Konflikt: Trennungskinder

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Konflikt: Trennungskinder

RFA056_100Eltern befürchten häufig, dass eine Trennung ihren Kindern schaden kann. Doch ist die Beendigung der ständigen Paarkonflikte und die beginnende Neuorientierung seiner Eltern für das Kind eher beruhigend.

Das heißt aber nicht, dass das Kind froh über die Entscheidung seiner Eltern sein muss; manche Kinder drücken ihren Protest sogar sehr deutlich aus.

Wir Erwachsene unterschätzen meist, wie schnell Kinder die Spannungen in unseren Beziehungen spüren. "Kinder haben große Ohren" (so gehört von einem Kind auf einem Bildungsurlaubsseminar) und ahnen oft das, was wir vor ihnen verstecken und nicht besprechen möchten.

Solange ein Kind aber nur eine Ahnung hat, befürchtet es schnell, dass es einen Elternteil verlieren oder selber an der Trennung schuld sein könnte, die Trennung verhindern können müsste oder nicht über seine Angst reden dürfte. Deswegen hilft es Kindern und sie haben ein Recht darauf, dass Sie ihnen frühzeitig, kurz und in einfacher Sprache von den Spannungen und der anstehenden Trennung der Eltern erzählen. Beruhigend für das Kind ist, dass die Eltern den Streit nun beenden, dass sie beide sich weiterhin um ihr Kind kümmern werden und dass das Kind nicht schuld ist, sondern seine Eltern einfach nicht mehr miteinander leben wollen. Wenn Sie selbst zu aufgeregt sind, kann die Situation auch ein Freund oder Verwandter in ihrem Beisein und ihrem Auftrag dem Kind erklären.

Nun erst hat das Kind die Chance seine Gefühle, Geschichten und Gedanken zur Trennung, zu der neuen Wohnung des einen Elternteils, zu anderen Kindern die auch getrennte Eltern haben, seinen ihm nahen Erwachsenen mitzuteilen. Manchmal werden dann unkonventionelle Überlegungen der Kinder für die Erwachsenen hilfreich. Häufig schmerzt es aber auch oder löst Schuldgefühle aus, zu sehen, wie zerrissen sich das eigene Kind fühlt.

Nicht immer kümmern sich nach einer Trennung beide Elternteile um das Kind. Dann ist es hilfreich, dem Kind zu helfen, den fehlenden Elternteil in Erinnerung zu behalten, sei es durch Fotografien, Erzählungen oder frühere Geschenke. Hilfreich ist auch, wenn Freunde und Verwandte noch von ihm erzählen, auch von Zeiten, in denen die Eltern einander noch liebten. Hilfreich für das Kind ist, wenn es immer wieder von seinen Einfällen spontan erzählen kann.

Auch wenn Sie als Vater ihr Kind nicht besuchen dürfen oder nicht besuchen wollen, kann es sein, dass Ihr Kind mehr über seinen Vater erfahren will und von sich aus auf Sie zukommt. Dann kann es hilfreich sein, wenn Sie sich ab und zu aufgeschrieben haben, wann Sie an Ihr Kind gedacht haben und deutlich wird, dass Sie weiterhin an seiner Entwicklung innerlich Anteil nehmen.

Kinder können leichter als Erwachsene - selbst nach längeren Unterbrechungen - dort mit einer Beziehung weitermachen, wo sie aufgehört hat. Und solange Ihr Kind über seine Gefühle angesichts der Trennung sprechen kann, schadet ihm die Trennung nicht. Belastend wird für Kinder nur, wenn sie den Eindruck bekommen, sie sollen und dürfen den anderen Elternteil nicht lieben. Entgegen vieler öffentlicher Vorurteile lässt sich inzwischen auch statistisch belegen, dass Kinder nach einer Trennung keinesfalls weniger Chancen im Leben haben als Kinder aus einer vollständigen, "heilen" Familie:

"Am Montag und Dienstag bin ich immer bei Eva, am Mittwoch bei Peter und am Donnerstag und Freitag sowie an den Wochenenden abwechslungsweise am einen und am anderen Ort. Ich finde es toll, zwei Zimmer zu haben. Ich habe an beiden Orten viele Fotos von Fußballern, bei Peter habe ich einen Computer. ...Am tollsten fände ich, wenn meine Eltern zusammenleben. Aber ich weiß schon, dass das nicht geht." (Rauchfleisch, Udo (1997): Alternative Familienformen. Eineltern, gleichgeschlechtliche Paare, Hausmänner. Göttingen 1997, S. 31).

Kinder sind erstaunlich schnell in der Lage, die Vorteile einer Trennung zu sehen, ohne ihre Sehnsucht verleugnen zu müssen. Dass sie versuchen, ihren eigenen Lösungen zu finden, sollte ihnen niemand verübeln.

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