Die traditionelle Rollenverteilung in Partnerschaften - der Mann ist erwerbstätig, die Frau kümmert sich um Kinder und Haushalt - ist auf dem Rückzug. Das trifft für Menschen mit deutschen Wurzeln und solche mit Zuwanderungsgeschichte gleichermaßen zu. Männer haben tendenziell etwas konservativere Vorstellungen von der Aufgabenverteilung in Partnerschaften als Frauen. Das macht der Abschlussbericht der Untersuchung "Rollenverständnis von Frauen und Männern mit Zuwanderungsgeschichte unter Berücksichtigung intergenerativer und interkultureller Einflüsse" deutlich.
Interessant: Die Einstellungen zu und Vorstellungen von Männer- und Frauenrollen sind bei Menschen mit Zuwanderungsgeschichte aus der Türkei und der ehemaligen Sowjetunion nicht anders als bei Menschen mit deutschen Wurzeln. Es ist vielmehr das individuelle Bildungsniveau, das einen entscheidenden Einfluss auf das Rollenverständnis hat. Das ergab eine Untersuchung im Auftrag der Familienministerien des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen, die die Univation Institut für Evaluation Dr. Beywl & Associates GmbH, das Institut für Interkulturelle Bildung und Entwicklung (Interkult) und die Fachhochschule Köln sowie der Verein women on top gemeinsam durchführten. In persönlichen Interviews befragten die Studienautorinnen und -autoren insgesamt 70 Personen zweier Generationen und zwar jeweils Väter und ihre Söhne bzw. Mütter und ihre Töchter mit deutschen, türkischen und sowjetischen Wurzeln. Die Elterngeneration deckte die Alterspanne zwischen 40 und 60 Jahren ab, die Kinder waren 18 bis 28 Jahre alt.
Männer helfen im Haushalt mit
Die Untersuchung zeigt, dass in der älteren Generation traditionelle Geschlechterarrangements dominieren, in denen der Mann die Ernährerrolle übernimmt, während die Frau für Haushalt und Familie zuständig und allenfalls geringfügig erwerbstätig ist. Die Söhne und Töchter sprechen sich mehrheitlich für bedingt gleichberechtigte (bedingt egalitäre) Arrangements aus, die eine stärkere Mithilfe des Mannes im Haushalt vorsehen als dies in der älteren Generation mehrheitlich gelebt wird. Das Spektrum dessen, was die Männer und Frauen darunter verstehen, ist breit und reicht "von einer punktuellen bis hin zu einer erheblichen männlichen Mithilfe in Haushalt und Kinderbetreuung, vom zeitweisen bis hin zum mittelfristigen Aussteigen der Frau aus dem Berufsleben in der Kinderphase." Berufstätigkeit von Mann und Frau in qualifizierten Berufen erweist sich in der jüngeren Generation jedoch überwiegend als ein fester Bestandteil der langfristigen Lebensplanung.
Männer "konservativer" als Frauen
Je höher der Bildungsabschluss der befragten Personen, desto eher sprechen sie sich - unabhängig von ihrer Herkunft - für eine gleichberechtigte Aufgabenteilung in der Partnerschaft aus. Unter den Jüngeren bevorzugt nur eine kleine Gruppe konservative Geschlechterarrangements. In dieser Gruppe befinden sich ausschließlich Männer. Vollständig egalitäre Geschlechterarrangements werden ebenfalls nur von einer kleinen Gruppe - jedoch deutlich häufiger von Frauen (aller Herkunftsgruppen) - gewünscht. Diese Abweichung in den Einstellungen von Männern und Frauen zeigte 2008 bereits die Studie "Männer in Bewegung - Zehn Jahre Männerentwicklung in Deutschland", über die vaeter.nrw.de berichtete.
Veränderung der Aufgabenverteilung im Lebensverlauf
Die Aufgabenverteilung unter den Geschlechtern unterliegt Veränderungen. Dabei erweist sich die Geburt von Kindern als das Lebensereignis, das auf die Geschlechterarrangements den größten Einfluss nimmt. Bei einigen der Frauen mit Migrationsgeschichte führt die Nichtanerkennung von Studien- oder Berufsabschlüssen zu einer Retraditionalisierung der Aufgabenverteilung in der Partnerschaft.
Eltern sind Vorbilder
Eltern - so zeigt die Befragung - sind Vorbilder für ihre Kinder. Auch mit deren Erziehung sind die Söhne und Töchter mehrheitlich zufrieden und orientieren sich bei der Erziehung eigener Kinder an diesem Vorbild.
Integration der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte
"Die ganz überwiegend hohe Bildungs- und Leistungsbereitschaft insbesondere der Vater-Sohn- und Mutter-Tochter-Tandems mit Zuwanderungsgeschichte weist auf deren hohe strukturelle Integrationsbestrebungen hin", heißt es in dem Abschlussbericht. Die Frauen und Männer mit Zuwanderungsgeschichte geben jedoch auch an, unter der Diskussion um "die Deutschen" und "die Ausländer" zu leiden, die sie trotz des deutschen Passes, den viele von ihnen besitzen, immer wieder zu "Ausländern" mache.
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