Wenn Sie Vater werden ändert sich einiges - es beginnt ein neuer Lebensabschnitt! Viele Väter berichten, dass sie die Geburt gerade ihres ersten Kindes als große Bereicherung. Die große, neue Verantwortung empfinden viele als neuen Lebenssinn.
Sie tragen nun die Verantwortung für einen Menschen, der ganz und gar auf Sie und Ihre Partnerin angewiesen ist. Sie dürfen ihm helfen, seinen Weg ins Leben zu finden - eine Aufgabe, die sehr erfüllend sein kann und manchmal auch ein wenig Bauchschmerzen macht. Auf jeden Fall jedoch stellt sie das bisherige Selbstverständnis vieler Männer auf den Kopf. Diese Verantwortung ist eine wunderbare Herausforderung und es lohnt sich, sich ihr zu stellen und sich als Vater aktiv am "Erziehungsgeschäft" zu beteiligen.
"Neue Väterlichkeit" und "alte Versorgerrolle"
Mehrfachbelastungen beim "Drahtseilakt" Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, sind schon lange kein reines Frauenthema mehr. Bei Männern hat in den letzten Jahren eine deutliche Interessenverlagerung von reiner Berufsfixierung hin zur Familie stattgefunden - trotz zunehmendem Druck auf dem Arbeitsmarkt. So bewerten 70 Prozent aller kinderlosen Männer und (werdenden) Väter ihre Erzieherrolle höher als ihre Brotverdienerfunktion (Fthenakis & Minsel 2002). Väter nehmen kontinuierlich mehr Aufgaben in der Familie wahr und viele fühlen sich hin- und hergerissen zwischen ihrem Wunsch, erziehender Vater zu sein und der Notwendigkeit, den Unterhalt der Familie zu sichern. Und: viele Väter erleben nach wie vor sehr hohe Hürden für ihre eigene Wahrnehmung von Elternzeit, da sie unter anderem meist mehr verdienen als ihre Partnerin.
Aber: es lohnt sich, dem eigenen Wunsch, mehr Zeit mit seinen Kindern zu verbringen nachzugehen!
Loten Sie Ihre eigenen Möglichkeiten für mehr Erziehungsengagement genau aus, ob nun in Elternzeit oder nicht - denn Väter, Kinder und Mütter können dabei viel gewinnen und oft geht viel mehr, als wir uns denken.
Aktive Väter - ein Gewinn für die ganze Familie
Kinder aktiv erziehender Väter haben eine Menge Vorteile, die wir unter Kinder von 0-3 für Sie zusammengetragen haben.
Väter mit einer eigenen intensiven Beziehung zu ihren Kindern
Mütter von Kindern mit engagierten Vätern
Und Paare mit partnerschaftlich ausgewogenen Aufgabenverteilung in der Kindererziehung - und damit auch oft im Beruf - sind meist zufriedener in ihrer Partnerschaft und entscheiden sich eher für weitere Kinder.
Entwickeln Sie Ihren eigenen Weg als Vater
Es lohnt sich also in vielerlei Hinsicht, einen eigenen Weg als Vater zu gehen und nicht zu versuchen, "die bessere Mutter" zu sein. Männer und Frauen - Väter und Mütter - sind unterschiedlich und Kinder profitieren von diesen Unterschieden. Oder wie Penelope Leach, eine britische Entwicklungspsychologin, es ausdrückt: "Wenn ich Milch und Zucker in den Kaffee möchte, ist das nicht dasselbe, wie wenn ich zwei Stücke Zucker und keine Milch bekomme."
Ob Sie "Milch" oder "Zucker" sein wollen ist egal. Wichtig für Ihr Kind, für Sie selbst und auch für Ihre Partnerin ist, dass Sie eine eigenständige Beziehung zu Ihrem Kind aufbauen.
