Konflikt: Wenn es handgreiflich wird...

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Konflikt: Wenn es handgreiflich wird...

Gewalt ist manchmal das Ende, aber immer ein Anfang: wahrzunehmen was war, ist und werden soll.

Bei eskalierendem Streit ahnen meist noch beide Partner, dass "es so nicht weitergeht". Die Übergänge zur Gewalttätigkeit, das Versperren des Weges aus der Wohnung, das Werfen mit Gegenständen, unflätige Beschimpfungen und Demütigungen erzeugen Angst und verhindern schon nachdrücklicher, dass die "heiklen" Themen der Partnerschaft noch angesprochen werden. Ist dann die erste Ohrfeige, das erste "Ausrasten" passiert und wiederholt es sich, sind die Partner allein meist überfordert, "das in Ordnung zu bringen" und zu einer "sicheren Beziehung" zurückzukehren.

Zweierlei ist nötig:

 

Sie benötigen Unterstützung: Als Mann, der seine Frau geschlagen hat. Als Mann, der von seiner Partnerin geschlagen wurde. Als Frau, die ihren Partner geschlagen hat. Als Frau, die von ihrem Mann geschlagen wurde. Als Paar, das gemeinsam aus der gewalttätigen Verstrickung herausfinden will. Oft machen Schamgefühle, Schuldgefühle sowie Angst und Überforderung es schwer, das Dilemma offen zu legen. Auch beginnt man schnell, sich über das Ausmaß der eigenen Probleme etwas vorzumachen. Sprechen Sie mit Verwandten und Freunden und wenden Sie sich an professionelle Beratungsstellen und Therapeuten für eine Einzelberatung/-therapie oder Paarberatung/-therapie.

In solchen Situationen kann es auch sinnvoll sein, für einige Zeit auseinander zu ziehen, um eine Fortsetzung der Gewalttätigkeit auszuschließen. Diese Zeit können Sie nutzen, um sich über die Gründe der Unzufriedenheit und des Ärgers in ihrer Beziehung klar zu werden. Größerer Abstand beendet nicht eine Beziehung, sondern ermöglicht oft erst, wieder angstfrei das Zusammensein erleben zu können.

Auch als indirekt Beteiligte, als Freunde und Verwandte der Eltern und der Kinder, sind Sie in solchen Zeiten aufgefordert, die unhaltbare Situation anzusprechen. Sie haben einen guten Grund, denn es ist hart, nur zuzuschauen, wenn die Menschen, die man mag, so grob oder feindselig miteinander umgehen und sowohl sich selbst als auch den Partner gefährden. Es kann auch sinnvoll sein, den gesamten Kreis der Menschen, die dem Paar nahe sind, zusammenzurufen, um in dieser Gruppe die Situation genauer anzuschauen und dann gemeinsam nach Wegen aus der Gewalt zu suchen.

Sind Sie in der Partnerschaft gewalttätig geworden, dann kann es sein, dass Sie nach der Trennung nur sehr eingeschränkt noch Kontakt zu ihrem Kind aufnehmen dürfen. Auch wenn das gegenseitige Vertrauen der Eltern fehlt oder wenn der Vorwurf im Raum steht, das Kind könne Gewalt ausgesetzt gewesen sein, kommt es vor, dass einem Elternteil der Zugang zum Kind nur eingeschränkt gestattet wird. Für solche Situationen ist das Angebot des Jugendamtes "Begleiteter Umgang" entwickelt worden. Für eine Übergangszeit kann der Elternteil in neutralen Räumen unter Begleitung einer psychologischen Fachkraft sein Kind sehen. Meist wird gleichzeitig versucht, zwischen den getrennten Eltern zu vermitteln und wieder feste Regelungen der Umgangszeiten mit dem Kind zu erarbeiten. Immer wieder kommt es vor, dass sich auch nach einer Trennung der Streit der ehemaligen Partner fortsetzt und alte Kränkungen bei jeder Einzelregelung wieder vorgebracht werden. Auch kommt es vor, dass grundsätzliches Misstrauen vorhanden ist und falsche Anschuldigungen erhoben werden. Viel Realismus, Klugheit und Vermittlungsversuche sind dann notwendig, um noch zu einigermaßen praktikablen Lösungen zu gelangen.

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