Interview: Berater Michael Hübler zum Thema "Väter im Betrieb"

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Interview: Berater Michael Hübler zum Thema "Väter im Betrieb"

Foto Michael HüblerTrainer und Berater Michael Hübler, selbst Vater zweier kleiner Töchter,  leitet die Arbeitsgruppe "Väter im Betrieb" im Rahmen der Initiative "Familienbewusste Personalpolitik in der Metropolregion Nürnberg". Die Gruppe erarbeitete den kompakten Handlungsleitfaden "Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Väter".  Vaeter-nrw sprach mit Michael Hübler über Väter, ihre Suche nach einer neuen Rollenidentität sowie über Väterfreundlichkeit in Unternehmen.

Vaeter-nrw: Warum sind "Väter im Betrieb" ein eigenes Thema?

Hübler: Es ist in der Tat nicht völlig unkritisch, Väter gesondert in den Blick zu nehmen. Wir stießen damit auch auf Widerwillen. Väter sollten die Dinge nicht auf dem Silbertablett serviert bekommen, sondern sich das selber erarbeiten, sagten Frauen. Außerdem ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ja immer auch ein Paarthema, das gemeinsam gelöst werden muss. Trotzdem ist es wichtig, Väter als Zielgruppe von "Familienfreundlichkeit" herauszustellen. Denn auch wenn auf Maßnahmenpaketen in Unternehmen "Familie" draufsteht - gemeint sind zumeist Mütter. So wird das Thema auch angegangen und kommuniziert. Bei Vätern kommt das nicht an. Sie fühlen sich nicht angesprochen. Es ist also wichtig zu fragen, was Väter brauchen und wie wir sie erreichen.

Vaeter-nrw: Was schlagen Sie vor, damit sich Väter von den Maßnahmen zur Familienfreundlichkeit angesprochen fühlen?

Hübler: Es ist wichtig, bei der Ankündigung von Veranstaltungen nicht zu sehr auf den Frauenkanal Smalltalk zu setzen, sondern Informationen zum Beispiel stärker über E-Mail oder das Intranet zu verbreiten. Es ist hilfreich, Väter gezielt anzusprechen - zum Beispiel wenn es um Möglichkeiten geht, Arbeitszeiten zu reduzieren. Es ist außerdem sinnvoll, ihnen eigene Foren für den Austausch - wie einen Väter-Stammtisch - anzubieten. Ich muss jedoch auch zugeben, dass es schwierig ist, Väter zu "soften" Themen wie der Vereinbarkeit von Beruf und Familie hinter dem Ofen hervorzulocken. Sie machen lieber einen Kurs, um ein weiteres Computerprogramm zu lernen. Der Nutzen, den sie aus Informationen zur eigenen Lebensgestaltung ziehen können, ist ihnen häufig nicht klar. Etwas "für sich selbst" zu tun, kommt Männern oft gar nicht in den Sinn.

Vaeter-nrw: Ist für Väter "Work-Life-Balance" denn überhaupt ein Thema?

Hübler: Ja, das glaube ich schon. Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs. Die Rollenbilder stehen nicht mehr fest. Sehr viele Männer suchen nach einem Lebensmodell, das zu ihnen passt, und empfinden diese unsichere Situation als Belastung. Sie sehen sich weder in der traditionellen Position des Alleinverdieners und Ernährers, der ansonsten in der Familie "außen vor" ist, noch können sie sich mit dem "modernen" Vater identifizieren, der ganz selbstverständlich die ganze Bandbreite der Verantwortlichkeiten in Familie und Beruf gleichberechtigt mit seiner Partnerin teilt. Von außen kommt jetzt verstärkt Druck. Er lautet: "Du bist in der Familie gefragt und hast eine wichtige Funktion für die Kinder." Dazu tragen auch das Elterngeld und die Partnermonate bei. Wie sie der neuen Herausforderung gerecht werden sollen, wissen Väter jedoch häufig nicht. Genau diese Männer möchte ich, zum Beispiel mit Vortrags­veranstaltungen in Unternehmen, erreichen.

Vaeter-nrw: Wie können Sie den Unentschiedenen denn helfen, eine eigene Position zu finden?

Hübler: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auf Veranstaltungen nicht abstraktes Wissen zieht, sondern die Erfahrungen, die andere Männer gemacht haben. Wenn Väter über ihre eigenen Lebensmodelle berichten, bekommt das Thema Leben und wird emotional erfahrbar. Das kommt übrigens auch bei den Unternehmen richtig gut an. Die begreifen verstärkt, welche Kompetenzen aktive Väter aus ihrem Familienengagement in den Betrieb mitbringen. Zu Hause fällen sie Entscheidungen, die das Leben eines anderen Menschen betreffen, sie übernehmen große Verantwortung und werden stark mit sich selbst konfrontiert. Mal ehrlich: Mit einem Schreibaby umzugehen, ist eine echte Herausforderung an die Selbstregulation. In der Erziehung sind Führungskompetenzen, Gradlinigkeit und Entschlossenheit gefragt. Unternehmen sollten daher aus meiner Sicht im eigenen Interesse dazu beitragen, dass Männern das "Erfahrungsfeld Familie" offen steht.

Vaeter-nrw: Wie stehen denn Betriebe generell zu "Väterfreundlichkeit"? Ist das Thema dort überhaupt schon angekommen?

Hübler: Nur teilweise. Als wir unsere Arbeitsgruppe vor zwei Jahren gründeten, überwog Skepsis. Wir blieben auch eine kleine Gruppe, die dadurch aber sehr effizient arbeiten konnte. Erst vor einem halben Jahr, als wir unseren Handlungsleitfaden längst entwickelt und veröffentlicht hatten, kamen die Anfragen von Unternehmen, die nach konkreten Maßnahmen und Unterstützung bei der Umsetzung fragten. Die Unternehmen löschen nämlich da, wo es brennt. Das ist zurzeit beim Thema der Pflege älterer Angehöriger. Die "Eldercare"-Arbeitsgruppe war entsprechend überlaufen. Aber warten Sie es ab, in zwei Jahren ist es vielleicht das Väterthema, das unter den Nägeln brennt. Junge Führungskräfte rücken nach. Die lassen sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Die bringen dann zum Beispiel das Arbeitszeit-Thema massiv auf den Tisch und entscheiden sich für Unternehmen, die ihnen väterfreundliche Rahmenbedingungen bieten. Das ist übrigens eine große Chance für kleine und mittlere Unternehmen, da nicht mehr allein die Bezahlung zählt.

Vaeter-nrw: Herzlichen Dank für das interessante Gespräch, Herr Hübler.

Auf der Homepage der Initiative "Familienbewusste Personalpolitik in der Metropolregion Nürnberg" stellt Michael Hübler neben dem Handlungsleitfaden, den die Arbeitsgruppe "Väter im Betrieb" entwickelte, auch Checklisten und Infoblätter zum Thema "Väterfreundlichkeit" zur Verfügung.

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