Säuglingspflege und "-handling" - Selbstvertrauen und Sicherheit von Anfang an
Ihre Sicherheit und Ihr Selbstvertrauen im Umgang mit Ihrem Kind bekommen von Anfang an einen enormen Schub, wenn Sie auch selbst wissen, wie Sie mit Ihrem Kind umgehen können und wollen. Überlassen Sie dieses Feld nicht allein Ihrer Partnerin.
Informieren auch Sie sich - mit ihr zusammen - darüber, was ein Baby braucht, wie Sie es wickeln, baden, pflegen und zu Bett bringen können. Manches können Sie bereits im Geburtsvorbereitungskurs lernen, besser ist jedoch ein zusätzlicher Säuglingspflegekurs. Hier lernen Sie auch, wie Sie Ihr Kind richtig hochheben und ablegen können und bekommen erste Hinweise darauf, wie es seine Bedürfnisse nach Nähe, Nahrung, Schlaf etc. äußert. Ein paar Tipps zum richtigen "handling" finden Sie auch unter Praktische Tipps, im "Papa-Handbuch" (Richter & Schäfer 2005) und unter www.junge-vaeter.at .
Erziehungsstile, Werte und Ziel - kleine Unterschiede auf einem gemeinsamen Weg
Unter Vom Paar zum Trio haben wir bereits beschrieben, wie wichtig es ist, Schwangerschaft, Geburt und auch die erste Zeit mit Kind bewusst und aktiv mitzuerleben.
Machen Sie sich bereits in der Schwangerschaft, auch gemeinsam mit Ihrer Partnerin, Gedanken darüber, wie Sie Vater sein wollen. Wagen Sie einen "Blick zurück nach vorn" (Richter & Schäfer 2005, S. 45). Erinnern Sie sich an Ihre Kindheit und Ihren Vater und überlegen Sie von da aus, wie Sie selbst Vater sein möchten.
Für die Erziehung - auch im ersten Lebensjahr - ist es wichtig, dass Sie mit Ihrer Partnerin gemeinsame Grundsätze finden, nach denen Sie sich ausrichten. D.h. nicht, dass Sie alles gleich machen müssen, auch sehr kleine Kinder können sich bereits gut auf unterschiedliche Personen einstellen. Die Unterschiede fördern sie sogar in ihrer Entwicklung.
Oft kann es sehr hilfreich sein, wenn Ihr Kind z.B. nicht einschlafen will, sich als Eltern abzuwechseln. Der entspanntere Elternteil und ein etwas anderes Einschlafritual können manchmal wahre Wunder bewirken.
Selbständigkeit braucht Zeit
Ideal ist, wenn auch Sie viel Zeit für Ihr Kind haben, z.B. indem Sie und Ihre Partnerin sich die Familien- und Erwerbsarbeit aufteilen.
Auch wenn es mittlerweile für Väter leichter ist, in Elternzeit zu gehen, gibt es aber leider oft genug noch Gründe, die dagegen sprechen.
Wenn geteilte Elternzeit für Sie und Ihre Partnerin nicht in Frage kommen sollte, versuchen Sie trotzdem, sich exklusive "Zeitinseln" mit Ihrem Kind zu schaffen. Verabreden Sie mit Ihrer Partnerin, für welche kindbezogenen Aufgaben Sie zuständig sind, wenn Sie zuhause sind. Übernehmen Sie das Wickeln, Baden, Spazierengehen. Integrieren Sie bestimmte Aufgaben fest in Ihren Tagesablauf, damit Ihr Kind sie mit Ihnen verbindet und Sie nicht jedes Mal neu überlegen müssen, wer nun mit Wickeln oder ähnlichem dran ist. Solche Absprachen erleichtern Ihnen den Alltag, sichern Ihnen Zeit mit Ihrem Kind - auch neben einem anstrengenden zeitlich oft intensivem Berufsleben - und sie schaffen klare Strukturen, die Ihnen helfen, sich in der immer wieder neuen Situation als Vater zurecht zu finden.