Was ist es nur, das Väter so oft von ihren kleinen Kindern fernhält? Gebrüll in den Ohren, Marmelade auf dem Hemd, Spielsachen im Weg? So viel Lebendigkeit werden Sie nie wieder erleben!
Kinder wachsen in weiblichen Lebenswelten auf, sowohl im privaten Erziehungsbereich wie auch in den öffentlichen Erziehungseinrichtungen. Erziehung, Familien- und Hausarbeit haben ein Geschlecht: Es wird "weiblich" genannt. Der Anteil der Väter, die sich aktiv und in gleichem Maße um die Erziehung ihrer Kinder kümmern, ist immer noch sehr gering: Er liegt im einstelligen Prozentbereich. Zugleich beträgt der Anteil der weiblichen Fachkräfte in Kindergruppen, -gärten und -tagesstätten mehr als 85 Prozent, wobei darüber hinaus noch zu beobachten ist, dass der größte Teil der dort beschäftigten Männer im Verwaltungsbereich oder in den Küchen arbeitet.
Schon sehr früh nehmen die Kinder wahr, das unsere Welt zweigeschlechtlich aufgeteilt ist. Mädchen und Jungen machen dabei ähnliche Beobachtungen: Sie erleben, dass Politik vor allem von Männern gestaltet wird; sie erfahren dass Ihre Väter meist außer Haus arbeiten; sie beobachten, dass die Hausarbeit vor allem von Frauen erledigt wird; sie nehmen wahr, dass sie im Kindergarten fast nur von Frauen erzogen werden; sie kennen kaum Männer, die weinen; sie werden überwiegend von Müttern getröstet und von Männern ermutigt. Und wenn sie im Fernsehen Helden beobachten, dann sind diese auch überwiegend männlich.
Männlichkeit ist in unserem kulturellen System der Zweigeschlechtigkeit häufig dadurch definiert, dass sie fehlen kann. Gleichzeitig wird männliche Existenz dargestellt und "bewiesen", ohne dass sie konkret vorgelebt wird.
Das hat Konsequenzen für Mädchen und Jungen. Beide Geschlechter werden auf diese Weise häufig mit traditionellen Frauen- und Männerbildern konfrontiert. Dies kann ihre Einstellungen für das spätere Leben entscheidend prägen.
Für die Erziehung der Jungen hat dies zudem zur Konsequenz, dass sie sich in erster Linie an männlichen Rollenklischees orientieren - nicht an realen Männern. Männlichkeit bleibt damit zu oft abstrakt. Eine Auseinandersetzung der Jungen mit verschiedenen Männern, die unterschiedliche Männerbilder vorleben, wäre für die differenzierte Entwicklung des eigenen Rollenbildes sinnvoll und hilfreich.
Für Sie als Vater kann in einer aktiveren Elternschaft durchaus ein großer Gewinn bestehen. Dies berichten Väter immer wieder, die sich stärker in die Erziehung ihrer Kinder eingemischt haben und dadurch über die Erwerbsarbeit hinaus gehende sinnstiftende Lebenszusammenhänge für sich gefunden haben.