Interview: „Ha, ha, ha, ho, ho, ho“ mit Lachtrainerin Dorothy Luneman-Reis

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Interview: „Ha, ha, ha, ho, ho, ho“ mit Lachtrainerin Dorothy Luneman-Reis

Luneman-Reis_100„Wir lachen nicht, weil wir glücklich sind, sondern wir sind glücklich, weil wir lachen“, sagt der indische Arzt Dr. Mandan Kataria. Um Menschen zum Lachen zu bringen, sie damit gesund zu erhalten und eine andere Haltung zur Welt erleben zu lassen, entwickelte er das Lachyoga. Lachyoga-Trainerin Dorothy Luneman-Reis aus Lörrach berichtet im vaeter.nrw.de-Interview über diese Methode sowie ihre Elternseminare zum Thema „Erziehung mit Humor“.

vaeter.nrw.de: Frau Luneman-Reis, sie sind Lachtrainerin. Was ist das?

Dorothy Luneman-Reis: Genauer gesagt bin ich Lachyoga-Lehrerin. Begründer des Lachyoga ist der indische Arzt Dr. Mandan Kataria, der 1995 den ersten Lachyogaclub gründete und bei dem ich auch lernte. Die Gelotologie, die Wissenschaft vom Lachen, hat gezeigt, dass Lachen Menschen gesund erhält. Lachen ist Training für Herz und Kreislauf, es senkt die Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin und bewirkt, dass das Glückshormon Serotonin freigesetzt wird. Außerdem entspannt es und regt das kreative Denken an. Optimal wäre es, wenn wir eine Stunde pro Tag lachen würden. Erwachsene lachen aber im Durchschnitt nur rund fünf Minuten am Tag. In den 1950er Jahren waren es noch 20 Minuten. Die Lachyoga-Bewegung, die sich bereits auf der ganzen Welt ausgebreitet hat, ist optimistisch, dass wir da wieder hinkommen.

Ich selbst stieß ganz zufällig auf das Thema. Meine Tochter machte ein Referat für die Schule mit dem Titel „Lachen ist gesund“ und im Internet fanden wir sogenannte Lachclubs. Das hat mich fasziniert, ich bin hin gegangen, dabei geblieben und habe mich ausbilden lassen. Als Sozialpädagogin interessierte mich der Einsatz des Lachyoga in der Erziehung besonders. Inzwischen arbeite ich nicht mehr als Kindergartenleiterin, sondern nur noch als Lachyoga-Lehrerin, führe Workshops in Firmen und Institutionen durch, biete Elternseminare zu Humor in der Erziehung an und leite einen Lachclub (Social Laughter Club) in Lörrach.

vaeter.nrw.de: Jetzt sind wir gespannt: Was passiert denn in einem Lachclub?

Dorothy Luneman-Reis: Wir arbeiten mit Atemübungen, Rhythmus, Bewegung und Interaktion in der Gruppe. Wir gehen, klatschen und lachen dabei - das heißt, wir machen „ha, ha, ha, ho, ho, ho“. Das ist natürlich kein echtes Lachen. Aber das macht nichts, denn es überlistet das Gehirn, so dass schließlich ein echtes Lachen daraus wird. Dr. Kataria fasst es so zusammen: Fake it, until you make it, zu deutsch: Imitiere es so lange, bis du es wirklich tust.

vaeter.nrw.de: Was lernen denn die Besucherinnen und Besucher eines Elternabends zum Thema Humor in der Erziehung?

Dorothy Luneman-Reis: Meine Elternabende zum Thema Erziehung mit Humor haben einen theoretischen Part und einen Lachyoga-Teil. Zunächst geht es um die Auswirkungen von Stress und um das Gehirn nach dem Motto: „links wird gedacht, rechts wird gelacht.“ Denn ich beobachte, dass viele Eltern vor allem von Schwierigkeiten und Stressfaktoren berichten, wenn es um ihre Kinder geht. Ich möchte den Blick dafür schärfen, dass wir Eltern uns den Stress selber machen und wir unsere Haltung ändern können. Wir konditionieren uns ständig. Das sollten wir so tun, dass wir Lebensfreunde für uns und für unsere Kinder schaffen. In den Kursen blicken wir dafür zum Beispiel in die eigene Kindheit zurück und überlegen, welche Momente in unserer Erinnerung Wohlfühlmomente waren. Die Mütter und Väter erzählen dann von Grill-Ausflügen in den Wald, vom Vorlesen oder Geschichten erzählen, vom Kuscheln und Toben mit den Eltern im Bett am Sonntagmorgen. Das ist ein aha-Effekt. Gemeinsam etwas tun verbindet – gemeinsam Lachen ganz besonders. Ich ermutige Eltern, sich auf kindlichen Quatsch einzulassen. Kinder lieben es, wenn die Väter mitmachen. Ich möchte sie ermutigen sich zu trauen, mal „verrückt“ zu sein. Väter verlieren damit nicht an Ansehen oder Ernsthaftigkeit. Ganz im Gegenteil: die Kinder finden das super. Ich möchte Erwachsenen klar machen, dass es ihre Verantwortung ist, Leichtigkeit ins Leben zu lassen. Wir überlegen dann auch ganz konkret, wie das gehen kann: Zu Beispiel könnte man das nächste Mal mit Piepsstimme und roter Clownsnase zum Aufräumen des Zimmers animieren oder wenn es beim Einkaufen im Supermarkt stressig wird, auf einmal nur noch Kauderwelsch reden. Das wirkt sofort. Es ist so absurd, dass es aus jeder Situation die Spannung rausnimmt.

vaeter.nrw.de: Und den Lachyoga-Teil? Machen den alle mit?

Dorothy Luneman-Reis: Manche tun sich schwer. Sie sagen: „Ich mache mich hier doch nicht zum Affen“. Zu solchen oft sehr rationalen Menschen sage ich: „O.K., gehen Sie mit Vernunft da ran. Bleiben Sie ganz ernsthaft und machen trotzdem bitte 'ha, ha, ha, ho, ho ho.'“ Das ist so absurd, dass es mit dem Lachen trotzdem funktioniert. Und wer es erlebt hat, ist überzeugt. Er merkt, dass Lachen den Stress und die Schwere des Lebens abfallen lässt. Denn wer lacht, kann nicht gleichzeitig denken. Neulich kam ein Mann in unseren Lachclub, den seine Frau geschickt hatte. Hinterher sagte er: „Wenn ich vorher gewusst hätte, was mich erwartet, wäre ich nicht gekommen. Es war aber so toll, dass ich beim nächsten Termin auf jeden Fall wieder dabei bin.“

vaeter.nrw.de: Herzlichen Dank für das inspirierende Gespräch, Frau Luneman-Reis. Vielleicht hat jetzt der ein oder andere Vater auch Lust bekommen, sich auf das Experiment Lachyoga einzulassen. Links dazu haben wir hier zusammen gestellt.

(vaeter.nrw.de, 08.09.2011)

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