Soziale Netzwerke im Internet: Für manche Väter ist das eine eher fremde Welt - ihre Kinder dagegen kommunizieren zumeist versiert über solche Plattformen. Mit dem praktischen Online-Austausch im Freundeskreis sind jedoch auch Risiken verbunden. vaeter.nrw.de gibt Vätern Hinweise, wie sie ihre Kinder dabei unterstützen können, Gefahren einzuschätzen und damit umzugehen.
Während Väter zumeist erst als Jugendliche erste Exkursionen ins Internet unternahmen, sind ihre Kinder heute teilweise bereits „online“, bevor sie in die Schule kommen. Junge Erwachsene sind mit dem Medium aufgewachsen und oft versierter, was seine Nutzung angeht, als die Väter, die sie in den meisten Familien an den Computer heranführten. Bei der Studie EU Kids Online wurden über 20.000 Heranwachsende zwischen neun und 16 Jahren in 25 europäischen Ländern zur Nutzung neuer Medien befragt. Der Aussage „Ich weiß mehr über das Internet als meine Eltern“ stimmen rund zwei Drittel der befragten Kinder und Jugendlichen voll oder zum Teil zu.
Austausch mit anderen über das Internet
Jugendliche nutzen das Internet anders als ihre Väter, für die das Netz vor allem Informationsquelle ist. Für den Nachwuchs spielt es besonders für die Kommunikation eine wichtige Rolle. Fast die Hälfte der Zeit, die Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren im Internet verbringen, widmen sie nach eigenen Angaben dem Austausch per E-Mail, in Chats, Communities oder via Messenger (JIM-Studie 2010 Jugend, Information, (Multi-) Media des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest). Online-Communities wie schülerVZ oder Facebook stehen besonders hoch im Kurs. Über zwei Drittel nutzen diese Plattformen täglich bzw. mehrmals pro Woche (Mädchen 75 Prozent / Jungen 66 Prozent).
Das Netz vergisst nichts!
Welche Risiken mit der Nutzung solcher Plattformen verbunden sind, ist Vätern oft kaum bekannt. Die Jugendlichen stellen dort zwangsläufig - denn sonst können sie die Communities gar nicht nutzen - persönliche Daten ein. Drei Viertel der in der JIM-Studie befragten Internet-Nutzerinnen und -Nutzer haben Informationen über Hobbies oder andere Aktivitäten im Netz hinterlegt. Fotos oder Videos laden knapp zwei Drittel hoch. Oft ist den Jugendlichen nicht bewusst, wie viel sie langfristig damit von sich preisgeben. Die Informationen sind nämlich nicht nur engen Freunden, sondern auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Informationen, die einmal im Internet veröffentlicht wurden, sind kaum mehr nachhaltig zu entfernen. Zum Beispiel bei Bewerbungen können sie sich später sehr nachteilig auswirken, wenn potenzielle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber im Netz private Informationen und Fotos von ihnen finden.
"Erst nachdenken, welche Folgen damit verbunden sein können und im Zweifel lieber auf den Online-Eintrag verzichten", sollte daher die Regel lauten.
Ihre Daten besser schützen können die Nutzerinnen und Nutzer sozialer Netzwerk-Plattformen, wenn sie sogenannte „Privacy Optionen“ nutzen. Damit lassen sich die Zugriffsmöglichkeiten so einschränken, dass nur ein ausgewählter Kreis persönliche Informationen einsehen kann. Allerdings sind die Einstellungen oft schlecht auffindbar und schwer verständlich. Trotzdem nimmt die Zahl derjenigen, die diese Einstellungen nutzen, laut JIM-Studie zu.
Persönlichkeitsrechte achten
Was viele auch nicht wissen: Bilder, die andere Personen zeigen, dürfen in der Regel nicht ohne deren Einverständnis veröffentlicht werden. Dennoch zeigen vier von zehn Kindern und Jugendlichen auf ihren Community-Seiten Bilder oder Videos, auf denen Freunde oder Mitglieder der Familie zu sehen sind. Ob sie deren Einverständnis dafür vorher eingeholt haben? Sicherlich in vielen Fällen nicht. Damit verletzen sie Persönlichkeitsrechte, die sich übrigens nicht nur auf Bilder sondern auch auf die Weitergabe personenbezogener Daten beziehen. Teure Abmahnungen von Rechtsanwältinnen oder Rechtsanwälten können die Folge sein. Väter sollten mit ihren Kinder über diese Problematik sprechen. Das Portal www.klicksafe.de, das auf eine Initiative der Europäischen Union für mehr Sicherheit im Netz zurückgeht, bietet weitere Informationen dazu.
