Interview: Ein Vater setzt sich für den Umgang mit seinem Sohn ein

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Interview: Ein Vater setzt sich für den Umgang mit seinem Sohn ein

Knoepp_1_mod_100Marco Knöpp lebt seit zwei Jahren von seiner geschiedenen Frau und seinem Sohn getrennt. Im Interview mit vaeter.nrw.de berichtet er, was er tat, als Konflikte auftraten, die den Umgang mit dem Sohn betrafen.

vaeter.nrw.de: Herr Knöpp, Sie haben gerade einen kurzen Urlaub mit Ihrem viereinhalbjährigen Sohn verbracht und ihn jetzt wieder zu seiner Mutter gebracht. Wie geht es Ihnen?

Marco Knöpp: Gut. Ich bin mit der Situation mittlerweile zufrieden. Wir, meine Ex-Frau, unser Sohn und ich, haben gerade zusammen für unseren Sohn eine Jacke gekauft und sind danach noch in einem Café gewesen. Daher hat es auch etwas länger gedauert.

vaeter.nrw.de: Gab es auch Zeiten, in denen Sie mit der Situation unzufrieden waren?

Marco Knöpp: Absolut. Die Trennung vor zwei Jahren traf mich völlig unvorbereitet. Meine Welt, mein Lebensmodell mit Frau und Kind ist zusammengebrochen. Ich habe die Frau verloren, die ich liebte, und hatte Angst, um die Beziehung zu meinem Sohn. Das hat mich erst mal aus dem Gleis geworfen. Ich wurde krank und war arbeitsunfähig. Gott sei Dank habe ich meinen Arbeitsplatz damals nicht verloren.

vaeter.nrw.de: Konnten Sie trotz dieser Belastung den Kontakt zu Ihrem Sohn halten?

Marco Knöpp: Ja, ich habe ihn in dieser Zeit regelmäßig fast jedes Wochenende gesehen. Dann begann der Streit mit meiner ehemaligen Frau was den Unterhalt und die Hausratsteilung anging. Ab da wurde es auch mit den Kontakten zu meinem Sohn schwieriger, da meine ehemalige Frau durchsetzte, dass die Treffen nur noch alle 14 Tage stattfinden. Als dann später aus unterschiedlichen Gründen noch längere Pausen zwischen den Umgängen entstanden, begann ich mir ernsthaft Sorgen zu machen. Ich recherchierte im Internet und las einiges über PAS (Anm.: Parental Alienation Syndrome, elterliches Entfremdungssyndrom) und hatte Angst, dass meine Ex-Frau vielleicht eine Entfremdung zwischen meinem Sohn und mir provozieren wollte. Zusätzlich alarmierte mich eine Geschichte, die mir mein Sohn vom Umgang seiner Mutter mit ihm erzählte. Ich habe mir echt Sorgen gemacht und bin direkt zu einer Vätergruppe in der Nähe gegangen und habe mich beraten lassen. Die meinten, ich solle meinen Sohn beim nächsten Mal vielleicht nicht mehr herausgeben und vorher Polizei und Jugendamt informieren. Das schien mir sogar damals etwas krass und ich habe mich entschieden, diesem Rat nicht zu folgen. Aber in meiner Panik und der mir eigenen Art, alles sofort geklärt wissen zu wollen, habe ich einen sechsseitigen Brief an das Jugendamt geschrieben. Aus heutiger Sicht kann ich nur sagen, dass ich damals die Situation völlig überbewertet habe. Das Jugendamt hat mir dann auch erklärt, dass gemeinsames Sorgerecht nicht heißt, dass ich als Vater im Alltag des Kindes etwas zu melden hätte. Was ich schilderte, habe nicht die Bedeutung, die ich der Situation beigemessen hätte. Diese Reaktion hat mich geschockt.

vaeter.nrw.de: Welche Schlüsse haben Sie aus diesem Vorfall gezogen?

