in einem Betrieb, sondern mieten sich tage- oder stundenweise einen Stuhl - und hoffen, dass jemand auf ihm Platz nimmt.
Das hat Vor-, und das hat Nachteile, gerade für Väter. Es vermehrt sich zunächst ihr Kapital der freien Zeiteinteilung: Wo Festangestellte sich meist nach festen Arbeitsrhythmen, ritualisierten Konferenzen und vorgegebenen Terminen richten müssen, kann man seine Arbeitsabläufe nun selbst terminieren. Das Kind muss erst um 9 Uhr in den Kindergarten? Dann fängt man eben mit der Arbeit erst an, wenn man es dort abgegeben hat. Endet freitags auch die Ganztagsschule schon am Mittag, lässt man gleichfalls um diese Zeit den Stift fallen.
Doch ist dafür ein Preis zu zahlen: Wo feste und bis in einem gewissen Rahmen flexible Arbeitszeiten auch einen verbindlichen Feierabend wie ein freies Wochenende garantieren und man die Arbeit entsprechend nicht mit nach Hause nimmt, droht eine Zersiedelung des Arbeitslebens. Denn dank der längst nicht mehr so neuen Medien kann man ja immer arbeiten. Abends, nachts, am Wochenende. Nur mal kurz natürlich - bis dann doch Stunden daraus werden. In vielen Familien heißt es daher: Du bist nie richtig weg und du bist nie richtig da.
Gewiss gibt es Naturtalente, Männer, die ihre Arbeit perfekt einteilen können, sich von nichts ablenken lassen und eine vorbildliche Disziplin an den Tag legen, auch wenn der Tag wider Erwarten mal durcheinander gerät. Doch dies dürfte eher die Ausnahme sein, weil die (un)freiwillige Freiberuflichkeit vielen Vätern ungewohnte Organisationskompetenzen abverlangt. Es gilt, sich flexibler auf wechselnde Zeiten der Erwerbs- und Familienarbeit einzustellen.
Nötig und sinnvoll ist daher eine die Freiberuflichkeit begleitende Berufszeitberatung. Neue Aufgabenfelder ergeben sich damit auch für Elternschulen oder Familienberatungszentren: Statt weiterhin sich "nur" mit Babymassage oder Spielenachmittagen zu profilieren, könnten sie den neuen Herausforderungen im Spannungsfeld von Familienleben und (häuslicher) Freiberuflichkeit nachgehen. Ganz praktisch: Wie kann ich abschalten, wenn ich zu Hause online sein sollte? Wie schaffe ich es, den Laptop und das Handy liegen zu lassen, wenn es mit Söhnchen oder Töchterchen auf den Spielplatz geht? Und wie mit dem Gefühl umgehen, stets am falschen Ort zu sein: Betreut man sein Kind, müsste man sich eigentlich um neue Aufträge und Kontakte bemühen; ist man damit beschäftigt, nagt an einem das schlechte Gewissen, doch nicht genug mit dem Kind zu unternehmen?
Wo eine Firma oder Verwaltung den Arbeitsalltag strukturiert, sind Freiberufler oft Chef, Angestellter und Sekretär in einer Person. Das schafft besondere Belastungen, aber auch besondere (mentale) Freiräume. Man muss hineinfinden in den eigenen Arbeitsrhythmus, und sollte dabei den Rat und Austausch mit Kollegen suchen, die in einer ähnlichen Situation sind.
Hilfreich ist - je nach Branche, in der man tätig ist - das Ausprobieren unkonventioneller Strategien, die gewisse Flexibilitäten zulassen:
Beruf und Familie zu vereinbaren, könnte ganz neue soziale Kreativitäten hervorbringen. Praktische Checklisten können dabei ebenfalls hilfreich sein:
Verbessern wird sich die Situation voraussichtlich mit der derzeit diskutierten Einführung des künftigen Elterngeldes und der zwei "Vätermonate" (die, mit der Partnerin ausgehandelt, vielleicht auch aufgestockt werden können). Dann kommen neben den klassischen Festangestellten und Beamten auch Freiberufler und Selbständige in den Genuss der Möglichkeit, einmal ganz in die Welt der Kinderbetreuung einzutauchen und dafür maximal 1.800 Euro pro Monat zu bekommen (Stand Mai 2006). Immerhin: Nach einer aktuellen Meinungsumfrage von Infratest dimap finden 56% der Befragten - Frauen ebenso wie Männer - den Vorstoß der Bundesregierung richtig, Väter mit dem Elterngeld zu mehr Engagement in der Erziehung zu motivieren. Da lassen sich doch andere Väter finden, mit denen man die Perspektiven besprechen kann.