Interview: Volker Reimann spricht über sein Leben als Vater und Hausmann

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Interview: Volker Reimann spricht über sein Leben als Vater und Hausmann

Volker_Reimann_100Als "völlig stimmig" beschreibt Volker Reimann aus Köln sein Leben als Hausmann und Vater. Der Logopäde beantragte zweieinhalb Jahre Elternzeit und spricht mit vaeter-nrw.de über seine Erfahrungen mit seinem neuen Tätigkeitsfeld.

vaeter-nrw.de: Herr Reimann, Sie sind seit Februar in Elternzeit und damit gleichzeitig auch Hausmann. Wie fühlen Sie sich mit der jetzt vorhandenen Praxiserfahrung mit dieser Entscheidung?

Volker Reimann: Gut, richtig gut. Unser Modell ist absolut stimmig für mich und ich fühle mich wohl in der Rolle als Hausmann und Vater. Meine Frau und ich haben entschieden, dass wir in den ersten drei Jahren viel Zeit mit unserer Tochter verbringen wollen und sie Zuhause betreuen möchten. Nach dem Mutterschutz war meine Frau sechs Monate in Elternzeit. Seit Februar 2010 bin ich es. Ich habe mich bei meinem Arbeitgeber auch gleich auf zweieinhalb Jahre Elternzeit festgelegt, damit meine Stelle für diese Zeit qualifiziert und gut besetzt werden konnte. Das war mir wichtig.

vaeter-nrw.de: Welche Berufe üben Sie und Ihre Frau denn aus?

Volker Reimann: Ich bin Logopäde und als Sprachtherapeut in einem integrativen Kindergarten beschäftigt. Jetzt in der Elternzeit habe ich einen Minijob mit sechs Stunden in der Woche in einer Praxis für Logopädie. Meine Frau ist Lehrerin.

vaeter-nrw.de: Wie hat sich denn ihr Leben durch die Elternzeit verändert?

Volker Reimann: Jetzt in der Elternzeit bin ich nicht mehr in berufliche Abläufe und Termine eingebunden und kann den Tag nach unseren Bedürfnissen gestalten. Und das sind in erster Linie die Bedürfnisse meiner Tochter und dann erst meine. Daran musste ich mich erst gewöhnen. Wenn ich zum Beispiel mal eine halbe Stunde an den PC gehen möchte, geht das nur, wenn sich meine Tochter in der Zeit zum Beispiel selbst beschäftigt. Das kann sie aber schon sehr gut. Dass ich mich in meiner "neuen Tätigkeit" jetzt überwiegend unter Frauen bewege, ist für mich keine große Veränderung, da ich in meinem Beruf auch hauptsächlich mit Frauen zu tun habe. Eine Änderung gibt es vielleicht doch. Ich habe seit der Geburt unserer Tochter einen Roman geschrieben, jeden Morgen vor der Arbeit eine Stunde lang, da dies familienfreundlicher war, als wie zuvor Kleinkunst zu machen. Der Roman wurde genau fertig, als meine Elternzeit begann. Inzwischen arbeite ich am zweiten Band. 

vaeter-nrw.de: Wie reagiert denn Ihr Umfeld darauf, dass Sie als Vater Elternzeit nehmen?

Volker Reimann: Die meisten finden es toll, dass ich Lust und den Mut hatte, so lange Elternzeit zu beantragen. Manchmal kommen aber auch Bemerkungen, was wir für einen Luxus hätten. Das ärgert mich immer, denn wir nehmen finanzielle Einschränkungen in Kauf, um für unsere Tochter in den ersten Lebensjahren intensiv da sein zu können.

vaeter-nrw.de: Haben sich durch die Elternzeit neue soziale Kontakt entwickelt?

Volker Reimann: Teilweise schon. Ich führe jetzt weiter, was meine Frau in ihrer Elternzeit mit unserer Tochter begonnen hat. Zum Beispiel gehe ich regelmäßig zu einem Babykurs und treffe mich mit einer Kollegin meiner Frau, die zur etwa gleichen Zeit ein Kind bekommen hat. Dort hat unsere Tochter Kontakt zu Gleichaltrigen. Bis vor kurzem traf ich mich auch einmal in der Woche mit einem anderen Vater in Elternzeit. Wir haben beim gemeinsamen Frühstück Erfahrungen ausgetauscht und sind dann mit den Kindern auf einen der umliegenden Spielplätze gegangen. Doch dieser Vater ist inzwischen wieder an seinem Arbeitsplatz. Mir ist es nicht so wichtig, ob ich mich mit einem Mann oder einer Frau austausche. Es kommt immer auf den einzelnen Menschen an und ob der mir liegt. Außerdem ist meine Zeit ja begrenzt, denn auch Einkäufe und Hausarbeiten nehmen eine gewisse Zeit in Anspruch.

vaeter-nrw.de: Finden Sie auch noch Zeit, um sich mit Familie und Freunden zu treffen?

Volker Reimann: Ja, das klappt gut. Wir haben beide Großelternpaare quasi direkt um die Ecke wohnen. Da gehe ich dann schon manchmal auf einen Kaffee vorbei oder sie kommen zu uns. Ich nutze dann die Zeit, in der sie sich mit ihrer Enkeltochter beschäftigen, oft für Arbeiten im Haushalt.

Außerdem haben wir ja nach wie vor unseren Freundeskreis. Der verschwindet ja nicht, nur weil wir Eltern geworden sind. Wenn wir uns abends mit Freundinnen und Freunden treffen, zum Beispiel um zusammen zu kochen, nehmen wir unsere Tochter einfach mit. Sie ist da völlig unkompliziert und schläft dann einfach woanders ein und später Zuhause weiter.Da haben wir großes Glück mit ihr. Sicherlich würden auch die Großeltern ab und zu zum Babysitten kommen. Aber das ist gar nicht nötig.

Insgesamt habe ich jetzt das Privileg, viel Zeit mit meiner Tochter verbringen zu können. Das ist eine tolle Erfahrung.

vaeter-nrw.de: Herr Reimann, herzlichen Dank für das Gespräch.

 

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