Großväter: Zunehmend aktiv

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Großväter: Zunehmend aktiv

Ist der "aktive Großvater" ein Modell der Zukunft? Das Bild und Selbstverständnis der heutigen und kommenden - nach 1945 geborenen - Großväter beginnt sich jedenfalls zu wandeln.

Das Bild und Selbstverständnis der Großväter verändert sich: Söhne, die nach 1945 geboren wurden und ohne direkte, selbst erlebte Kriegserfahrungen aufwuchsen, kommen allmählich ins Rentenalter. Gewachsener Lebensstandard, relative Altersabsicherung und medizinischer Fortschritt verursachen ein Übriges: die einsetzende Großvätergeneration erreicht ein durchschnittlich höheres Alter und ist - die Auseinandersetzung mit ihrer Elterngeneration einmal ausgenommen - um gravierende existenzielle und schmerzhafte (kollektive) Lebenserfahrungen herumgekommen. Und: Die neuen Großväter sind mit Elvis Presley, den Beatles und Rolling Stones, den "Roaring Sixties" und, zum Teil schon, auch den 68er-Ereignissen und der so genannten "sexuellen Revolution" aufgewachsen.

Die kommende Großvätergeneration hat in ihren "besten Jahren" den Beginn der Frauenbewegung und den einsetzenden Rückgang der Vollbeschäftigung (mit) erlebt. Zugleich liegt das "gefühlte Alter" der heute 60-70jährigen deutlich niedriger als in früheren Zeiten, viele Senioren (die so nicht einmal mehr genannt werden wollen) empfinden sich vergleichsweise weniger verbraucht und ausgebrannt, "Anti-Aging"-Ideologien sind konsumtiver Ausdruck einer Vitalität, die noch lange nicht aufgegeben wird, und der eine oder andere Rentner ("It´s cool, man") wirbt bereits medienwirksam für das eine oder andere Alltagsprodukt. Die augenblicklich diskutierte Erhöhung der Lebensarbeitszeit auf 67 Jahre gilt dabei als überfällige sozialpolitische Antwort auf diese Entwicklung, und der vieldiskutierte "demographische Faktor" (ein Erwerbstätiger hat zukünftig allein einen Rentner zu versorgen) ist nur einer von vielen Aspekten.

Was bedeutet dies für die großväterliche Verortung im Generationengefüge gegenüber Kindern und Enkeln? Immer mehr (werdende) Großväter wollen sich nicht allein ihrem schlecht oder recht verdienten Ruhestand zuwenden, sondern noch aktiv am Leben teilhaben - mit oder ohne Enkel. Wo aber früher Oma die Kinderbetreuung übernahm, damit Eltern kurzzeitig entlastet wurden, sind auch zunehmend mehr Opas präsent. Und angesichts erwerbsbezogener Mehrbelastungen für junge Familien in unsicheren Arbeitsmärkten werden auch sie häufiger einen Enkel in den Arm gedrückt bekommen, um sich als nützliche Familienmitglieder zu erweisen. Da kann es nicht schaden, sich beizeiten an Betreuungsaufgaben zu gewöhnen und daran, diese auch kompetent zu bewerkstelligen. Die Szenarien, die Volker Amrhein vom Berliner Projektebüro Dialog der Generationen in seinem Artikel "Die Rolle der Großeltern im Familienverband – und ihre Alternativen" oder Reidunn Stuedahl in ihrem Beitrag "Ein Glück, dass es Oma und Opa gibt. Andere Altersstufen, andere Kommunikationsformen" entwerfen, machen deutlich, in welchen gesellschaftlichen Verhältnissen sich die kommenden Großväter - durch aus mit interessanten Perspektiven - einrichten werden (müssen).

Angesichts dieser Situation wird mittlerweile die Idee eines gesetzlich verankerten "Großeltern-Zeit-Modells" (ähnlich dem Elternzeitmodell) unter dem Motto "Großelternzeit: Enkelzeit statt Altersteilzeit!" diskutiert. Der dabei zu Grunde liegende Gedanke: Berufstätige Großeltern reduzieren ihre Arbeitszeit, um Enkel mit zu erziehen, entweder durch betriebliche Sonderurlaubs- und Teilzeitvereinbarungen oder durch ein generelles "Großelternzeitgesetz". Erhoffte Effekte unter anderem: eine Belebung des Dialogs zwischen den Generationen, Entlastung junger Eltern, Sinngebung für Großeltern, gleitender Übergang ins Rentenleben, Entlastung des Tageseltern-Marktes.

Dass die Bedeutung von Großvätern bzw. Männern der fortgeschrittenen Jahrgänge auch für intergenerative Beziehungen wachsen wird, steht außer Frage. Es gibt bereits die ersten Rollenreflexions-Seminare und -Workshops, die sich speziell an diese Zielgruppe wenden.

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