Broschüre: Familienreport 2010

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Broschüre: Familienreport 2010

familienreport-2010_cover_100"Weniger arbeiten, mehr Zeit für die Familie", das wünschen sich viele Väter und werden aktiv, um es zu verwirklichen. Der Familienreport 2010 des Bundes­ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zeigt aber auch, dass Wünsche der Väter nach Arbeitszeitreduzierung - vermutlich aufgrund der Wirtschafts­krise - zurückgehen.

Jährlich gibt das Ministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend einen Familienreport heraus. Er stellt anhand unterschiedlicher Statistiken und Studien Leistungen, Wirkungen und Trends rund um Familie und Familienpolitik dar und beschreibt Veränderungen in der finanziellen Situation von Familien. Vaeter-nrw.de stellt interessante väterspezifische Fakten aus dem Familienreport zusammen.

Wachsende Zahl unverheirateter Väter

Deutsche Väter haben im Durchschnitt zwei Kinder. Eine Ehe begünstigt die Vaterschaft. 84 Prozent der verheirateten Männer sind Väter. Aber auch immerhin die Hälfte der Männer, die in einer nicht-ehelichen Lebensgemeinschaft leben, haben Kinder. Die Zahl der nicht ehelich geborenen Kindern steigt stetig: von 15 Prozent 1999 auf über 30 Prozent 2008.

Beide Partner tragen zum Familieneinkommen bei

Das klassische Modell mit dem Väter als Alleinverdiener ist in deutschen Familien auf dem Rückzug. Dabei gibt es auffällige Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Die Zahl der Väter, die über 60 Prozent des Familieneinkommens erwirtschaften sank im Osten von 1991 bis 2006 von 44,8 auf 40,7 Prozent, im Westen von 69,2 auf 61,1 Prozent. In 44,5 Prozent (Ost) und 27,9 Prozent (West) der Familien tragen beide Partner etwa gleich viel zum Haushaltseinkommen bei. Nach ihren Einstellungen zur Arbeitsteilung in der Familie befragt, bejaht immerhin ein Drittel der Männer die Aussage "Am besten ist es, wenn Frau und Mann beide halbtags erwerbstätig sind und sich beide gleich um Haushalt und Kinder kümmern". Dass auf jeden Fall beide Partner zum Haushalteinkommen beitragen sollten, meinen 58 Prozent der befragten Männer.

Hohe berufliche Mobilität hält Männer nicht von Familiengründung ab

Eine daraus eventuell abzuleitende zunehmende Gleichberechtigung in den Partnerschaften spiegelt sich jedoch nicht in allen Bereichen: Anforderungen an räumliche Mobilität im Beruf - etwa durch lange Wegzeiten zum Arbeitsplatz oder Dienstreisen - haben bei Frauen zum Beispiel einen großen Einfluss darauf, ob sie Mütter werden oder nicht. Bei Männern gibt es keinen solchen Zusammenhang. "Für Männer mit Partnerin ist Elternschaft und Mobilität besser vereinbar", heißt es im Familienreport.

Vielen fehlt Zeit für die Familie

Jeder vierte Vater beklagt jedoch, dass er nicht genügend Zeit für die Familie hat. Hohe Mobilität ist ein Grund dafür: 14 Prozent der Väter führen den Zeitmangel in der Familie darauf zurück, dass sie beruflich viel unterwegs sind und acht Prozent, weil die Wege zur Arbeit lang sind. 36 Prozent geben berufliche Belastungen an. 16 Prozent nennen ungünstige Arbeitszeiten als Hauptgrund.

Väter spielen mit den Kindern

Trotzdem: Eltern nehmen sich heute mehr Zeit für ihre Kinder, als das früher der Fall war. 3,9 Stunden verbringt ein deutscher Vater pro Woche durchschnittlich mit seinem Kind oder seinen Kindern. Damit liegt er im europäischen Mittelfeld. Spielen, spazieren gehen, Aufgaben machen bzw. lernen und Sport treiben: das machen Väter besonders oft mit ihrem Nachwuchs. Pflegerische Aufgaben stehen dagegen auf der Aktivitätenliste weit unten.

Erzieher und Ernährer?

Die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist heute der Auffassung, dass Kindererziehung eine Aufgabe beider Elternteile ist und dass Väter dafür ihre Berufstätigkeit unterbrechen sollten. Allerdings fällt die Zustimmung dazu unter Frauen deutlich höher aus als unter Männern. Während 57 Prozent der Frauen Männer gerne eher als aktive Erzieher denn als Ernährer sähen, befürworten das nur 42 Prozent der Männer. Bei den Vätern mit Kindern unter 18 Jahren sinkt der Zuspruch für die aktive Erzieherrolle sogar auf 33 Prozent. Sie sehen sich zu 51 Prozent als Ernährer. "Offensichtlich ist die Vorstellung des Familienernährers kulturell noch immer verankert und wird aktiviert, sobald Männer tatsächlich Vater werden," lautet der Kommentar im Familienreport. Vielleicht ist auch das "entweder-oder" dieser Frage schwierig, denn für deutsche Väter steht - so hat es den Anschein - zunehmend ein "und" zwischen der Erzieher- sowie der Ernährerrolle. Ein Indiz dafür ist die kontinuierlich steigende Zahl der Väter, die Elternzeit in Anspruch nehmen. Vor Einführung des Elterngeldes im vierten Quartal 2006 gingen 3,5 Prozent der Väter in Elternzeit. 2009 waren es 18,5 Prozent.

Elternzeit-Väter verändern Unternehmenskulturen

Diese steigende Zahl der "Elterngeld-Väter" habe die Personalpolitik der Unternehmen nachhaltig verändert, heißt es in der Broschüre: "Vorgesetzte und Kolleginnen bzw. Kollegen realisieren, dass auch Männer mit Betreuungspflichten betraut sind und Zeit für ihre Familie brauchen. Diese Dynamik trägt dazu bei, die noch immer stark verankerte Mentalität der 'Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit' und Anwesenheitskultur in der Arbeitswelt langsam, aber nachhaltig aufzubrechen."

2009: Väter möchten mehr arbeiten - Auswirkung der Wirtschaftskrise?

Erstaunlicherweise wünschen sich Väter mit Kindern unter 18 Jahren aber 2009 längere Arbeitszeiten als noch 2008. 58 Prozent von ihnen votieren 2009 für Arbeitszeiten zwischen 36 und 40 Stunden pro Woche. 2008 waren das nur 43 Prozent. 30 bis 35 Stunden als Wunscharbeitszeit gaben 2009 nur noch 17 Prozent an, 2008 waren es 26. Bei den Müttern stieg umgekehrt der Wunsch nach "klassischen" Teilzeitstellen unter 20 Stunden. "Es scheint, als würde in Zeiten der Krise auf das Bekannte und Bewährte gesetzt", heißt es dazu im Familienreport. Denn eine Untersuchung von 2008 zeigte noch, dass alle Vollzeit arbeitenden Väter, sowohl mit nicht erwerbstätiger, mit Teilzeit arbeitender und mit Vollzeit arbeitender Partnerin, ihre Arbeitszeit gerne reduzieren wollten.

 

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