Vorbilder geben Kindern Orientierung. Das Vorbild der Eltern ist am prägendsten. Väter sollten daher ihre eigene Lebensführung betrachten und im Kontakt mit ihren Kindern die notwendige Selbstreflektion walten lassen. Der Sozialpädagoge Konrad Mette rät Vätern viel Zeit mit ihnen Kindern zu verbringen und sie an ihren eigenen Interessen teilhaben zu lassen.
"Erziehung ist Vorbild und Liebe - und sonst nichts", sagte der Schweizer Pädagoge Johann-Heinrich Pestalozzi (1746 - 1827). Der bekannte Familien- und Kommunikationsberater Jan-Uwe Rogge übersetzt das so: "Lebe vor - aber labere nicht vor". Kinder erleben Vater und Mutter als die wichtigsten Vermittler von Werten, das bestätigen Studien wie der Kinder-Werte-Monitor von GEOlino, UNICEF und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Psychologen bezeichnen Eltern und nahe Verwandte eher als Rollenmodelle, die von Kindern unbewusst nachgeahmt werden. Kinder wählen sich darüber hinaus oft Stars als Vorbilder, deren Verhalten sie imitieren. "Kinder brauchen sowohl das weibliche als auch das männliche Vorbild", sagt der Sozialpädagoge und Motopäde Konrad Mette, der seit 35 Jahren die Stiftung Kindergärten Finkenau in Hamburg leitet. In der Praxis bedeute das, dass Väter sich für ihre Kinder Zeit nehmen und die Kinder an eigenen Interessen teilhaben lassen sollten. "Wenn Väter mit ihren Kindern zum Beispiel ins Fußballstadion gehen, können die Kinder ganz unterschiedliche Erfahrungen machen", erläutert der Erziehungsfachmann. "Väter können ihnen zum Beispiel vorleben, wie man mit Anstand verliert und die Qualität des gegnerischen Spiels anerkennt." Bei ihren Vätern erleben Kinder andere Situationen und andere Verhaltens- und Vorgehensweisen als bei ihren Müttern. Das ist eine Bereicherung und eine Notwendigkeit, die ihnen mehr Möglichkeiten erschließt, ihre eigene Rolle zu finden.
Vorbildlich sein
Wer ein positives Vorbild sein will, muss seinen Kindern ausreichend Gelegenheit geben, dieses Vorbild "im realen Leben" zu studieren. "Abends kurz mal gute Nacht sagen, reicht nicht", meint der Experte. Möglichst auch unter der Woche regelmäßige Zeiten mit den Kindern einzuplanen, sei wichtig. Diese Vorbildfunktion zu erfüllen gelinge auch getrennt von ihren Kindern lebenden Vätern übrigens oft gut. Voraussetzung seien gute Absprachen mit der Mutter des Kindes. "Ich kenne viele Beispiele, wo das hervorragend funktioniert", berichtet Konrad Mette. Schaffen es Väter, diese Situation vorbildlich zu meistern, lernen die Kinder viel über die Gestaltung von Beziehungen.
Zum Vorbild-sein gehört nämlich noch mehr als nur Zeit für die Kinder zu haben. "Väter müssen Verantwortung für sich selbst übernehmen, sich ehrlich fragen, wie es ihnen geht und ob sie tatsächlich ein Beispiel für gelungene Lebensführung abgeben", meint der Fachmann. Väter sollten wissen, dass Kinder Verhaltensweisen nachahmen, egal ob sie für sie positiv oder negativ sind.
Der Austausch mit anderen Vätern kann oft helfen, die eigene Situation zu klären oder auch einfach Tipps zu sammeln und gute Ideen für die Freizeitgestaltung zu übernehmen. Allerdings machte der Kita-Stiftungs-Leiter die Erfahrung, dass Vätergesprächskreise, die er bereits anbot, nicht den Nerv der Väter treffen. "Vater-Kind-Freizeiten dagegen sind genau das, was Väter wollen", berichtet er. Dort fände ein Austausch dann ganz zwanglos statt. Viele Väter seien sehr interessiert an der Entwicklung ihrer Kinder. Das zeigten die vielen Väter, die zu den Krippenelternabenden kämen. "Oft sind fast die Hälfte der Anwesenden Männer", berichtet Konrad Mette. "Da hat sich in den letzten Jahren viel getan." Die Kinder nehmen das wahr und die Väter werden damit auch an dieser Stelle zu Vorbildern. Die zunehmende Anzahl männlicher Erzieher erleichtere es den Vätern, sich in den Bildungseinrichtungen einzubringen. "Auch die Väter haben hier die Möglichkeit am Vorbild zu lernen. Sie erleben, wie Männer Kinder feinfühlig und professionell betreuen und erziehen."
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