Trennung oder Scheidung: Was können Väter und Mütter tun, damit ihre Kinder gestärkt aus der Krise hervorgehen? Eine Broschüre der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung e.V. (DAJEB) gibt Auskunft.
„Ihr Kind hat ein Recht auf beide Eltern, und es braucht beide“, heißt es in der Broschüre „Eltern bleiben Eltern“. Es ist jedoch eine Herausforderung für viele Väter und Mütter, ihren Kindern nach einer Trennung den regelmäßigen Kontakt zum anderen Elternteil weitgehend unbelastet zu ermöglichen. Wie das gelingen kann, zeigt die Broschüre.
Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass sich Ratschläge oft einfach anhören. In der Realität stellt es jedoch eine große Herausforderung dar, sich den Ratschlägen entsprechend zu verhalten, weil viele Emotionen im Spiel sind. Trennung ist „nicht nur ein plötzlicher Einschnitt im Leben der Familie, sondern ein langer Weg zu einer veränderten Familie“. Dieses Ziel könnten Betroffene zumeist nur in vielen kleinen Schritten – und sicherlich auch Rückschritten – ansteuern.
Eltern bleiben und Signale der Kinder deuten
Die Publikation gliedert sich wie folgt: Das kurze erste Kapitel „Sie gehen als Paar auseinander – aber Sie werden Ihr Leben lang Eltern bleiben“ weist auf die unauflösliche gemeinsame Elternverantwortung hin. „Mit Kindern darüber sprechen“ lautet der Appell des zweiten Kapitels. Auch kleine Kinder verkrafteten die Trennung der Eltern besser, wenn mit ihnen darüber – altersgemäß – gesprochen würde. „Wenn es Ihnen beiden als Eltern gelingt, trotz der eigenen verletzten Gefühle Ihren Kindern immer wieder Fragen und Stellungnahmen zum Thema Trennung zu ermöglichen, dann geben Sie ihnen eine wichtige Hilfe bei der Bewältigung dieser großen Veränderung.“ „Wie Kinder auf die Trennung ihrer Eltern reagieren“ beschreibt typisches Verhalten von Kindern unterschiedlicher Altersstufen. Im Kapitel „Was die Reaktionen der Kinder bedeuten“ heißt es dann „Veränderungen und Auffälligkeiten im Verhalten von Kindern nach einer Trennung der Eltern können in gewissem Sinne als normal bezeichnet werden (…) Dennoch sind sie deutliche Signale kindlicher Bedürfnisse, denen die Regelungen nach der Trennung so weit als möglich gerecht werden sollten.“
Erziehen in schwieriger Situation
Besonders wichtig für das Kind: „Es braucht die Gewissheit, beide Elternteile lieben zu dürfen. Zeigen Sie ihm, dass es in Ordnung ist, wenn es auch den anderen Elternteil braucht und vermisst“, heißt es in dem Kapitel „Wenn Kinder für einen Elternteil Partei ergreifen“. Im Kapitel „Zwischen Verwöhnung und Überforderung“ beschreiben die Autorinnen und Autoren den Erziehungskonflikt, in dem sich getrennte Eltern, die sich dem Kind gegenüber oft schuldig fühlen, vielfach befinden.
Rechtlicher Rahmen
In den Kapiteln „Einige Hinweise auf die familienrechtlichen Regelungen“, „Elterliche Verantwortung nach Trennung und Scheidung“, „Die gemeinsame elterliche Sorge“ sowie „Alleinige elterliche Sorge und Umgangsrecht“ geht es darum, wie es in unterschiedlichen Konstellationen gelingen kann, praktische Regelungen für den Alltag zu finden, die den Bedürfnissen des Kindes gerecht werden.
Häufige Herausforderungen
Die Beiträge unter „Getrennt für ihr Kind da sein“ und „Neue Partner“ weisen auf häufig auftretenden Schwierigkeiten und Konflikte hin. Zum Beispiel darauf, dass viele Eltern beobachten, dass ihr Kind „ganz durcheinander“ ist, wenn es beim anderen Elternteil war und aggressiv oder traurig reagiert. Die Besuche einzuschränken, wäre, sagen die Autorinnen und Autoren, jedoch in der Regel nicht sinnvoll. „Ihr Kind braucht Zeit (…), um sich an die veränderte Situation zu gewöhnen, und es braucht die Möglichkeit, seine Gefühle auszudrücken.“ Sind Vater bzw. Mutter mit einer neuen Partnerin oder einem neuen Partner zusammen, ist das für das Kind ebenfalls „schwierig“. Dem Kind Zeit zu lassen, eine Beziehung zu dieser neuen Person aufzubauen, lautet ein Rat in der Broschüre. Und: Auch wenn neue Menschen zum Familiensystem hinzu kommen „ersetzen“ sie Mutter bzw. Vater nicht. Das Recht des Kindes auf ungehinderten Zugang zum anderen Elternteil müsse weiterhin gewahrt sein.
Beratung und Hilfe
„Scheuen Sie sich nicht, Beratung in Anspruch zu nehmen, um sich nach dem 'Prinzip der kleinen Schritte' einer guten Lösung zu nähern“, heißt es in der Publikation. Im Kinder- und Jugendhilferecht ist ein Anspruch auf Beratung in Fragen der Partnerschaft sowie bei Trennung und Scheidung für alle, die ein Kind unter 18 Jahren versorgen, festgeschrieben. Entsprechende Unterstützung gibt es bei Erziehungs-, Ehe- und Familienberatungsstellen, bei den Jugendämtern bzw. allgemeinen Sozialdiensten. Vaeter.nrw.de hat eine Übersicht „Information & Beratung: Trennung & Scheidung“ speziell für Väter zusammengestellt.
(vaeter.nrw.de, 07.07.2011)
Link:
vaeter.nrw.de: