Trennung & Scheidung: Was passiert, wenn Familien zerbrechen?

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Trennung & Scheidung: Was passiert, wenn Familien zerbrechen?

Trennung_Streit_Fotolia_Andrea_Berger_100Wenn Paarbeziehungen scheitern, ist das Konfliktpotenzial groß - besonders wenn es gemeinsame Kinder gibt. Vaeter.nrw.de beschreibt wichtige Aspekte bei Trennung und Scheidung.

45.978 nordrhein-westfälische Ehepaare ließen sich 2009 scheiden. 35.773 minderjährige Kinder waren davon betroffen. Wie viele nicht verheiratete Paare mit bzw. ohne Kinder sich trennten, ist dagegen statistisch nicht erfasst, da die Auflösung der Lebensgemeinschaft keinen Niederschlag bei Standes- oder Finanzämtern findet.

Warum sich Paare trennen

Das Kinderpanel des Deutschen Jugendinstituts, eine Längsschnittstudie zwischen 2002 und 2005 zeigte, dass Kinder aus armutsgefährdeten Familien ein signifikant erhöhtes Risiko hatten, eine Trennung oder Scheidung der Eltern zu erleben. Finanzielle Schwierigkeiten, heißt es dort, seien häufig Mitverursacher der Konflikte zwischen den Eltern. In einer Umfrage einer Online-Partnervermittlung gaben die meisten Befragten (37 Prozent) "wir haben uns auseinander gelebt" als Hauptgrund für die Trennung an. "Wir waren zu unterschiedlich," sagten 30 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Jeweils 26 Prozent bezeichneten "das Geben und Nehmen war nicht ausgeglichen" und "wir hatten unterschiedliche Bedürfnisse nach Nähe und Freiraum" als vorrangige Trennungsgründe.

Aus Vätern werde Zahlväter

Neben die emotionalen Herausforderungen, die oft mit dem Zerbrechen einer Paarbeziehung einhergehen, treten häufig auch neue wirtschaftliche Problemstellungen. Trennungen bzw. Scheidungen gehören zu den großen wirtschaftlichen Risikofaktoren im Leben eines Menschen. Hausfrauen und Hausmänner, die Kinder betreuen, sind besonders stark betroffen. Dies zeigt eine 2003 erschienene Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums mit dem Titel "Wenn aus Liebe rote Zahlen werden – über die wirtschaftlichen Folgen von Trennung und Scheidung". Ein von Vätern häufig beschriebenes Phänomen bestätigt die Studie jedoch auch: Viele Frauen profitieren von der Trennung. "Ein Viertel der Frauen erzielt Einkommensgewinne, und diejenigen mit einem neuen Partner erleben häufig Verbesserungen in den Bereichen Wohnung, Einkommen, Zufriedenheit", heißt es dort. Väter fühlen sich nicht selten zu reinen Zahlvätern degradiert. In einer Väter-Befragung taucht diese Klage wiederholt auf: "Der Mann braucht nur zahlen und darf nichts entscheiden!" Je mehr sich Väter als reine Zahler empfinden, desto schlechter ist die Zahlungsmoral beim Trennungsunterhalt: zwei Drittel der anspruchsberechtigten Frauen erhalten das ihnen rechtlich zustehenden Geld nicht, ergab die Studie. Sind die Männer die Bezugsberechtigten sieht es sogar noch viel düsterer aus: 90 Prozent der Ex-Frauen zahlen nicht. In Bezug auf Unterhaltszahlungen für Kinder ermittelten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen ebenso interessanten wie nachvollziehbaren Zusammenhang: Je besser der Kontakt zum Kind oder den Kindern, desto zuverlässiger leistet der betreffende Elternteil - in der Praxis zumeist der Vater - Unterhaltszahlungen.

