Ihre Meinung: vaeter-nrw.de-Umfrage zu „Vätern in Unternehmen“

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Ihre Meinung: vaeter-nrw.de-Umfrage zu „Vätern in Unternehmen“

Fragebogen_berwis_pixelio_de_100Im April, Mai und Juni 2010 stellte vaeter-nrw.de unter "Ihre Meinung" seinen Nutzern  jeweils eine Frage zum Themenbereich "Väter in Unternehmen". Organisationsberater und Väterexperte Hans-Georg Nelles aus Köln kommentiert die Ergebnisse.

"Fällt es Ihnen als Vater in Ihrem Unternehmen leicht, Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu nutzen?" So lautete im April 2010 die erste vaeter-nrw.de-Frage aus den Themenblocks "Väter in Unternehmen". 36,3 Prozent der Umfrageteilnehmer beantworteten die Frage mit "ja" (22,7 %) und "eher ja" (13,6 %). Fast zwei Drittel (63,7 %) votierten dagegen mit "eher nein" (18,2 %) und "nein" (45,5 %).

Väterfreundlichkeit muss von Unternehmenskultur getragen sein

Hans-Georg Nelles, der als Organisationsberater Betriebe rund um eine väterfreundliche Unternehmensführung berät, überrascht dieses Ergebnis nicht. "Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Selbst wenn es in Unternehmen Angebote gibt, die sich ganz explizit auch an Väter wenden, fällt es ihnen oft schwer, sie auch in Anspruch zu nehmen." Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber schlössen daraus oft fälschlich, es gäbe keinen Bedarf. Dabei übersehen sie, dass Angebote nur dann funktionieren, wenn sie von der Unternehmenskultur getragen sind. "In vielen Unternehmen existiert eine Kultur mit unausgesprochenen Regeln, die den Vätern suggeriert, dass sie sich ins Abseits katapultieren, wenn sie Angebote - allen voran solche zur Arbeitszeitreduzierung oder der Einrichtung eines Heim-Büros - nutzen." Umfragen zur Elternzeit bestätigen eine Kluft zwischen den Wünschen der Väter und dem, was sie dann realisieren. 60 Prozent der Väter geben an, gerne Elternzeit nehmen zu wollen. Tatsächlich tun es aber nur rund 20 Prozent. "Die Mehrzahl meint nach wie vor, diesen Wunsch nach Zeit mit dem Kind oder den Kindern, nicht umsetzen zu können", sagt Hans-Georg Nelles. Viele Unternehmen arbeiten daher an einer neuen väterfreundlichen Kultur.

Vereinbarkeit von Vater sein & Beruf erwünscht

Was Väterfreundlichkeit von Familienfreundlichkeit unterscheidet, erklären die Autorinnen und Autoren der Broschüre "Väterfreundliche Maßnahmen in Unternehmen" (Prognos, 2005) so: "Väterorientierung ist (...) als eine spezifische Akzentsetzung innerhalb einer familienorientierten Personalpolitik zu sehen, die auf den Abbau von Hemmnissen und auf die Steigerung der Akzeptanz der Maßnahmen bei Männern zielt. Kurz gesagt: Väterorientierung bedeutet, Väter dazu zu ermutigen, familienfreundliche Angebote wahrzunehmen. Die wesentlichen Elemente einer väterfreundlichen Personalpolitik bestehen damit vor allem in der innerbetrieblichen Kommunikation der Maßnahmen, ihrer Legitimation und einer Sensibilisierung von Belegschaft und Führungskräften für das Thema." Gute Beispiele sowie Hinweise für Väterfreundlichkeit in Unternehmen finden Interessierte auch auf vaeter-nrw.de. Im Anschluss an diesen Text verweisen Links auf thematisch passende Beiträge.

