Holger Mülling ist seit Februar 2009 als einer von insgesamt acht Tagesvätern in Köln tätig. Er ist selbst Vater von zwei Töchtern im Alter von zwei und neun Jahren. Vaeter-nrw.de hat den Tagesvater nach seiner neuen Tätigkeit und seiner eigenen Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefragt.
vaeter-nrw.de: Was hat sie motiviert, Tagesvater zu werden?
Holger Mülling: Wir haben ja eine neunjährige Tochter, die schon in die Schule geht. Jetzt beim zweiten Kind, haben wir die Elternzeit geteilt und ich war im zweiten Jahr mit der jüngeren Tochter Zuhause. Ich habe jahrelang als Heilerziehungspfleger mit Kindern mit besonderem Förderbedarf gearbeitet und so kam mir die Idee, als Tagesvater eine kleine integrative Gruppe für Kinder unter drei Jahren zu gründen. Nach der Fortbildung zum Tagesvater kamen auch schon die ersten Anfragen aus dem Bekanntenkreis und so war meine Tageskinder-Gruppe schnell gefüllt - ohne dass ich überhaupt "Werbung" machen musste. Aktuell betreue ich drei Tageskinder im Alter zwischen 18 und 26 Monaten und meine Tochter.
vaeter-nrw.de: Wird es als etwas Besonderes gesehen, wenn Sie als Mann in der Tagespflege arbeiten?
Holger Mülling: Die Eltern meiner Tageskinder sind zufrieden mit meiner Arbeit. Das ist für mich zunächst einmal wichtig zu wissen. Alleinerziehende Mütter haben bei Anfragen auch schon einmal gesagt, dass sie es schön fänden, wenn ein männlicher Part mit an der Erziehung des Kindes beteiligt ist. In Gesprächen z.B auf dem Spielplatz stoße ich aber ab und zu auf Vorbehalte. Meistens gehe ich darüber hinweg. Zu den Vätern meiner Tageskinder habe ich ein sehr gutes Verhältnis. Wir nehmen uns auch die Zeit, uns über Erziehungsthemen auszutauschen.
vaeter-nrw.de: Wie gestalten Sie Ihre Tage mit den Tageskindern?
Holger Mülling: Ab 9.00 Uhr bringen die Eltern in der Regel nach und nach die Tageskinder zu mir. Wenn alle da sind, frühstücken wir gemeinsam. Dann gibt es eine kurze Phase freien Spielens. Anschließend gehen wir eine Stunde raus. Mittagessen gibt es gegen 12.30 Uhr. Zwischendurch erledige ich - immer mit Blick auf die Kinder - die Arbeiten, die nötig sind, damit das Essen auf den Tisch kommt. Danach machen alle Kinder zwischen ein und eineinhalb Stunden Mittagsschlaf. Ab 14.30 Uhr ist dann langsames Wachwerden angesagt. Da wird dann auch schon einmal geknatscht. Um 15.00 Uhr kommen die Eltern und holen die Kinder ab.
vaeter-nrw.de: Was ist Ihnen aus pädagogischer Sicht wichtig?
Holger Mülling: Ich sehe es als meine Aufgabe, den Kindern den Tag mit wiederkehrenden Ritualen zu strukturieren. Zwischendurch können die Kinder im Freispiel ihre Welt erfahren. Ich bin dann in der Rolle als Spielpartner und Spielmoderator an ihrer Seite. Aus meiner Arbeit als Heilpädagoge weiß ich, dass es für Kinder immer wichtig ist, eine Art Leuchtturm, eine Orientierungshilfe zu haben.
vater-nrw.de: Und wie passt Ihr Beruf zu Ihrem eigenen Familienleben?
Holger Mülling: Meine neunjährige Tochter hat von vorne herein gesagt: "Ich will nicht, dass Tageskinder hier sind, wenn ich hier bin." Daran haben wir uns gehalten. Gegen 8.00 Uhr verlassen meine große Tochter und meine Frau das Haus und erst dann startet meine Arbeit als Tagesvater. Im Prinzip steht den Tageskindern die ganze Wohnung zur Verfügung, nur das Zimmer unserer Großen ist tabu. Das Zimmer unserer kleinen Tochter haben wir ein wenig geräumiger gestaltet und um einige Spielsachen ergänzt, so dass einige Dinge auch doppelt zur Verfügung stehen. Wenn die Kinder um 15.00 Uhr abgeholt sind, beseitige ich die gröbsten Spuren. Um 15.30 Uhr kommt dann unsere Große nach Hause - und am Abend meine Frau.
vaeter-nrw.de: Haben Sie auch einmal frei?
Holger Mülling: Ja, an einem Tag arbeite ich nicht als Tagesvater, dann nehme ich mir Zeit für mich und gehe zum Beispiel zum Sport.
vaeter-nrw.de: Herr Mülling, vielen Dank für das interessante Gespräch!