Herausforderung: Paar- und Elternebene trennen

Es ist eine große Herausforderung für Mütter und Väter die Elternrolle weiterhin gemeinsam zu leben, ohne dabei ein Paar zu sein. Oft geht der Trennung jahrelanger Streit voraus, das Vertrauen in die Ex-Partnerin oder den Ex-Partner ist zerstört und ein sachlicher Umgang miteinander gelingt nur schwer. Viele Eltern schaffen es trotzdem - häufig unterstützt durch entsprechende Beratung - zu Arrangements zu finden, die dem Kind oder den Kindern einen zufriedenstellenden Kontakt zu beide Elternteilen erhalten. Es gibt jedoch auch die Fälle, die Expertinnen und Experten als Hochkonflikt-Trennungen bezeichnen. In etwa fünf Prozent der Trennungen erreichen Eltern keine Einigungen, streiten jahrelang durch alle Instanzen und finden auch durch Beratungen nicht zu gemeinsamen Lösungen. Strittig sind zumeist das Sorge- und das Umgangsrechts. 2010 veröffentlichte das Deutsche Jugendinstitut eine Broschüre mit dem Titel "Arbeit mit hochkonflikthaften Trennungs- und Scheidungsfamilien: Eine Handreichung für die Praxis", in der die Autorinnen und Autoren das Phänomen genauer beschreiben und Faktoren benennen, die Beratung in diesen Fällen erfolgreicher machen kann.

Anlaufstelle Jugendamt

Jugendämter sind eine der ersten Anlaufstellen für Väter, die Beratung in einer Trennungs- bzw. Scheidungssituation suchen. Einer Internetbefragung unter 3.600 Männern zufolge suchen 47,2 Prozent ein Jugendamt auf, 56,4 Prozent einen Rechtsanwalt bzw. eine Rechtsanwältin, 36,3 Prozent eine Familienberatungsstelle und 10,6 Prozent einen Mediator oder eine Mediatorin. Mehrfachnennungen waren möglich. Die Befragung, die Gerhard Amendt, Professor für Soziologie am Institut für Geschlechter- und Generationenforschung der Universität Bremen, 2006 durchführte, zeigte auch, dass die Väter mit der Beratung beim Jugendamt unzufrieden waren, weil sie die Beraterinnen und Berater als parteilich zu Gunsten der Mütter erlebten. Damit werden die Jugendämter ihrem Auftrag nach § 28 Sozialgesetzbuch VIII als Beratungsinstanz für beide Elternteile nicht ausreichend gerecht. Väter machen inzwischen vermehrt dagegen mobil. Zum Beispiel Norbert Höhne aus Iserlohn. Er verfasste ein 10-Punkte-Papier, dass er dem örtlichen Bürgermeister in einem persönlichen Gespräch präsentierte. In seinem Fall hätten Jugendamt und Gericht tatenlos einer Entfremdung seiner Kinder von ihm als Vater zugesehen, ohne diesen für die Kinder schädlichen Prozess zu stoppen. Jetzt will der engagierte Vater erreichen, dass sich die Praxis in deutschen Jugendämtern und Gerichten ändert. Dieser Veränderungsprozess sei bereits im Gange, schreibt Jürgen Haas, Referent für Männerarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen, in einem Beitrag für die Zeitschrift "Lila Blätter". "Das einseitige Opferbild löst sich - wie einige hoffnungsvolle Berichte von Männern erahnen lassen - langsam auf, und Besuchsrechte der Väter werden offensiver gegenüber den Müttern vertreten."

Was tun?

Wenn Väter sich durch Jugendämter nicht angemessen und gleichwertig beraten fühlen, sollten sie sich unter Berufung auf den gesetzlichen Auftrag der Ämter dagegen zur Wehr setzen. Außerdem könnte es hilfreich sein, andere Beratungsstellen aufzusuchen, wenn für eine Beratung beim Jugendamt die Vertrauensbasis verloren gegangen ist. Eine kurze Liste mit Anlaufstellen in Nordrhein-Westfalen, die sich auf die Beratung von Männern und Vätern in Trennungs- und Scheidungssituationen spezialisiert haben, gibt es hier zum Download. Darüber hinaus helfen Familien- und psychosoziale Beratungsstellen.

Ihre Themenideen

Künftig werden wir in loser Folge einzelne Facetten des sehr umfangreichen Themas "Trennung & Scheidung" gründlicher beleuchten, wie zum Beispiel das Phänomen der entfremdeten Kinder. Gerne greifen wir auch Aspekte auf, die Sie besonders interessieren. Wir freuen uns auf Ihre E-Mail mit Feedback und Themenideen an redaktion@vaeter.nrw.de. (Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir vor allem die Themen aufgreifen, die am häufigsten genannt werden.)

Foto: fotolia.de / Andrea Berger

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