80 Prozent der Beschäftigten der Unternehmensgruppe Stadtwerke Bielefeld sind Männer - viele von ihnen Väter. "Mit Vätern rechnen - Innovative Personalarbeit mit Vätern" heißt daher ein neues, im Rahmen des Wettbewerbs familie@unternehmen.NRW ausgezeichnetes und gefördertes Projekt, das dazu beitragen soll, eine väterbewusste Personalpolitik in der Unternehmenskultur zu verankern. Die Ergebnisse der dazu durchgeführten Umfrage unter Beschäftigten und Führungskräften liegen vor und wurden am 17. November 2010 auf einer Transferveranstaltung vorgestellt.
"Ich denke, eine Vaterschaft hat positive Folgen für den Beruf. Ich habe den Eindruck, dass Väter flexibler und mobiler sind", sagte eine Führungskraft in der Umfrage, die Organisationsberater Hans-Georg Nelles im Auftrag der Unternehmensgruppe Stadtwerke Bielefeld unter dortigen Beschäftigten und Führungskräften durchführte. Die Online-Umfrage unter den Beschäftigten, an der sich 200 Mitarbeiter - etwa 95 Prozent von ihnen Väter - beteiligten, sowie Interviews mit 70 Führungskräften aus allen Unternehmensbereichen sind Herzstück des Projekts.
Väterfreundlichkeit im Unternehmensalltag verankern
"Wir haben uns mit diesem Projekt damals beworben, weil die Unternehmensgruppe Stadtwerke Bielefeld eine väterbewusste Unternehmenskultur fördern will", sagt Hans-Georg Nelles, der mit seinem Unternehmen "Väter & Karriere" Betriebe dabei unterstützt, die Potenziale von Väter zu sehen und noch besser zu nutzen. "Führungskräfte spielen bei der Umsetzung eine Schlüsselrolle. Mit ihrem Verhalten und ihren ausgesprochenen und unausgesprochenen Erwartungen an die Beschäftigten prägen sie die Bedeutung, die Familienfreundlichkeit im Unternehmensalltag hat." Deshalb gab es persönliche Interviews mit Führungskräften, in denen darum ging, herauszufinden, wie sie Vaterschaft sehen, wie sie mit Vätern in Elternzeit umgehen und deren Ansehen einschätzen, wie sie Führung mit reduzierter Stundenzahl beurteilen, was sie über Angebote für Väter im Unternehmen wissen und welche Erfolgsfaktoren sie für das Projekt für relevant halten. In einer Online-Befragung wurden Mitarbeiter ebenfalls zu väterspezifischen Themen befragt.
"Vaterschaft wirkt sich positiv auf die Arbeitsleistung aus"
Überraschenderweise bemerken Führungskräfte sowie Mitarbeiter einen positiven Zusammenhang zwischen Vaterschaft und beruflicher Leistung. Dies geben insgesamt 82 Prozent der an der Online-Befragung Beteiligten an. 56 Prozent schätzen die Auswirkungen positiv, 26 Prozent sogar sehr positiv ein. "Auch über die Hälfte der Führungskräfte sagten, dass Väter effizienter arbeiten und - auch gedanklich - flexibler sind, dass sie ihre Zeit gut einteilen und Verantwortung übernehmen und sahen daher einen positiven Effekt der Vaterschaft. Rund ein Drittel der Befragten hatte sich mit der Frage noch nicht beschäftigt und etwa zehn Prozent von ihnen fanden keine Unterschiede zwischen Vätern und kinderlosen Mitarbeitern."
Vorgesetzte treten für aktive Väter ein
Das Ansehen von aktiven Vätern habe sich im Unternehmen verbessert, sagten etwa zwei Drittel der Beschäftigten, die sich an der Online-Befragung beteiligten. Viele der Führungskräfte sahen es als ihre Aufgabe an, für aktive Väter einzutreten. "Es ist meine Aufgabe als Führungskraft dafür zu sorgen, dass andere das auch akzeptieren", sagte einer von ihnen. Die Führungskräfte berichteten jedoch immer wieder auch von Schwierigkeiten, wenn Väter wegen familiärer Verpflichtungen ausfielen und deren Arbeit von anderen mit übernommen werden müsse. Denn es gebe ja Zielvorgaben, die erreicht werden müssten.