Gefahr: Cyber-Mobbing
Expertinnen und Experten sprechen von Cyber-Mobbing oder auch von Cyber-Bullying, wenn beschämende Behauptungen und kompromittierende Bilder eingestellt oder Empfänger von Mitteilungen bedrängt, diffamiert oder genötigt werden. In vielen Fällen kommen solche Angriffe aus dem eigenen "Freundeskreis", also von Menschen, die sich im realen Leben kennen und Streit oder Animositäten über das Internet austragen. Eine Umfrage des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ergab, dass zwölf Prozent der jugendlichen und erwachsenen Internet-Nutzerinnen und Nutzer, die in mindestens einem Sozialen Netzwerk aktiv sind, Erfahrungen mit Online-Mobbing bzw. sexueller Belästigung gemacht haben. Besonders betroffen seien Frauen zwischen 14 und 39 Jahren. Im Schutz der Anonymität des Internet sänken oft die Hemmschwellen, über andere Nutzerinnen und Nutzer negativ zu berichten oder Einzelne an den Pranger zu stellen und sie so dem Gespött der virtuellen Öffentlichkeit auszusetzen, heißt es in der BSI-Presseinformation zur Umfrage. Väter sollten bei ihren Kinder unbedingt Verständnis dafür wecken, wie schlimm so etwas für die Betroffenen ist und mit den Kindern beispielhaft eingestellte Inhalte und Bilder durchgehen. Sie sollten sie außerdem daran erinnern, sich auch im Netz an die geltenden Höflichkeits- und Anstands-Regeln zu halten.
Vorbeugend aufklären, was bei Cyber-Mobbing zu tun ist
Obwohl Eltern meinen, sie seien gut über die Online-Aktivitäten ihrer Kinder informiert, ergab die Studie EU Kids online, dass über die Hälfte der Mütter und Väter nichts von gemeinen oder verletzende Online-Nachrichten an ihre Kinder erfahren hatten. Väter sollten daher mit Kindern vorbeugend darüber zu sprechen, was in einem solchen Falle zu tun wäre. Auf dem Portal www.klicksafe.de raten Expertinnen und Experten zu folgenden Schritten:
Betroffene sollten weiteren Kontakt mit dem Mobber bzw. der Mobberin vermeiden, indem sie ihn oder sie aus der Kontaktliste streichen, beim Plattformbetreiber melden und sperren lassen und möglichst die eigenen Kontaktdaten ändern. Wer beleidigende Mitteilungen erhält, sollte nicht darauf antworten, die Attacken jedoch kopieren und als Beweismaterial sichern. Der wichtigste Rat an betroffene Jugendliche lautet, darüber mit vertrauten Personen zu reden. Väter sollten deshalb Offenheit für solche Fragen signalisieren. Handelt es sich um einen Täter oder eine Täterin aus dem Schulumfeld, sollten dann auch Lehrkräfte bzw. die Schulleitung informiert werden. In schweren Fällen ist die Polizei einzuschalten. Informationen und Rat von Gleichaltrigen bekommen Heranwachsende zu diesem Thema auf der jüngst von www.klicksafe.de ausgezeichneten Internetseite www.juuuport.de, die sich auf die Hilfe für Jugendliche in Fällen von Mobbing und Abzocke im Internet spezialisiert hat. Auch ein Forum für den Austausch mit anderen Betroffenen ist dort eingerichtet.
Vorsicht mit Kontakten zu Unbekannten
Wer in sozialen Netzwerken aktiv ist, sollte wissen, dass nicht alle Nutzerinnen und Nutzer wirklich diejenigen sind, für die sie sich dort ausgeben. In Einzelfällen schleichen sich zum Beispiel Erwachsene unter falscher Identität auf Plattformen wie SchülerVZ ein - häufig mit unlauteren, oft sexuell gefärbten Absichten. Bei Kontakten mit unbekannten Personen ist daher Vorsicht geboten. Expertinnen und Experten raten, sie nicht in die eigene Kontaktliste ("Freunde") aufzunehmen. Aus dem selben Grund und um potenziellen Mobberinnen und Mobbern weniger Angriffsmöglichkeiten zu bieten, sollten auch keine Adress-, E-Mail- oder Instant Messenger-Daten in die Plattform-Profile eingestellt werden. Damit kann auch wirksam vermieden werden, dass die Daten für personalisierte Werbung genutzt werden.
Leider sind auch hier viele Jugendliche noch zu sorglos: Rund 40 Prozent der Jugendlichen geben auf ihren Seiten in Social Communities ihre E-Mail-Adresse bekannt, etwa ein Viertel präsentiert die Daten, mit denen sie per Instant-Messenger erreichbar sind (JIM-Studie).
Auch wenn es Risiken bei der Nutzung von Sozialen Netzwerken gibt. Aufregung ist nicht angebracht, wenn der eigene Nachwuchs diese Kommunikationswege nutzt. Zum einen besitzen viele Jugendlichen durchaus ein Bewusstsein für die Gefahren, zum anderen sind krasse Fälle von Cyber Mobbing oder sexueller Belästigung die Ausnahme.
Weitere Informationen
Väter, die weitere Informationen zur Sicherheit im Internet suchen, werden auch auf www.jugendschutz.de fündig. Dort können sie unter anderem das Faltblatt: "Sicher vernetzt - Kinder und Jugendliche in Internet Communitys" herunterladen. Wer Rat von Fachleuten sucht und sich mit anderen Eltern zu diesem Thema austauschen möchte, kann mit Hilfe von www.elternundmedien.de, einer Initiative der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM), die Referentinnen und Referenten zu diesem Thema stellt, einen entsprechenden Elternabend (in Kita, Schule, Verband oder Verein) planen und umsetzen.
(vaeter.nrw.de, 30.06.2011)
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