Beine hochlegen und abschalten? Verständlich! Aber auch wenn die Zeit für Gespräche knapper wird: sie werden umso wichtiger - nicht nur um den Alltag und die Erziehung gemeinsam zu organisieren, sondern auch, um etwas für die eigene Paar-Beziehung zu tun!
Gegenseitige Wertschätzung - auch in stressigen Zeiten
Wie sehr Belastungen die Beziehung eines Paares und nunmehr junge Eltern beeinträchtigen, hängt nicht so sehr mit den Belastungen selbst, sondern viel mehr damit zusammen, wie ein Paar miteinander umgeht und Belastungen meistert. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine gelingende, konstruktive und lösungsorientierte Kommunikation ist gegenseitige Wertschätzung. Alle Menschen brauchen Anerkennung und Lob - und sicher kennen Sie das auch aus Ihrem Berufsalltag: Sie wollen, dass nicht nur Ihre Fehler und Schwächen gesehen werden, sondern vor allem, dass Ihre Stärken und Erfolge erkannt, erwähnt und gewürdigt werden. Halten Sie es genau so in Ihrer Paarbeziehung und mit Ihren Kindern. Schauen Sie zunächst auf das, was gut läuft und bedanken Sie sich für das, was Ihre Partnerin zum Gelingen Ihres gemeinsamen "Projekts" Familie beiträgt.
Fangen Sie bei vermeintlich belanglosen Kleinigkeiten des Alltags an, die Sie bisher vielleicht nicht für erwähnenswert hielten. "Schön, dass Du es schon geschafft hast, die Spülmaschine auszuräumen!" oder: "Danke, dass du an meinen Lieblingsjoghurt gedacht hast!" sind kleine Aufmunterungen und Ermutigungen, die nach einem anstrengenden Tag gut tun können - einfach und kostenlos, denn Ihr Vorrat an Lob und Anerkennung wird nicht kleiner, ganz im Gegenteil. Sicher tut es auch Ihnen gut, hin und wieder ein Lob für Ihren Beitrag zum Familienalltag zu bekommen: "Schön, dass du die Steuererklärung gemacht hast!" oder "Vielen Dank, dass du die Kinder abgeholt hast." Verabreden Sie doch mit Ihrer Partnerin, dass Sie sich in Zukunft mehr Lob und Anerkennung geben - das macht auch stressigen Zeiten angenehmer.
Konstruktiv und fair streiten
Streit ist manchmal unvermeidlich. Er kann Situationen und Positionen klären helfen. Wenn Sie das Gefühl haben, in Gesprächen mit Ihrer Partnerin – gerade dann, wenn einmal nicht so viel Zeit ist oder die "Nerven blank liegen" - schnell, wenig konstruktiv und eher verletzend zu streiten, kann es gut sein, aus der Streitsituation "auszusteigen". Das heißt nicht, sich aus der Situation zurückzuziehen, sondern sich gemeinsam anzusehen, wie Sie streiten.
Versuchen Sie klare Regeln für Ihre (Konflikt-)Gespräche zu vereinbaren. Eine gute Hilfe sind hierbei zehn klassische Kommunikationsregeln - je fünf Sprech- und Zuhör-Regeln -, die Sie ausführlich und mit Beispielen unter anderem im "Papa-Handbuch" (Richter & Schäfer 2005) und unter www.vaterwerden-vatersein.de finden:
Fünf Sprech-Regeln
Fünf Zuhör-Regeln
Ausgewogene Redezeiten
Wenn Sie in Gesprächen mit Ihrer Partnerin den Eindruck haben, mit Ihren Statements zeitlich nicht zum Zuge zu kommen oder umgekehrt Ihre Partnerin nicht, vereinbaren Sie abwechselnde Redezeiten von z.B. zwei Minuten. Das mag erst einmal sehr starr klingen, hat aber den Vorteil, dass beide gleich viel Zeit zur Verfügung haben und der- oder diejenige von Ihnen, der oder die sich vielleicht sonst eher mit Äußerungen zurückhält, nun auch gefordert ist, Stellung zu beziehen.
Alles in allem gilt: Gehen Sie auch bei unterschiedlichen Meinungen wohlwollend miteinander um! Es ist auch für Kinder sehr gut, wenn sie erleben, dass ihre Eltern zwar nicht immer einer Meinung sind, aber immer wieder Wege finden, sich zusammen zu raufen. Damit legen Sie erste wichtige Grundsteine für die sozialen Kompetenzen Ihrer Kinder.