Projekt: „Väter in Familienunternehmen“

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Projekt: „Väter in Familienunternehmen“

1107_Ursachenstiftung_Logo_100Väter im Spannungsfeld zwischen Beruf und Familie: Die Ursachenstiftung in Osnabrück möchte mit ihrem Projekt „Väter in Familienunternehmen“ mittelständische Betriebe dabei unterstützen, väterfreundlicher zu werden. Drei Unternehmen bearbeiten das Thema in einer Pilot-Phase intensiv. Die Ergebnisse sollen auf einer Internetplattform für alle zugänglich gemacht werden. Im Ideenwettbewerb „Väter – ein Gewinn für Unternehmen“ zeichnete die Stiftung zudem Initiativen und Projekte für Väter aus.

„Ich war ein Rabenvater“, sagt Johannes Rahe, Vorstandsvorsitzender der Ursachenstiftung aus  Osnabrück. „Als mittelständischer Unternehmer war ich beruflich sehr stark eingebunden und nie für meine Familie da. Mein Schwiegersohn macht es ganz anders. An ihm sehe ich jetzt, was ein aktiver Vater für seine Kinder wert ist.“ Für Väter solle neben dem Einsatz für den Beruf auch ein befriedigendes Engagement in der Familie stehen können, meint Johannes Rahe. Dafür gelte es, strukturelle Hindernisse zu erkennen und zu beseitigen. Mit der 2008 gegründeten Ursachenstiftung macht er sich dafür stark. Der Fokus der Stiftungs-Aktivitäten liegt auf Väterfreundlichkeit in mittelständischen Unternehmen. „Ich weiß, wie die ticken. Mir muss keiner erklären, was es für einen Mittelständler bedeutet, wenn eine wichtige Führungskraft zwei oder drei Monate in Elternzeit gehen möchte.“ Außerdem sind Väter als Unternehmer und deren Regelung der Unternehmensnachfolge ein Thema der Stiftung.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein Väter-Thema

Die Ursachenstiftung legte in Zusammenarbeit mit der Hamburger Väter gGmbH ein dreistufiges Projekt „Väter in Familienunternehmen“ auf. „Zunächst ging es um die Sondierung des Terrains“, berichtet Johannes Rahe. Eine Umfrage unter 400 Unternehmerinnen und Unternehmern im Kammerbezirk Osnabrück-Emsland machte unmissverständlich deutlich: Das Thema ist in den Unternehmen des Mittelstands angekommen. 61 Prozent fanden es wichtig, Vätern Angebote für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu machen.

Väterfreundlichkeit thematisieren – auch wenn nicht alle Wünsche umsetzbar sind

Unternehmerinnen und Unternehmer schreckten jedoch oft davor zurück, Väterfreundlichkeit im Betrieb zum Thema zu machen. „Sie befürchten, dass sie damit zu große Hoffnungen wecken und mit umfangreichen Forderungen konfrontiert werden, die sie dann nicht erfüllen können“, sagt Johannes Rahe. „Ich erkläre immer: Wer mit den Mitarbeitern darüber in einen Dialog tritt, welche Rahmenbedingungen Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Vaterschaft erleichtern können, muss nicht automatisch alles umsetzen, was vorgeschlagen wird.“ Wenn  etwas nicht möglich sei, gäbe es dafür gute Gründe: Das gemeinsam mit den Mitarbeitern zu besprechen sei wichtig, damit die Väter die Entscheidung dann mit tragen und auch in den Aushandlungsprozessen zuhause mit der Partnerin vertreten könnten.

Drei Unternehmen beteiligen sich an Pilot-Phase

„Für die anschließende Pilotphase unseres Projekts suchten wir Unternehmen, die sich beteiligen“, berichtet Johannes Rahe. Das Ergebnis sei ernüchternd gewesen. Von den meisten für das Pilotvorhaben angefragten Unternehmerinnen und Unternehmern hörte das Stiftungsteam: „Bei unseren Mitarbeitern gibt es dafür keinen Bedarf“. Drei Unternehmen erklärten sich jedoch bereit mitzumachen: EST, ein Unternehmen für Elektroniksteuerungstechnik mit rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das Software und -Systemhaus ITEBO mit zirka 120 Beschäftigten sowie die Franz Wölfer Elektromaschinenfabrik Osnabrück, in der etwa 100 Menschen arbeiten. Den beteiligten Unternehmen, allesamt mit überwiegend männlichen Beschäftigten, geht es darum, ihre Mitarbeiter zu halten und attraktiv für neue Bewerber zu sein. „Heute müssen Unternehmen mehr bieten als gute Bezahlung“, hieß es bei ITEBO.

Mitarbeiterbefragungen zeigen den Bedarf

Die dort durchgeführten Mitarbeiterbefragungen zeigten, dass es bei den Beschäftigten sehr wohl einen Bedarf für väterfreundliche Maßnahmen gibt. „Die Mitarbeiter wollten Vätermonate nehmen können, sie sprachen sich - wo das möglich war - für flexiblere Arbeitszeiten und -orte aus und wünschten sich Kinderbetreuung vor allem für die Ferienzeiten, die sie nicht mit ihrem Urlaub abdecken können“, erklärt Johannes Rahe.

Internet-Plattform für den Wissenstransfer

Das Projekt „Väter in Familienunternehmen“ soll bekannt machen, dass sich väterfreundliches Engagement für die Unternehmen lohnt. Daher geht es in der dritten Phase um Verbreitung und Multiplikation der im Projekt gewonnenen Erfahrungen. Unter anderem soll eine Internet-Plattform mit einer Ratgeber-Toolbox entstehen, die interessierten Unternehmen neben Erfahrungsberichten ganz konkrete Werkzeuge für die Umsetzung väterfreundlicher Maßnahmen in Unternehmen liefert. „In diese Internetseite werden nicht ausschließlich Informationen aus unserem Projekt einfließen“, sagt Joannes Rahe. „Wir freuen uns über jeden, der mit eigenen Berichten unsere Plattform bereichern möchte.“ (Kontakt: info@ursachenstiftung.de)

Ideenwettbewerb „Väter – ein Gewinn für Unternehmen“

Parallel zeichnete die Stiftung im - mit insgesamt 25.000 Euro dotierten - Ideenwettbewerb „Väter – ein Gewinn für Unternehmen“ vier Projekte aus: Spannend ist zum Beispiel die geplante Zusammenarbeit von ITEBO mit der Katholischen Familienbildungsstätte (FABI). Für die nächsten drei Jahre seien Ferienfreizeiten, Erlebniswochenenden, temporäre Kinderbetreuung und Väterseminare geplant, hieß es. Auch eine Idee aus Nordrhein-Westfalen wurde ausgezeichnet: Für sein Projekt „Chefs als Väter – Geschichten über Stärken und Möglichkeiten von Vätern“ möchte Hans-Georg Nelles von „Väter & Karriere“ aus Düsseldorf Interviews mit Vorgesetzten führen, die selbst Väter sind oder dazu Erfahrungen gemacht haben und Geschichten erzählen können, die sie persönlich oder mit ihren Mitarbeitern erlebt haben. Die Interviews sollen im Herbst 2011 starten. Wer sich angesprochen fühlt und mitmachen möchte, kann sich bei Hans-Georg Nelles melden. (Kontakt: nelles@vaeter-und-karriere.de)

Abbildung: Logo Ursachenstiftung

 

Link:

Ursachenstiftung: Homepage mit Informationen zu Projekt und Wettbewerb.

 

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