Uwe Strauß leitet eine Kita der KölnKitas gGmbH im Ossendorfer Weg. Er realisierte dort, was in anderen Einrichtungen noch Zukunft ist: Ein Drittel des Pädagogenteams ist männlich. Vaeter-nrw sprach mit ihm vor allem darüber, was "Männer in Kitas" für den Kontakt zu den Vätern bedeuten.
Erzieher und Pädagogen sind in Kindergärten und -tagesstätten noch immer in der Minderheit: Ihr Anteil liegt seit 1990 relativ konstant bei rund drei Prozent. Dabei ist die Erkenntnis nicht neu, dass Kinder idealerweise sowohl Frauen als auch Männer brauchen, die in ihrem Alltag präsent sind. So sehen sie, wie verschiedene Männer und Frauen ihre Rollen leben. "Aber auch für die Väter brauchen wir mehr Männer in den Kitas. Sie wünschen sich gleichgeschlechtliche Gesprächspartner", sagt Uwe Strauß. Als Leiter der Kita Ossendorfer Weg setzt er sich seit Jahren aktiv für "Männer in Kitas" ein. Mit seiner Einrichtung macht er vor, wie das gehen kann. 13 Fachkräfte erziehen, bilden und betreuen dort 70 Kinder. Vier der Erzieher sind männlich, ein weiterer kommt bald dazu.
Er und seine Ossendorfer-Kita-Männer sind damit Vorbild und Ansprechpartner für die Väter der Kinder, die die Einrichtung besuchen. "Wir wollen die Väter genauso wie die Mütter hier vor Ort haben", berichtet Strauß. "Wenn sie hier die Erzieher mit Kind auf dem Arm sehen, gibt ihnen das neue Impulse für die Gestaltung ihrer eigenen Rolle als Vater." Mit der Zeit werde das Bild eines Mannes, der kleine Kinder pflegt und betreut, zunehmend selbstverständlich. "Diese Bilder fehlen bislang weitgehend - sowohl in den Köpfen der Männer als auch in denen der Frauen." Damit die Väter davon profitieren könnten, müssten sie aber zunächst einmal ein Hemmschwelle überwinden und in der Kita "ankommen".
Bereits die Aufnahmegespräche würden daher mit beiden Eltern geführt. "Dann hören wir erst einmal von den Müttern: 'Kann ich nicht alleine kommen? Mein Mann muss arbeiten und hat keine Zeit.'", berichtet Strauß. "Ich bleibe dann aber hartnäckig und versuche einen Termin mit beiden Elternteilen zu vereinbaren." Er habe sogar schon mit Arbeitgebern telefoniert, um denen zu erklären, wie wichtig es sei, dass ihr Mitarbeiter als Vater in der Kita erscheine. "Wir sehen Väter und Mütter gleichermaßen in der Verantwortung – und gehen auch so mit ihnen um", sagt Strauß. Dabei käme es auch auf scheinbare Kleinigkeiten an: In Anschreiben laute die Anrede nicht mehr "Liebe Eltern", sondern "Liebe Mütter, liebe Väter". Das spreche die Väter sehr viel expliziter an und werde auch getrennt lebenden Eltern stärker gerecht, fand das Kita-Team. Auch an der Pinwand im Foyer finden Väter Angebote wie Buchtipps, Hinweise auf Vater-Kind-Kuren oder Einladungen zu Gesprächskreisen, die sich speziell an sie richten. Durch die Einbindung in ein Familienzentrum kann die Einrichtung den Familien außerdem weitgehende Beratungs- und Hilfsangebote machen, die auch bei den Vätern gut ankommen.
Strauß spürt den Wandel: "Väter beteiligen sich. Sie bekommen mit, was in der Kita passiert und das ist ihnen auch ein Anliegen. Wir sprechen auf Augenhöhe miteinander."
Weitere Informationen:
Fachtag "Männer in Kitas"
Vaeter-nrw-Beitrag zum Projekt "Mehr Väter in die Kindertagesstätten"
Vaeter-nrw-Hinweis auf den Beitrag "Väter im Kindergarten" im Online-Handbuch "Kindergartenpädagogik"
Vaeter-nrw-Information zu Familienzentren