Praxis: Väterworkshops bei der Bochumer Stadtverwaltung

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Praxis: Väterworkshops bei der Bochumer Stadtverwaltung

Familie_Vesna_Cvorovic-Fotolia_com_mod_100Beschäftigten der Bochumer Stadtverwaltung steht ein besonderer Service offen:  Sie können Väterworkshops besuchen. „Der Austausch mit anderen ist 1000mal besser als die Lektüre von Ratgebern“, sagt ein Teilnehmer. „Väter verhalten sich oft nach alten Mustern. Gemeinsam entdecken wir die Mechanismen, die da am Werk sind“, erklärt Workshop-Leiter Andreas Haase.

„Wie lebe ich meine Vaterrolle? Was ist mir am Vatersein wichtig?“ - Die Stadtverwaltung Bochum gibt ihren Mitarbeitern Gelegenheit sich darüber auszutauschen und bietet regelmäßig Väterworkshops an. Jeweils zwei Vier-Stunden-Termine, die zwei bis drei Monate auseinander liegen, gehören zusammen.

Die Väter – viele von ihnen mit kleinen Kindern – beschreiben, wie sich das Leben durch den Nachwuchs geändert hat: „Jetzt dreht sich alles um das Kind.“ Die meisten sind ganz zufrieden damit. Einige finden es in dieser Situation schwer, zur Arbeit zu gehen. Kay Dewenter hat eine einjährige Tochter und neun Wochen Elternzeit vor sich, auf die er sich freut. „Schade, dass ich nicht mehr nehmen kann“, meint er und beneidet einen Kollegen, der von zehn Monaten Elternzeit berichtet. „Wir haben uns aber gerade ein Haus gekauft. Eine längere Elternzeit ist daher finanziell nicht drin.“

Wo die Väter Abstriche machen würden, um mehr Zeit mit der Familie zu haben, ist eines der wichtigen Diskussionsthemen im Workshop. „Ich habe mir da nie wirklich Gedanken drüber gemacht“, gibt Kay Dewenter zu. Wenn es um Dienste am Abend oder Wochenende geht, die in der Verwaltung der Feuerwehr, bei der er arbeitet, häufiger anfallen, sagte Kay Dewenter bislang selten „nein“. „Das mache ich jetzt anders“, sagt er. Die Erfahrungsberichte der Väter mit älteren Kindern im Workshop hätten ihm deutlich gemacht, dass er die verlorene Zeit mit der kleinen Tochter nicht einfach irgendwann nachholen könne.

Gender-Trainer Andreas Haase aus Detmold, der die Workshops leitet, beobachtet, dass Männer und Frauen, die Aufgaben, die sie als Eltern haben, nur in den seltensten Fällen miteinander besprechen und aufteilen. „Da wirkt ein starker Automatismus. Aufgaben werden geschlechtstypisch verteilt. Die Wenigsten stellen das in Frage“, berichtet er. Dass die Frau die ersten Jahre Zuhause verbringe, sei für die meisten „ganz klar“. Viele Workshop-Teilnehmer sprächen der Partnerin dabei die Oberhoheit über häusliche Belange zu. „Zuhause gilt das mütterliche System, das die Väter oft nicht anzukratzen wagen. Sie ordnen sich unter“, hat Andreas Haase beobachtet. Sich stärker mit eigenen Standpunkten in der Familie einzubringen und eigene Erziehungsvorstellungen zu äußern und zu diskutieren, ist für viele Väter in dieser Situation, in der sie alle Kompetenz der Mutter zusprechen, schwierig. Väter merkten oft gar nicht, was da passierte. Die Workshops dienten dazu, das bewusst zu machen.

In vielen Partnerschaften veränderten sich die Bedingungen, wenn die Frauen wieder eine Erwerbsarbeit aufnähmen. „Aushandlungsprozesse in den Partnerschaften beginnen oft erst in dieser Phase“, sagt Andreas Haase, der Väter motivieren möchte, früher damit anzufangen und egal ob sie voll berufstätig sind oder nicht, Mut zur eigenen Meinung zu haben. Die häusliche Führung allein der Frau zu überlassen, sei natürlich bequem. Ein Kind krempelt das Leben völlig um. Wer Veränderung scheut, freut sich dann, dass im Beruf alles seinen gewohnten Gang geht und das „neue“ Leben mit Kind auf eng begrenzte Zeiten beschränkt bleibt.

Im Arbeitsalltag gibt es oft nur wenige Augenblicke, in denen den Männern ihr Vater-sein zu Bewusstsein kommt. Gespräche über Kinder oder Vaterrolle gibt es unter den Kollegen kaum. Kay Dewenter vermisst das. Ihm gefiel der Austausch mit den anderen Männern am Väterworkshop besonders gut. „Es ist beruhigend, zu hören, dass sich die anderen mit den gleichen Fragen und Problemen herumschlagen – 1000mal besser als ein Erziehungsratgeber.“

(vaeter.nrw.de, 25.05.2011)

Foto: Vesna Cvorovic / Fotolia.com

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