Marco Knöpp: Ich habe gelernt, dass die meisten Dinge einem genug Zeit lassen, in Ruhe nachzudenken. Manche Dinge erscheinen, wenn man sich zeitlich erst einmal von den auslösenden Ereignissen entfernt hat, gar nicht mehr so gravierend, wie sie vielleicht im ersten Moment wirken. Sofortiges Handeln ist sehr selten nötig. "Erst einmal die Fresse halten", ist heute mein Motto. Auch ist wichtig, dass man sich mal in die Position des anderen versetzt und zumindest versucht, nachzuvollziehen, warum er vielleicht gerade so handelt. Und bevor man aktiv wird, sollte man erst einmal "vor der eigenen Haustür kehren". Das habe ich von "Väter helfen Vätern" gelernt. Das ist ein Verein in Moers, der Väter in Trennungs- und Scheidungssituationen unterstützt und berät. Zuerst habe ich gedacht, was mir Thomas Maas von Väter helfen Vätern da rät, ist viel zu zurückhaltend. Es schien mir zu "schwach". Ich dachte ich müsste schreien und trommeln und habe oft auch genau so gehandelt. Dass ich damit die "Gegenseite" völlig verunsichert und Gegenangriffe provoziert habe, war mir nicht klar. Ich habe wohl manchmal auch als "Bedrohung" gewirkt oder habe an der einen oder anderen Stelle auch einfach nur genervt. Die Situation ist dann auch zunächst noch ziemlich eskaliert.

vaeter.nrw.de: Inwiefern?

Marco Knöpp: Mein Sohn war dann plötzlich mal krank, wenn wir uns treffen sollten, und dann auf einmal im Urlaub. Auf diese Weise haben wir uns sieben Wochen nicht gesehen. Ich hatte die Befürchtung, dass er mich danach nicht mehr wiedererkennen würde. Da bin ich vor Gericht gegangen. Es gab dann eine einstweilige Anordnung in meinem Sinne. So konnte ich meinen Sohn anschließend wieder regelmäßig sehen. Allerdings durfte er zunächst immer nur von Samstag auf Sonntag zu mir und nicht, wie vorher, bereits ab Freitag. Meine Ex-Frau sah sich auch nicht mehr imstande, die Übergabe zu machen. Das hat dann eine dritte Person aus der Familie übernommen.

vaeter.nrw.de: Wie klappte das?

Marco Knöpp: Schlecht, da die Person sich nicht neutral verhielt, entstand für unseren Sohn eine sehr belastende Situation. Nach drei solchen Umgängen habe ich nach einer Alternative gesucht. Ich hatte auch schon von der AWO das Angebot in der Tasche, dass einer von deren Mitarbeitern ehrenamtlich die Übergaben machen würde. Da meldete sich meine Ex-Frau. Auch ihr war aufgefallen, wie belastend die Übergaben für unseren Sohn waren und sie bot an, das wieder selbst zu machen. So haben wir es dann auch umgesetzt.  An diesem Punkt war ich meiner Ex-Frau sehr dankbar für ihren Vorstoß, den sie machte, ohne zu wissen, dass ich mit der AWO in Kontakt stand. Offensichtlich hatten wir zu diesem Zeitpunkt beide das gleiche Ziel, nämlich die Situation für unser Kind möglichst stressfrei zu arrangieren.

vaeter.nrw.de: Dann sind Sie und ihre Ex-Partnerin also wieder aufeinander zugegangen?

Marco Knöpp: Nein, nicht wirklich, da wir die Umgangssituation nicht von den Unterhaltstreitigkeiten getrennt hatten. Vor einem Gerichtstermin dazu kam vom Anwalt der Gegenseite ein Fax, in dem plötzlich Punkte im Zusammenhang mit meinem Sohn zum Thema gemacht wurden, die ziemlich heftig waren. Vor Gericht kam das aber Gott sei Dank gar nicht gut an. Schlimm war für mich auch, dass meine Bindung zu meinem Sohn immer wieder in Frage gestellt wurde. Bei einem Gerichtstermin hatte ich dann einen kleinen Ausraster und habe einen Koffer voller Fotos von mir und meinen Sohn in der Mitte des Raumes ausgekippt. Ich wollte "beweisen", wie gut unser Verhältnis doch ist. Solche emotionalen Reaktion empfehle ich aber definitiv nicht weiter. Solches Verhalten hat vor Gericht nichts zu suchen und wirkt nur zum eigenen Nachteil. Hier zählen Sachlichkeit und emotionale Kontrolle.

vaeter.nrw.de: Wie entspannte sich die Situation denn wieder?

