Die Belastungen, die das Elternsein mit sich bringt, werden in der öffentlichen Wahrnehmung völlig unterschätzt.
Reden Väter in einer Vätergruppe (Informationen über Vätergruppen in ihrer Region erhalten Sie unter dem Stichwort "Beratung") offen über Partnerschaftskrisen, dann wird deutlich, dass in fast jeder Partnerschaft schon eine Trennung erwogen worden ist. Sichtbar wird dann auch, dass die Väter, die sich getrennt haben, nicht vorschnell von den anderen Vätern für ihre "Entscheidungsfreude" bewundert werden wollen. Sie wissen zu deutlich von ihren anhaltenden Zweifeln und Gefühlen der Ausweglosigkeit. Die Väter wiederum, die mit ihren Partnerinnen zusammen geblieben sind, wollen nicht zu schnell für ihre "Geduld" gelobt werden, denn sie spüren auch, wie viel Abhängigkeit und hilfloses Weitermachen dazu führte, zusammen zu bleiben.
Als besonders belastend für eine Partnerschaft werden oft die folgenden Themen erlebt:
- Die Erziehungsvorstellungen der Partner unterscheiden sich und jede Auseinandersetzung darüber wird als anstrengend und "sich im Kreis drehend" erlebt.
- Familiäre und berufliche Wünsche zur Deckung zu bringen, wird als überfordernd erlebt. Da die Veränderung der beruflichen Situation eines Partners auch existenzielle Folgen für den anderen hat, sind "harte" Auseinandersetzungen vorprogrammiert. In solchen Situationen fällt es schwer, auch Zweifel an den eigenen Zielen und Überforderungen anzusprechen. Gleichzeitig wird oft die Arbeitsituation als unveränderlich erlebt, was zusätzlich den Druck erhöht.
- Die Arbeitsteilung zwischen den Partnern wird als unbefriedigend erlebt. Doch fällt es schwer, nicht nur allgemeine Vorwürfe zu äußern, sondern praktische neue Lösungen miteinander zu entwickeln. Darüber hinaus entwickeln sich viele Veränderungen der Arbeitsteilung relativ plötzlich, sind nicht vorhersehbar und meist auch schwer änderbar. Oft genug noch werden Wünsche von Vätern nach flexiblen Arbeitszeiten und Teilzeitarbeitswünsche von Vorgesetzten mit Befremden wahrgenommen (mehr dazu unter dem Stichwort "Väter in der Arbeitswelt"). Auch gegenüber den Kindererziehungs-Institutionen wie Kindertagesstätte, Hort, Schule etc. ist es nicht immer leicht, Flexibilität bei Öffnungs- und Bringzeiten zu erreichen (vgl. a. Strohmeier, Johannes, 2001, im online-Familienhandbuch: Väter in Kindertagesstätten)
- Auch Ängste, Depressionen und psychische Probleme eines Partners können eine Partnerschaft völlig überfordern. Jeder Schicksalsschlag, jeder Übergang in eine neue Lebensphase kann eine seelische Krise auslösen. Nicht immer ist der Partner bereit oder fähig, diese Krise mit zu begleiten.
- Die Sexualität hat sich nach der Geburt des Kindes verändert oder einer der Partner ist unzufrieden mit der partnerschaftlichen Sexualität. Es kann auch schwer fallen, Unzufriedenheit anzusprechen und sich über sexuelle Wünsche auszutauschen. Auch scheinen viele Dinge dringlicher und wichtiger zu sein, als sich die Zeit zu nehmen, einander (wieder) näherzukommen.
- Die Kinder selber bringen spezifische Themen in die Familie ein, die mal den einen, mal den anderen Partner überfordern, seien es z.B. Themen wie Wut, Sauberkeit, Lügen, Anklammern, Eifersucht etc. Gerade Vätern fehlen dann häufig Gesprächsmöglichkeiten mit anderen Vätern, in denen sie herausfinden können, wie man seinem Kind gegenüber eine neue Einstellung finden und sich anders verhalten kann.
- Nicht zuletzt passiert es, dass sich die Partner verändern und einander fremd werden. Es ist dann oft schwer, sich einzugestehen, dass man den Partner als Hemmnis für die eigene Weiterentwicklung erlebt.
In den vielen Anforderungen, die sich den Vätern stellen, geschieht es leicht, dass grundlegende Konflikte zwischen den Partnern vertagt und nicht mehr angesprochen werden. Doch steigen damit fast unmerklich Enttäuschung und Spannung untereinander und schnell besteht die Gefahr eskalierender Streitereien. Im Nachhinein werden oft gerade die langen Zeiten, in denen man schon merkte, wie "leblos" man die Partnerschaft erlebt hat, als bedrückend empfunden.