Der in München lebende Autor Axel Hacke, Vater von vier Kindern, setzt seine Alltagserfahrungen in humorvolle Geschichten um. Die Texte zeigen: Es geht auch mit mehr Leichtigkeit. Vaeter.nrw.de sprach mit ihm.
vaeter.nrw.de: Sie sind bekannt für Ihre Geschichten, die das Alltagsleben – besonders das mit Kindern – mit feinem Humor beschreiben und so die Komik in vielen Situationen sichtbar machen. Damit haben sie viele Themen in ganz neuem Licht erscheinen lassen. Muss man schon so geboren sein, um diesen humoristischen Blick zu entwickeln?
Axel Hacke: Sie meinen, es gibt ein Humor-Gen? Glaube ich nicht. Das ist mehr eine Prägung, etwas, das ich mir bei anderen abgeguckt habe. Humor setzt eine gewisse Sichtweise voraus, eine Distanz zu den Dingen. Das kann man lernen – sollte man auch.
vaeter.nrw.de: Der Humor spielt eine wichtige Rolle in Ihrem Leben. Wie entwickelte sich das?
Axel Hacke: Interessant: Ich glaube, ich habe zunächst humorvoll geschrieben und weniger humorvoll gelebt. Irgendwann habe ich mich gefragt: Wenn du das in deinen eigenen Geschichten so siehst, warum nicht auch im eigenen Alltag? Warum ist der ernster, als es nötig wäre? Ich glaube, beim Schreiben kommt schneller mein kindliches Gemüt durch. Es stellt sich ein Gefühl von Freiheit und Spielerei ein - und von Leichtigkeit. Ich sitze nicht am Reißbrett und entwerfe Geschichten. Ich schreibe intuitiv und ohne was zu konstruieren. Das kommt aus dem Gefühl heraus und geht dann sehr schnell. Ich muss aber die Voraussetzung dafür schaffen, dass ich mich so fühlen kann, wie ich mich fühlen muss, um diese Geschichten zu schreiben. Voraussetzung ist eine gewisse Entspanntheit, eine Distanz zu dem, was passiert ist, und eine Distanz zu sich selber. Humor beinhaltet immer, dass man sich auch selbst auf die Schippe nehmen kann, er bedeutet für mich weniger Lachen als: Leichtigkeit. Wenn diese Leichtigkeit da ist, dann weiß ich, dass der Text stimmt. Diese Erfahrung teilt sich auch den Lesern mit. Sie spüren, dass scheinbar Schweres viel leichter wird. Ich habe lange als Journalist gearbeitet, da war vieles immer ernst und wichtig. Die Möglichkeit des Spielens und des Freiseins bei der Arbeit hat mir während der Zeit gefehlt.
vaeter.nrw.de: Haben Sie immer sofort die nötige Distanz zu den Geschehnissen des Alltags?
Axel Hacke: Oft ja, manchmal nicht. „Wurst“ in meinem Buch „Das Beste aus meinem Leben“ ist zum Beispiel so eine Geschichte. Es ging um einen Vater in einer Kita-Elterninitiative. Er war Vorsitzender und unglaublich anstrengend in vieler Hinsicht, einer von denen, die ihre Sichtweise partout allen anderen aufzwingen wollen, unglaublich intolerant. Vor allem beim Thema Ernährung drangsalierte er alle, die es wagten, den Kindern Wurst und Fleisch aufzutischen oder etwas zu kaufen, was nicht aus biologischem Anbau stammte. Das eskalierte dann aus verschiedenen Gründen, wir hatten fürchterlichen Streit und mussten die Elterninitiative verlassen – im realen Leben. Da brauchte ich ein halbes Jahr, bis meine Wut verflogen war und ich das zu einer Geschichte verarbeiten konnte. Dabei habe ich auch etwas begriffen und kann die Distanz jetzt zumeist früher herstellen. Hinzu kommt, dass ich mit zunehmendem Alter – ich bin jetzt 55 – die Dinge nicht mehr so ernst nehme. Ich habe miterlebt, dass Freunde von mir starben oder sehr krank wurden. Das relativiert einiges. Ich rege mich nicht mehr so schnell auf im Alltag.
vaeter.nrw.de: Profitieren Ihre Kinder von Ihrem Humor?
Axel Hacke: Wenn Sie meinen, ob sie sich dafür interessieren, was ich schreibe, dann eher nicht. Ich habe vielmehr das Gefühl, dass ich von ihrem Humor profitiere. Das ist überhaupt ein oft unterschätzter Aspekt: Eltern können sich in Punkto Fantasie und Humor einiges bei ihren Kindern abschauen. Meinen Kindern kommt zu Gute, dass ich im Alltag mehr Gelassenheit entwickelt habe. Ich werde nicht mehr wütend, wenn unser 15-jähriger Sohn Pommes isst, vor dem Computer hockt und nur zur allergrößten Not an die frische Luft geht. Das ist eine Phase. War ich so viel anders in dem Alter? Müttern, das ist mein Eindruck, fällt diese Gelassenheit oft schwerer. Da können Väter ein gutes Korrektiv sein. Ich habe dabei einen Pluspunkt: zwei erwachsene Kinder – da bin ich in die Lehre gegangen. Wenn die Kinder erst in der Pubertät sind, ist es mit der Erziehung eh vorbei. Dann heißt es, cool bleiben und den Kindern das Gefühl vermitteln: Es ist okay, wie du bist.
vaeter.nrw.de: Gibt es noch etwas, was Sie Vätern raten würden?
Axel Hacke: Ich rate gar nichts. Ich habe zwar einen „Kleinen Erziehungsberater“ geschrieben, aber das ist ein ironischer Titel. Eigentlich habe ich Geschichten geschrieben aus einer Familie, die außergewöhnlich unfähig ist zu erziehen - dachte ich zumindest. Die Rückmeldungen, die ich daraufhin bekam, zeigten mir: anderen geht es ganz genauso. Das hat die Leserinnen und Leser getröstet. Mich auch.
vaeter.nrw.de: Herzlichen Dank für das Gespräch.
(vaeter.nrw.de, 20.09.2011)
Foto Axel Hacke: Thomas Dashuber
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Homepage von Axel Hacke mit vielen humoristischen Kostproben