Beim Stichwort Trennung denken wir schnell - zu schnell - an lautstarke Auseinandersetzungen, heftige Streitereien und tiefe Enttäuschungen. Und niemand möchte gerne daran erinnert werden, wie schmerzhaft und häufig die Beendigung einer festen Beziehung ist - trotz aller guten Vorsätze und ehrlicher Bemühungen. Trennungen verlaufen günstiger, wenn die indirekt Beteiligten, Freunde, Verwandte und alle, die eine nahe Beziehung zu Eltern und Kindern haben, vor und nach einer Trennung den Eltern unterstützend zur Seite stehen und sich als Vermittler zur Verfügung stellen.
Die meisten Eltern gehen mit einer Trennungskrise behutsam um und versuchen trotz Trennung die Verantwortung für ihre Kinder gemeinsam wahrzunehmen. Das ist eine besonders schwierige und gleichzeitig paradoxe Situation, muss man sich doch noch mit dem Menschen auseinandersetzen, von dem man Abstand genommen hat und mit dem man die gemeinsame Perspektive schmerzhaft abgebrochen hat.
Die Unterscheidung zwischen beendeter Partnerschaft und weiterhin aufrechtzuerhaltender Elternschaft gelingt vielen Vätern und Müttern erstaunlich gut
Und das nicht nur vom grundsätzlichen Anspruch her, sondern auch praktisch mit all den schwierigen Kompromissen und zusätzlichen Belastungen, die damit verbunden sind. Oft befürchten Eltern, dass die Trennung ihren Kindern großen Schaden zufügt, doch ist die Beendigung der konfliktreichen Zeit und die folgende Neuorientierung der Eltern für das Kind meist ein Übergang in ruhigere Verhältnisse. Viele praktische Angelegenheiten (Umgangszeiten, Abhol- und Bringzeiten der Kinder, Feiertagsregelungen etc.) müssen nun von den Eltern gelöst und oft auch schriftlich festgehalten werden (mehr dazu unter dem Stichwort "Trennungsbewältigung"), damit sich nach der Trennung der alte Streit nicht auf dem Rücken der Kinder fortsetzt.
Für eine erste Orientierung bei praktischen, psychologischen, pädagogischen und rechtlichen Fragen in Trennungssituationen sind die beiden folgenden kostenlosen Ratgeberbroschüren empfehlenswert:
Eine Trennung ist, ähnlich dem Entschluss zusammenzuziehen oder Kinder großzuziehen, eine Entscheidung von existentieller Bedeutung - für einen selbst und die Partnerin als auch für Kinder, Verwandte und Freunde. Sinnvoll ist es, über die einer Trennung vorausgehenden Konflikte und Auseinandersetzungen zu reden und Schwierigkeiten in der Beziehung nicht zu verstecken. So kann man Unterstützung von den Freunden erhalten und steht mit Zweifeln, Unsicherheiten und aufwühlenden Gefühlen nicht alleine da.
Nicht jede Zeit grundsätzlichen Unverständnisses zwischen Partnern muss zu einer endgültigen Trennung führen. Schwer fällt es aber oft, die Gründe für die sich wiederholenden Streitereien oder den unbefriedigenden Alltag allein herauszufinden. Deshalb nutzen viele Eltern Beratungsangebote und Paartherapien. Vielen Vätern erscheint es ungewöhnlich, in solchen Situationen auch eine Einzeltherapie zu erwägen. Sie befürchten, eine Einzeltherapie sei das Eingeständnis einer seelischen Krankheit oder der eigenen Schuld an der Partnerschaftskrise. Doch soll eine Therapie helfen, sich darüber klar zu werden, was man in seiner Beziehung verändern will und wie man dann die Veränderung angehen kann.
Einer Trennung gehen Zeiten der Unzufriedenheit und schwieriger Auseinandersetzungen voraus, während derer oft längere Zeit nicht klar ist, ob es zu einer Fortführung der Partnerschaft kommen wird. In solchen Zeiten, das zeigt die Erfahrung, ist es wichtig darauf zu achten, dass man sich nicht durch die Konzentration aller Gedanken und Gefühle um den Partnerschaftskonflikt unbemerkt von seinen Freunden isoliert und zunehmend allein da steht.
Nicht ungewöhnlich sind in den Zeiten vor, während und nach einer Trennung Gefühle von völliger Überforderung oder Niedergeschlagenheit. Dann ist es oft hilfreich, sich zeitweilig von einigen Anforderungen des Alltags zurückzuziehen, sich tageweise frei zu nehmen oder sich einen Kurzurlaub zu gönnen. Halten die Gefühle von Niedergeschlagenheit jedoch an oder gewinnen bedrohliche Züge, dann tut es auch gut, sich psychotherapeutische Beratung und Unterstützung zu besorgen.
Oft sind bei einer Trennung auch komplizierte finanzielle, rechtliche und vermögensrechtliche Fragen zu klären, für die Sie meist einen Anwalt benötigen. Die Abwägung, welche Konflikte Sie zu welchem Zeitpunkt angehen möchten, erfordert Fingerspitzengefühl. Hierfür benötigen Sie Freunde, die insbesondere die schriftlichen Äußerungen gegenlesen. Denn meist neigt man bei angespannten Gefühlen dazu, die eigenen Äußerungen, die bei der ehemaligen Partnerin als "bloße Provokation" wahrgenommen werden können, zu übersehen. Rechnen Sie auch damit, dass noch schnell vereinbarte Abmachungen wieder nachträglich zurückgenommen werden - weil man meist erst, wenn man allein ist und in Ruhe nachdenken kann, die aufkommenden Gefühle zu den schwierigen Teilen einer Abmachung spüren kann. Hier sind Langsamkeit und Bedächtigkeit hilfreiche Tugenden, muss doch jede Abmachung weitere Belastungsproben bestehen. Erst nach einer Zeit praktischer Erfahrung mit gelingenden Abmachungen ist man wieder bereit anzuerkennen, wie wertvoll es ist, dass beide diesen Weg, der große Belastungen beinhaltet, allein und doch miteinander gehen. Erst dann auch ist die Bereitschaft da, dem ehemaligen Partner gegenüber ausdrücklich die Wertschätzung zu zeigen, dass er als Elternteil den komplizierten Weg mitgestaltet und mit trägt.