Marco Knöpp: Ich habe vor Gericht alle kindbezogenen Anträge zurückgezogen und gesagt, wenn es bei den Umgangs-Regelungen bleibt, die in der einstweiligen Anordnung nach dem Eilantrag festgelegt worden waren, dann bin ich vorerst zufrieden und zähle darauf, dass wir später als Eltern Details und Änderungen bzw. Erweiterungen unter uns regeln. Das hat dann auch so geklappt. Was die Finanzen angeht, gibt es immer noch Streit. Aber das Thema Umgang ist da mittlerweile völlig raus. Da sind wir jetzt wirklich vorbildlich unterwegs. Eine ganze Zeit lang musste ich Änderungen bei den Umgangsterminen immer per Brief oder SMS schicken. Auch das haben wir hinter uns gelassen und telefonieren jetzt in solchen Fällen - wie "normale Menschen" eben. Wir können auch längere Aufenthalte unseres Sohns bei mir einvernehmlich besprechen und auch umsetzen. Es herrscht Vertrauen, was die Wahrnehmung der Elternrolle des jeweils anderen angeht und wir respektieren uns auf dieser Ebene. Das gilt vor allen Dingen unserem Sohn gegenüber, der beiderseitig nur Bestätigung hinsichtlich der Rolle des anderen Elternteils erfährt. Dazu, dass das funktioniert, haben wir beide unseren Teil beigetragen. Ich wünsche mir, dass wir auf diesem Kurs bleiben und unser Sohn mal mächtig stolz darauf sein wird, dass seine Eltern es geschafft haben, "ihren Job zu machen"- motiviert durch die Liebe zu ihrem gemeinsamen Kind. Es sieht aktuell alles danach aus, dass das so eintreten wird.

vaeter.nrw.de: Was hat Ihnen in der Phase der Auseinandersetzung geholfen?

Marco Knöpp: Bei Väter helfen Väter habe ich gelernt, dass es darauf ankommt, dass es meinem Sohn gut geht. "Es geht nicht um dich!" Das hat mir Thomas Maas klar gemacht. Ich kann heute für meinen Sohn auch den neuen Partner meiner Frau akzeptieren. Mein Sohn hat das Recht zu entscheiden, wer in seinem sozialen Umfeld welche Rolle spielt und wie er mit seinen Sympathieressourcen umgeht. Er alleine darf das bestimmen und er hatte dabei bisher immer ein gutes Händchen. Mein Traum von der heilen Familienwelt ist geplatzt - das habe ich schon lange akzeptiert. Meine Aufgabe ist es, zusammen mit der Mutter unseres Sohnes eine Situation zu schaffen, die für ihn gut ist. Nichts anderes zählt. Das alles so sehen zu können, war aber ein längerer Weg. Ich will abschließend noch etwas ganz Wichtiges klarstellen. Dass wir als Eltern heute dort angekommen sind, wo wir stehen, ist nicht mein Verdienst. Dazu haben wir uns beide bewegt und können so am Ende das Versprechen einhalten, das wir unserem Sohn gegeben haben, als er noch nicht einmal geboren wurde - nämlich, ihm immer als Eltern zu dienen. Ich wurde auf meinem Weg dahin unterstützt - von vielen Freunden und von Thomas Maas, der mir mit Väter helfen Vätern den für mich richtigen Kurs aufgezeigt hat.

vaeter.nrw.de: Herr Knöpp, herzlichen Dank für das persönliche Gespräch.

 

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