Interview: Vätergesprächskreise in Köln

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Interview: Vätergesprächskreise in Köln

Panorama_3_100Alle 14 Tage treffen sich Väter in Köln zu zweistündigen Vätergesprächskreisen. Ihre Ziele: Sie möchten akute Krisen bewältigen und mehr über sich selbst erfahren. Der Diplom-Heilpädagoge Heinz Fastabend (links im Bild) und der Diplom-Sozialarbeiter Franz Schnitzler leiten diese Angebote der Katholischen Männerseel­sorge und berichten im vaeter-nrw.de-Interview über die Abende.

vaeter-nrw.de: Sie leiten gemeinsam die Vätergesprächskreise im katholischen Familien­forum im Kölner Agnesviertel, die die katholische Männerseelsorge anbietet. Wie laufen denn die Gesprächskreisabende ab?

Heinz Fastabend: Es gibt da feste Regeln und Rituale. Eine wichtige Regel lautet zum Beispiel: Über sich selbst darf man alles sagen, über andere nicht. Wir starten immer mit den Fragen: "Wie geht es dir?" und "Welche drei guten Dinge hast du in den letzten 14 Tagen - also seit dem letzten Treffen - erlebt?" Besonders die zweite Frage erstaunt zunächst viele. Wenn wir es bei der ersten Frage beließen, liefen wir aber oft Gefahr, in eine negative Stimmung abzurutschen.

Franz Schnitzler: Ja, da könnte sich schnell eine Negativspirale in Gang setzen, den vielen Väter kommen hierher, weil sie beispielsweise durch Trennung, Scheidung oder berufliche Schwierigkeiten in einer akuten Krise stecken. Wer daher traurig oder missgestimmt in der Gruppe ankommt, bekäme unter Umständen noch neun weitere negative Statements oben drauf. So aber durchbrechen die Männer die Negativsicht und entwickeln eine Sensibilität für positive Dinge, die sie vorher vielleicht gar nicht wahrgenommen haben.

Heinz Fastabend: Wenn diese erste Runde vorbei ist, fragen wir "Wer möchte heute etwas?". Meistens sagt dann einer "Ich hab' da nur mal 'ne Frage" und schneidet ein Thema an, zum Beispiel den Umgang mit pubertierenden Kindern. Und schon landen wir in einer lebhaften Diskussion.

Franz Schnitzler: Durch die Gruppe ergibt sich dann ein spannender Prozess. Die anderen reagieren mit Sachfragen aber auch mit eher emotionalen Rückmeldungen. Die Männer merken dann vielfach, dass sie mit ihren Themen und Fragestellungen nicht allein sind, dass andere ähnliche Schwierigkeiten haben. Außerdem machen die Teilnehmer immer wieder die schöne und positive Erfahrung, dass sie durch ihre aktive Mitarbeit anderen Gruppen­teilnehmern helfen können.

Heinz Fastabend: Ja, wir haben in den Gruppen eine sehr gute wertschätzende Atmosphäre. Die Männer sprechen hier ganz offen auch über emotionale Themen, die sie in anderen Zusammenhängen nicht zu thematisieren wagen. So entwickeln sie oft überhaupt erst einen Zugang zu ihren Gefühlen und lernen mit ihnen umzugehen. Was die Männer in den Gruppen verbindet, ist der Wunsch über sich selbst nachzudenken, zu ergründen, wer sie sind und wie sie sich entwickeln und "wachsen" können.

vaeter-nrw.de: Worin besteht denn Ihre Aufgabe als Leiter der Gruppe?

Heinz Fastabend: Wir moderieren den Prozess und unterstützen bzw. lenken ihn mit unterschiedlichen Methoden. Wenn zum Beispiel jemand Schwierigkeiten hat, ein Thema sprachlich zu benennen, dann fordern wir ihn auf, es doch zu zeichnen. Die anderen helfen mit ihren Interpretationen des Gemalten dann, zum Kern der Fragestellung vorzustoßen. Oder wir stellen eine Situation auf, indem andere Gruppenteilnehmer für Familienmitglieder bzw. Berufskollegen und Vorgesetzte stehen. Das hilft, Konstellationen zu erkennen. Wir sind also mit einem großen "Methodenkoffer" vor Ort und schauen, was jeweils passt. Dabei unterstützen und korrigieren wir uns gegenseitig. Das ist sehr hilfreich und entlastend.

vaeter-nrw.de: Wer kann zu Ihren Gesprächskreisen kommen?

Heinz Fastabend: Grundsätzlich kann jeder Vater an den Treffen teilnehmen und wir haben auch sehr "bunte" Gruppen mit Männern unterschiedlichen Alters und verschiedenster Berufe aus allen Schichten der Bevölkerung. Diese Vielfalt ist übrigens eine große Bereicherung.

Franz Schnitzler: Interessenten können dreimal probeweise kommen, müsse sich dann aber entscheiden, ob sie dabeibleiben wollen oder nicht. Manchmal ist es einfach noch nicht an der Zeit, ein Thema anzugehen, und dann ist es vielleicht besser, wenn die Männer zu einem späteren Zeitpunkt wiederkommen.

Heinz Fastabend: Es gibt übrigens eine spannende Entwicklung bei unseren Teilnehmern: Während die Männer vor zehn oder 15 Jahren erst dann in die Gruppe kamen, wenn ihnen sprichwörtlich das Wasser bis zum Hals stand, kommen die Teilnehmer heute zunehmend eher, zum Beispiel, wenn sie Vater werden oder geworden sind und merken, wie viel sich dadurch verändert und welche große Aufgabe damit verbunden ist. Das ist eine sehr positive Entwicklung!

vaeter-nrw.de: Herr Fastabend, Herr Schnitzler, herzlichen Dank für das ausführliche und spannende Gespräch!

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