In Kursen von Familienbildungsstätten fühlen sich männliche Teilnehmer häufig als Exoten. Es sei denn, sie besuchen Angebote speziell für Väter. Drei von vier Familienbildungsstätten haben so etwas im Programm. Wie die Bildungseinrichtungen den Zulauf von Männer erhöhen könnten und welche Angebote bei der Zielgruppe ankommen, beschreibt ein neuer Leitfaden.
Ist Familienbildung auch Väterbildung? - Ja, denn fast alle Angebote der Familienbildungsstätten sind auch für Väter gedacht. Doch der große „run“ dieser Zielgruppe auf die Einrichtungen und ihre Seminare, Workshops, Kurse und Erlebnistage blieb bislang aus. Dabei, so sollte man meinen, haben Väter genauso Informations- und Austauschbedarf wie die Mütter. Die Landesarbeitsgemeinschaften der Familienbildung in Nordrhein-Westfalen begaben sich – unterstützt durch das Ministerium für Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen - auf die Suche nach den Ursachen: Sie befragten Einrichtungen, ermittelten, welche Angebote angenommen werden und welche eher nicht, und geben in dem Leitfaden „Echt stark – Väter in der Familienbildung“ Familienbildungsstätten Anregungen, um ihre Arbeit mit Väter weiter zu entwickeln.
Was sind Familienbildungsstätten?
Familienbildungsstätten erfüllen einen gesetzlichen Auftrag (SGB VIII, §16), der besagt, dass Müttern, Vätern, anderen Erziehungsberechtigten und jungen Menschen Leistungen angeboten werden sollen, die sie bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsverantwortung unterstützen. Die Themen, zu denen Familienbildungsstätten Angebote machen, setzen an den vielfältigen Lebenswirklichkeiten von Familien an und gehören zum Beispiel zu den Bereichen, Partnerschaft, Erziehung, Bildung, Gesundheit, Haushalt und Geld. Die Bildungseinrichtungen wollen nicht nur theoretisches Wissens vermitteln, sondern auch Orte für neue Erfahrungen und den Austausch untereinander schaffen.
Viele Väter suchen „Action“
Gerade mit solchen Angeboten, die keinen „Schul-Charakter“ tragen, kommen sie bei Männern besonders gut an. „Väter brauchen Spielräume und meiden alle Angebote, die klar und eng strukturiert sind. Väter meiden emotionale Themenstellungen und sind eher über Aktivitäten anzusprechen. Väter schätzen männliche Moderatoren und Ansprechpartner und wollen nicht dominiert werden“, diese „Regeln“, die natürlich nur eine Tendenz wiedergeben und nicht für alle Männer gelten, leiteten die Autorinnen und Autoren aus den Erfahrungen mit Angeboten in Familienbildungsstätten ab.
Eine Umfrage zeigte, dass 48,3 Prozent der Männer, die Angebote von Familienbildungsstätten nutzen, Themen aus dem Bereich „Gesundheit / Sport / Aktivität“ auswählten. 36 Prozent nahmen an Angeboten aus dem Feld „Erziehung“ teil. „Hauswirtschaft“, z.B. Kochen, landete mit nur noch 7,9 Prozent abgeschlagen auf Platz drei, gefolgt von gesellschaftlichen Themen mit 6,7 Prozent. An Kreativ-Angeboten und Sprachlehrgängen nahmen so gut wie keine Männer teil.
Die Einrichtungen bemerken zudem, dass Aktivitäten, die die Kinder einbeziehen, besonders gefragt sind. „Paddeln, Zelten Püfferken“, „Zirkus Konfetti“, „Indianerwochenende“, „Baumklettern“, „Feuermänner“, „Starke Jungs“, „Sport, Spiel, Spaß“ - so und ähnlich hießen Vater-Kind-Angebote, die gut besucht waren.
Familienbildung auf dem Weg
Drei von vier Familienbildungsstätten machen Angebote speziell für Väter bzw. für Väter und Kinder. Dass Väter nicht überall stärker einbezogen werden, liege, so heißt es in dem Leitfaden, oftmals daran, dass Versuche, Väter anzusprechen, in der Vergangenheit fehlgeschlagen sind. Außerdem bemängeln die Fachleute die unzureichende finanzielle Ausstattung der Einrichtungen und das daraus resultierende geringe Honorar für Kursleiterinnen und Kursleiter. Männliche Kursleiter zu finden, sei vor diesem Hintergrund häufig sehr schwer.
„Männern erscheint Familienbildung als unmaskulines Geschehen an weiblichem Ort“, schreiben die Autorinnen und Autoren im Leitfaden. Das muss aber nicht so bleiben. Das Handbuch zeigt, dass die Akteurinnen und Akteure der Familienbildung viele Ideen haben, um die Attraktivität der Einrichtungen für Väter zu steigern. Sie schlagen zum Beispiel vor, verstärkt mit Unternehmen oder anderen Partnerinnen und Partnern zusammen zu arbeiten, die Zugang zu Vätern haben. Außerdem solle die Ausrichtung auch auf Väter in der Konzeption der Einrichtung festgeschrieben werden und dieses Thema im Team präsent sein. Noch sei die Familienbildung mit 85 Prozent Frauen ein weiblich geprägtes Arbeitsfeld. Das müsse sich ändern, um männliche Teilnehmer zu gewinnen.
Väter können Interesse bekunden
Teilweise möchten Bildungsstätten interessierte Väter einbinden, um ihre Angebote aber auch die Einrichtung selbst zielgruppengerecht zu gestalten. Väter können also selbst aktiv werden und dazu beitragen, vor Ort passende Angebote zu initiieren. Ansprechstellen finden sie unter www.familienbildung-in-nrw.de. Dort sind rund 160 Einrichtungen der Familienhilfe in einer Datenbank mit Suchfunktion gelistet.
Wer nach einem Väter- oder Vater-Kind-Angebot sucht, wird vielleicht auch im vaeter.nrw.de-Veranstaltungsverzeichnis fündig. Wer wissen möchte, was Väter und Kinder bei Vater-Kind-Angeboten zusammen erleben können, findet beispielhafte Bericht auf dieser Website (Links s.u.).
(vaeter.nrw.de, 04.08.2011)
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vaeter.nrw.de: