Praxis international: Schwedisches Modell - Vereinbarkeit von Karriere und Vatersein leicht gemacht

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Praxis international: Schwedisches Modell - Vereinbarkeit von Karriere und Vatersein leicht gemacht

Markus_casual_kleinerIn Schweden nehmen Manager ganz selbstverständlich Elternzeit. Bei Projectplace zum Beispiel, dem Anbieter einer Online-Plattform für Projektmanagement und Teamarbeit, gehört Familienfreundlichkeit zu den zentralen Unternehmenswerten. Diese Kultur transportiert das Unternehmen auch in seine sieben europäischen Niederlassungen - unter anderem nach Deutschland.


Das schwedische Gesetz zur Inanspruchnahme von Erziehungszeiten, das dem deutschen Elterngeld- und Elternzeitgesetz in vielen Punkten Pate stand, ist schon ca. 35 Jahre alt. Inzwischen gehört Elternzeit für Väter in Schweden ganz selbstverständlich dazu: 69 Prozent der Väter machen von dem Angebot Gebrauch. Das gilt auch für Männer in Führungspositionen. Zum Beispiel Patrick Kjellin: Er ist Marketing Manager bei Projectplace in Stockholm, dem Anbieter einer Online-Plattform für Projektmanagement und Teamarbeit. "Von August 2007 bis März 2008 war ich mit meinem ersten Sohn Emil in Elternzeit", erinnert sich Kjellin, der im Herbst zum zweiten Mal in Erziehungsurlaub geht - diesmal mit seinem Sohn Oliver. Er folgt damit dem guten Vorbild des heutigen Vorstands Pelle Hjortblad, der bereits in den 1990er Jahren einige intensive Monate mit seiner jungen Familie verbrachte und der für das Unternehmen Vorteile sieht, wenn seine Mitarbeiter das nachahmen: "Ich weiß, wie wichtig ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Familie ist", sagt er. Daher gilt bei Projectplace auch die ungeschriebene Regel, dass pro Woche nicht mehr als 40 Stunden gearbeitet und der Urlaub möglichst am Stück genommen wird.

Von den 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Stockholmer Projectplace-Zentrale sind derzeit neun in Elternzeit, sechs davon sind Väter. Sie nehmen zwischen sechs und neun Monate Elternzeit und nutzen währenddessen individuelle Teilzeit-Lösungen: Viele kommen zwischen einem und drei Tagen in der Woche ins Büro und arbeiten zusätzlich von Zuhause aus. Wer keine Führungsposition inne hat, arbeitet in dieser Zeit meist ausschließlich vom Home Office aus. Wer während der Elternzeit nicht arbeitet, ist für das Unternehmen aber per Handy und Notebook erreichbar.

Familienfreundlichkeit sei einer der "core values", der zentralen Unternehmenswerte, bei Projectplace, sagt auch Markus Klarmann, der in Frankfurt als Key Account Manager tätig ist. Der 44jährige hat vierjährige Zwillinge und ist seit fünf Monaten für das schwedische Unternehmen tätig. "Ich wohne in Karlsruhe und arbeite jetzt in Frankfurt. Wenn Projectplace nicht so selbstverständlich und unkompliziert mit meinen Vorstellungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie umgegangen wäre, hätte ich den Wechsel von meinem alten Arbeitgeber, der nur 15 Minuten von unserem Wohnort entfernt war, nicht gemacht", erinnert sich Klarmann. "Fünf Tage in der Woche nach Frankfurt zu reisen, wäre für mich nicht in Frage gekommen - obwohl mich die angebotene Aufgabe sehr reizte. Für meine Familie da sein zu können, wäre mir dann wichtiger gewesen." Aber diese Entscheidung musste Klarmann gar nicht treffen. Er fährt heute zwei Tage in der Woche ins Büro nach Frankfurt, hat einen Home-Office-Tag Zuhause und reist an den verbleibenden zwei Tagen von Karlsruhe aus zu Kunden.

Er genießt auch, dass es bei Projectplace kein Thema ist, Zuhause zu bleiben, wenn eines der Kinder krank ist. "Das kam in den fünf Monaten, in denen ich hier bin, auch schon vor", erklärt er. "Einen solchen familiären Engpass kann ich hier ganz offen kommunizieren und treffe jederzeit auf Verständnis. Ich muss auch nicht befürchten, dass es mir negativ angerechnet wird, wenn ich wegen kranker Kinder nicht ins Büro kommen kann." Die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Team sind jünger und haben nur teilweise Kinder. "Sie sehen aber wie gut sich hier Familie und Beruf vereinbaren lassen, das macht ihnen die Entscheidung für Kinder leichte", meint Klarmann.

Dann werden auch Themen aktuell, die in Stockholm bereits dazugehören: Zum Beispiel der "Projectplace Kids Club", der die Betreuung des Nachwuchses der Belegschaft in Notfällen kurzfristig übernimmt. Die Zentrale in Schweden regte auch bereits an, dass die Frankfurter einen Service übernehmen sollten, der in Schweden gar nicht so ungewöhnlich ist. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht dort bei familiären oder beruflichen Problemen eine externe, zur Verschwiegenheit verpflichtete Ansprechperson zu Verfügung, die sie problemlos jederzeit konsultieren können. "Wenn der Haussegen schief hängt oder es Krach im Team gibt, passt auch die Arbeitsleistung nicht mehr. Es ist also im Sinne des Unternehmens, frühzeitig Hilfestellung zu leisten", sagt Klarmann, der eine solche Möglichkeit auch hierzulande für sinnvoll erachtet.

Es ist ein Stück schwedischer Unternehmens- und Lebenskultur, die Projectplace nach Deutschland und die sechs anderen europäischen Länder, in denen das Unternehmen vertreten ist, transportiert. Dass der Kultur-Transfer funktioniert, hängt mit den engen persönlichen Beziehungen zusammen, die länderübergreifend gepflegt werden. Insgesamt sind 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Projectplace tätig. "Als ich anfing, ging ich erst einmal für zwei Tage nach Stockholm, wurde dort vielen Kollegen vorgestellt und vom Vorstand persönlich begrüßt", berichtet Klarmann, der in Frankfurt mit neun weiteren Fachleuten das deutsche Team bildet.

Fakten zur schwedischen Elternzeit:


 

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