Wunsch nach kürzeren Arbeitszeiten
Fast alle befragten Mitarbeiter wünschen sich kürzere Arbeitszeiten. Viele Beschäftigten arbeiten rund 40 Stunden in der Woche. Ihre durchschnittliche Wunscharbeitszeit liegt etwa fünf Stunden darunter. Wer heute 60 Stunden pro Woche arbeitet, möchte gerne auf 50 Stunden reduzieren und diejenigen die 30 Stunden arbeiten, würden lieber 20 Stunden pro Woche erwerbstätig sein. Fast 50 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, zu wenig Zeit für die Familie zu haben. Rund 36 Prozent beklagen, aus Zeitmangel eigenen Interessen nicht wie gewünscht nachgehen zu können.
Schwierig: Führen in Teilzeit
Auch Vorgesetzte könnten aus Sicht der Mitarbeiter in Teilzeit arbeiten. Nur 18 Prozent der Beschäftigten, die an der Befragung teilnahmen, sind der Ansicht, dass ihr Vorgesetzter jederzeit persönlich für die erreichbar sein müsse. 64 Prozent sind der Meinung, dass moderne Kommunikationsmittel die Anwesenheit ersetzen könnten und 52 Prozent sagen, dass Führungskräfte ja auch wegen anderer Verpflichtungen oft nicht am Arbeitsplatz erreichbar seien. Für 25 Prozent der Befragten wäre eine Führungskraft in Teilzeit persönlich ein gutes Vorbild. "In den Führungskräfte-Interviews äußerten etwa ein Viertel der Befragten die Auffassung, dass die Abteilung auch funktionieren müsse, wenn die Führungskraft nicht da sei", berichtet Hans-Georg Nelles. Manche zeigten sich aber skeptisch: "Gehen tut alles, aber bei den Mitarbeitern gibt es schon einen ganz starken Wunsch, dass man verfügbar ist. Da hilft auch die Handynummer nichts", sagte einer der Gesprächspartner. „Führen in Teilzeit erfordert einen anderen Führungsstil und neue Formen der Zusammenarbeit. Darauf muss man sich einlassen wollen“, erläutert Organisationsberater Nelles. Eine Führungskraft formuliert das so: "Das ist ein Lernprozess, den nicht nur wir machen müssen, sondern die Organisation insgesamt."
Es geht weiter...
Die Ergebnisse der Befragung stellten die Stadtwerke Bielefeld am 17. November 2010 auf einer Transferveranstaltung dar. "Zum Konzept des Wettbewerbs gehört es, dass Ergebnisse anderen Unternehmen zugänglich gemacht werden", erläutert Hans-Georg Nelles. Eine Broschüre und eine Ausstellung "Meilensteine väterbewusster Personalpolitik" halten die erarbeiteten Inhalte über die Veranstaltung hinaus fest. Bei den Bielefelder Stadtwerken soll künftig ein Handbuch über "Väter und Elternzeit" informieren. Viele Führungskräfte hatten nämlich keine Erfahrungen mit dem Thema in der eigenen Abteilung und wüssten gerne, wie andere mit damit umgegangen sind. "Außerdem haben die Stadtwerke jetzt 'Vaterschaft und Beruf' als festen Themen-Baustein in der Führungskräfte-Fortbildung etabliert", sagt Hans-Gerorg Nelles. Künftig soll es außerdem ein Väter-Netzwerk, einen jährlichen Vater-Kind-Tag und einen Vätertisch in der Kantine geben. "Es ist wichtig das Thema auf der Tagesordnung zu halten, denn es geht darum, gewohnte Denk- und Arbeitsmuster zu hinterfragen und so die Vereinbarkeit von Vaterschaft und Beruf zu erleichtern. Das ist ein langer Prozess."
Gute Voraussetzungen
Dass die Führungskräfte bei den Bielefelder Stadtwerken dabei auf einem guten Weg sind, zeigt das Feedback der Mitarbeiter auf die Frage, wie sie sich über Väterangebote informieren. Die meisten (80 Prozent) tauschen sich mit Kollegen aus. Bereits an zweiter Stelle nennen 65 Prozent der Umfrageteilnehmer ihren Vorgesetzten als Ansprechpartner. "Das ist ein sehr hoher Wert, der für ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis zwischen Führungskräften und Mitarbeitern spricht", sagt Hans-Georg Nelles.
Links:
vaeter.nrw.de: