Hausaufgaben: Väter können ihre Kinder unterstützen

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Hausaufgaben: Väter können ihre Kinder unterstützen

hausaufgaben_somenski_fotolia_100Mit dem Eintritt von Kindern in die Schule tritt ein neues Thema ins Familienleben: Hausaufgaben. Ein Stressfaktor? Fachleute sagen, wie gemeinsames Lernen mit den Kindern zur Bereicherung für Väter und Kinder werden kann.

"Lernen, wie lernen geht" - das können Väter und Kinder sich gut zusammen erarbeiten. "Väter müssen nicht die Arbeit der Lehrer machen, nicht jeden Fehler korrigieren und alles noch einmal erklären", sagt Ingwar Thomsen, Lehrer an der Ganztagsstadtteilschule Mümmelmannsberg in Hamburg. "Wichtig ist, dass Eltern dazu beitragen, bei ihren Kindern die Lernmotivation zu fördern und bei Problemen mit ihnen gemeinsam Lösungswege erarbeiten." Das Interesse des Vaters am "Tagwerk" des Kindes sei der "springende Punkt", erklärt Michael Rode, der in Bochum-Wattenscheid eine private Nachhilfeschule leitet. Am einfachsten ließe sich das im Alltag umsetzen, wenn der Vater ein wiederkehrendes Ritual daraus mache, das dann bald genauso dazu gehöre wie das Zähneputzen. "Um 18.00 Uhr kommen dann zum Beispiel die Hefte auf den Tisch und das Kind erklärt dem Vater, was es in der Schule durchgenommen und welche Hausaufgaben es gemacht hat. So merkt der Vater auch schnell, welche Inhalte die Tochter oder der Sohn gut verstanden hat und wo es vielleicht noch Erklärungsbedarf gibt."

Die Stärken der Kinder sehen und schätzen

Doch was tun, wenn der Aufsatz vor Fehlern strotzt oder die Schrift völlig unleserlich ist? "Nicht schimpfen", sind sich die Fachleute einig. "Den Blick auf die Stärken des Kindes zu richten und von dort auszugehen, ist viel sinnvoller als sich an Unzulänglichkeiten 'festzubeißen'", sagt Ingwar Thomsen und rät den Vätern, das Kind da abzuholen, wo es steht und nicht zu viel auf einmal zu fordern. Väter sollten aber auch nicht loben, was nicht lobenswert ist: "Was Mist ist, bleibt auch Mist", sagt Michael Rode. "Ein Aufsatz, der inhaltlich dürftig ist, hat jedoch vielleicht wenige Rechtschreibfehler oder ist schön geschrieben. Es gibt ja fast immer auch positive Aspekte."

"Ich unterstütze meine Kinder beispielhaft in einigen Fächern"

Oliver Neill, Vater dreier 12, 15 und 16 Jahre alter Kinder, rät Vätern rechtzeitig in das Thema einzusteigen. Seien die Noten bereits schlecht, entwickele sich schnell eine sehr stressbelastete Situation. "Ich mache abendliche Termine mit meinen Kindern und begleite sie in den Fächern Mathe und Englisch. Ich teile mir das mit meiner Frau. Sie kümmert sich um Deutsch und Französisch", berichtet er. "In allen Fächern zu unterstützen klappt nicht. Aber das ist auch nicht nötig, denn die Kindern lernen ja beispielhaft, wie sie an die Aufgaben herangehen." In der fünften, sechsten und siebten Klasse würden Grundlagen gelegt. Sie müssten "sitzen", meint der Vater. "Ab Jahrgangsstufe acht steigen Eltern inhaltlich meist sowieso aus - und das ist auch nicht weiter schlimm", sagt Ingwar Thomsen aus Erfahrung. Bis zur Pubertät sollten Kinder die Erfahrung gemacht haben, dass es sich lohnt, Hausaufgaben zu machen und Zuhause zu üben - dann bleiben sie auch in diesen schwierigen Phase dabei. Eltern und Lehrerinnen und Lehrer könnten gemeinsam dafür sorgen, dass die Jungen und Mädchen das rechtzeitig lernten.

Aufgabe für Väter: die eigene Motivation aufrecht erhalten

Mit dem Schuleintritt entsteht aus Vater und Kind ein "Lernteam". Das ist für beide eine neue Aufgabe, in die jeder Vater und jedes Kind in Ruhe hineinwachsen sollte. "Ich muss die Eltern dazu aber oft motivieren", berichtet der Lehrer. "Die Einsicht ist vielfach da, aber die guten Vorsätze gemeinsame Lernzeiten mit den Kindern einzuplanen und umzusetzen, halten oft nicht lange vor." Das sei häufig eine Zeitfrage, glaubt Michael Rode, der früher als alleinerziehender Vater seinen Sohn bei der Hausaufgabenhilfe eines Kollegen anmeldete und damit gute Erfahrungen machte. Auch wenn es zwischen Vater und Kind beim gemeinsamen Lernen regelmäßig "kracht", kann es sinnvoll sein, vorübergehend eine andere unvorbelastete Person einzuschalten, die eigene Haltung zu überdenken und dann einen Neustart zu wagen. Ingwar Thomsen rät, mittelfristig zu planen und regelmäßige, verbindliche Termine festzulegen. Außerdem sei es wichtig, ausreichend Zeit dafür einzuplanen, damit nicht in Eile gearbeitet werden müsse. Solche festen Termine helfen sowohl den Vätern als auch den Kindern. Gelingt es eine positive, wertschätzende Arbeitsatmosphäre zu schaffen, kann sich das gemeinsame Lernen zu einem bereichernden Aspekt in der Vater-Kind-Beziehung entwickeln.

Foto: Somenski / Fotolia.com

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