Betriebskita: Väter nutzen das Angebot für ihre Kinder

In einigen Unternehmen umfassen die Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Nach den Erfahrungen, die Hans-Georg Nelles machte, haben die Betriebe bei solchen Angeboten zumeist vor allem die beschäftigten Mütter im Blick und sind dann überrascht, wie viele Väter die Kinderbetreuungsplätze für ihren Nachwuchs buchen. "Denn auf der Steuerkarte tauchen die Kindern häufig gar nicht auf, zum Beispiel, weil die Männern nicht verheiratet oder soziale Väter sind", sagt Hans-Georg Nelles. Eine betriebliche oder betriebsnahe Kindertagesstätte erfülle daher oft die zusätzliche wichtige Funktion, Vaterschaft am Unternehmensstandort erlebbar zu machen.

Viele Väter gehen mit gutem Beispiel voran

Im Mai fragte vaeter-nrw.de "Geben Sie in Ihrem Unternehmen ein Beispiel dafür, wie Vereinbarkeit von Beruf und Familien von Vätern gelebt werden kann?" Eine erstaunliche Zwei-Drittel-Mehrheit von 66,7 Prozent antwortete mit "ja" (50 %) und "eher ja". 25 Prozent der Umfrageteilnehmer antworteten mit "eher nein", 8,3 Prozent mit "nein". Hans-Georg Nelles ist überrascht, denn dieses Ergebnis weicht stark von dem ab, was die Antworten auf die erste Frage in diesem vaeter-nrw.de-Umfrageblock und auch seine Erfahrungen erwarten ließen. Eine Erklärungsmöglichkeit wäre die besondere Nutzerstruktur der Seite. "Ich freue mich über jeden, der in dieser Frage voran marschiert. Denn Vorbilder sind wichtig, um eine väterfreundliche Kultur in Unternehmen aufzubauen. Besonders zielführend ist es, wenn Führungskräfte zeigen, wie es gehen kann. Sie können zum Beispiel darauf achten, dass Arbeitzeiten nicht ausufern, selbst pünktlich gehen und dabei auch mal auf familiäre Verpflichtungen verweisen." Eine neue US-amerikanische Studie des Boston College Center for Work and Family deutet indes darauf hin, dass bei den Vätern die Bereitschaft zu solchen Hinweisen wenig ausgeprägt ist: "Die Forscherinnen und Forscher fanden heraus, dass US-amerikanische Väter ihre Arrangements für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie oft 'geräuschlos' treffen. Damit fehlt ihnen aber die Außenwirkung und auch der Beispielcharakter. Das übersehen Väter wohl manchmal."

Familienfreundlichkeit ist wichtiges Kriterium für die Jobwahl von Vätern

Väter, die einen Arbeitsplatz suchen, bevorzugen väterfreundliche Unternehmen. 82,3 Prozent der Umfrageteilnehmer auf vaeter-nrw.de beantworteten die Frage "Ist das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Sie als Vater ein Kriterium bei der Auswahl Ihres Arbeitsplatzes?" mit "ja" und 5,9 Prozent "eher ja". Nur 11,8 Prozent sagten "nein" oder "eher nein". "Das entspricht den Ergebnissen anderer Befragungen", sagt Hans-Georg Nelles. Die IGS-Organisationsberatung ermittelte 2007 sogar, dass über 30 Prozent der Väter für eine gelebte Familienfreundlichkeit im Unternehmen auf bis zu zehn Prozent ihres Gehaltes verzichten würden.

 

Links:

 

vaeter-nrw.de:

 

Foto: berwis / pixelio.de

Veranstaltungen

02/2012 zurück vor
KW MoDiMiDoFrSaSo
05     01 02 03 04 05
06 06 07 08 09 10 11 12
07 13 14 15 16 17 18 19
08 20 21 22 23 24 25 26
09 27 28 29        

Suchen >>>

Thema des Monats

Interview mit Ministerin Ute Schäfer: „Aktive Vaterschaft – erforscht, erwünscht, erledigt?“