Wie inszenieren Väter ihr Leben und die Erziehung ihrer Kinder? Setzen sie auch dramatische Szenen humorvoll um? Wer noch nicht weiß, wie das geht: vaeter.nrw.de sprach mit der Sozialpädagogin Franziska Rülke. Sie sagt: „Es empfiehlt sich, Humor zu lernen!“
Männer haben viel Sinn für Humor, haben richtig Spaß mit Kindern und entdecken beim Toben und Quatsch machen mit dem Nachwuchs das Kind in sich selbst. So heißt es oft. Sind Väter Naturtalente für das Erziehen mit Humor? Wissenschaftliche Belege dafür gibt es nicht. Doch dass mit Humor vieles leichter geht, weiß jeder bzw. jede aus eigener Erfahrung.
Kurioses aus der Humorforschung
Der britische Professor Sam Shuster aus Newcastle on Tyne nutzte seinen Ruhestand, um Einrad zu fahren. Erstaunt über die unterschiedlichen Redaktionen der Menschen, betrieb er Forschungen dazu. Er stellte fest, dass pubertierende Jungen häufig aggressiv auf seine Tätigkeit reagierten, ihn vom Rad schubsen wollten oder ihm Steine und Stöcke in den Weg legten. Je älter die Jungen wurden, desto weniger feindselig war ihr Verhalten und desto häufiger kamen lustig gemeinte Kommentare. Auch die meisten Männer machten spöttisch-witzige Anmerkungen. So gar nicht humorvoll reagierten junge Männer um die 20. Sam Shuster vermutete, dass er ihnen mit seinem Einrad die Show stahl, da die jungen Damen plötzlich nur Augen für ihn hatten. Frauen lobten und ermunterten den Radler fast durchweg. Aufgrund seiner Erfahrungswerte meint der Brite, dass Humor im Zusammenhang steht mit der Konzentration des "männlichen" Sexualhormons Testosteron im Blut und dass Männer die Aggressivität, die das Hormon auslöst, mit zunehmendem Alter in Humor umwandeln.
Was heißt Humor?
Das aus dem Lateinischen stammende Wort bezeichnete ursprünglich Flüssigkeiten und stand im Zusammenhang mit der mittelalterlichen Lehre von den Körpersäften, die auch den Charakter eines Menschen prägen sollten. Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Begriff zu dem, was wir heute darunter verstehen. "Insbesondere in England wurde Humor zur Kardinaltugend erhoben", schreibt Dr. Ekkehard Ossowski, Erziehungswissenschaftler an der Universität Osnabrück. Humor sei eine positive Charaktereigenschaft emotionaler Art. Damit unterscheide er sich vom Witz, einer Verstandestätigkeit, die sich vor Publikum entfalte, aber auch von Satire, Ironie und Spott. Humor ist Gegenstand der Forschung in ganz unterschiedlichen Disziplinen, zum Beispiel der Sprachwissenschaft, der Medizin, der Pädagogik und der Soziologie. In verschiedenen Ländern gibt es unterschiedliche Humortraditionen und auch der Umgang der Geschlechter mit Humor unterscheidet sich.
Kinder zeigen, wie es geht
"Humorvoll zu sein, heißt eine bestimmte Einstellung zum Leben zu haben, es mit heiterer Gelassenheit zu sehen und über sich selbst lachen zu können", sagt Sozialpädagogin Franziska Rülke, die sich seit ihrer Diplom-Arbeit mit dem Thema beschäftigt. "Wir machen es uns oft unnötig schwer - auch und gerade in der Erziehung. Wir inszenieren Dramen, die keine sind." Was spräche zum Beispiel dagegen, statt ein Kind zu maßregeln, weil es mit dem Besteck rumspielt, den Löffel sprechen zu lassen, dass er gar nicht dafür bestimmt ist? "Kinder lieben es, Quatsch zu machen, lassen Sie sich ruhig darauf ein", rät die Expertin. Denn Menschen lernen dann am besten, wenn sie emotional positiv angesprochen werden. Eltern meinten oft fälschlich, ihre Autorität zu verlieren, wenn sie humorvoll sind.
Humor braucht Übung
Auch wenn Emotionen hoch schlügen und die Stimmung aggressiv würde, könnte eine humorvolle Haltung helfen, die Situation zu entschärfen. Das setzt jedoch voraus, dass es gelingt, inne zu halten und die Dinge von einer anderen Seite zu betrachten. Für alle die jetzt sagen "kann ich nicht", hat Franziska Rülke eine gute Nachricht: "Humor kann man lernen. Aber es braucht Übung, denn einfach mal Lächeln oder ein paar Witze machen, funktioniert nicht. Humor muss authentisch sein.“ Die Expertin rät: „Versuchen Sie, im Augenblick zu leben und sich nicht mit Vergangenem oder Künftigem zu belasten. Kindern machen es vor.“ Es hilft, mit offenen Augen durch den Alltag zu gehen und bewusst wahrzunehmen, was um einen herum passiert. „Versuchen Sie dabei, Dinge und Situationen auch von einer anderen, komischen Warte aus zu betrachten. Damit durchbrechen Sie häufig bereits den humorfeindlichen Alltagstrott. Nehmen Sie sich selbst dabei nicht aus. Denn wer über sich selbst lachen kann, hat schon gewonnen."
(vaeter.nrw.de, 01.09.2011)
Foto: Olga Lyubkin / Fotolia.com
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