Kongress: Impulse für eine moderne Väterpolitik

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Kongress: Impulse für eine moderne Väterpolitik

FH-Koeln_100Der Kongress "Deutschland sucht den Super-Papa" stellte die große Vielfalt realer Lebensentwürfe und -wirklichkeiten von Vätern neben das die Diskussion bestimmende Bild des modernen, gebildeten und beruflich erfolgreichen Vaters. Vaeter-nrw.de sprach mit Mekonnen Mesghena, Michael Braun und Jürgen Reimann, die verschiedene Workshops moderierten.

 

Impulse für eine moderne Väterpolitik zu geben, war Ziel des Kongresses mit dem ironischen Titel "Deutschland sucht den 'Super-Papa'" im April 2010 in Köln. Vier Institutionen hatten dazu eingeladen: das Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin, das Sozialpädagogische Institut NRW an der Fachhochschule Köln, das Berliner Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse sowie das Männer-Väter-Forum Köln. Rund 80 Fachleute, etwa die Hälfte von ihnen weiblich, besuchten die Veranstaltung. In Vorträgen und Workshops ging es unter anderem darum, die Vielfalt väterlicher Lebenswelten in den Fokus zu nehmen und Konsequenzen für die Praxis zu diskutieren. Viele der Kongressbeteiligten kamen nämlich aus Arbeitsgebieten, in denen auch über die Interessen von Vätern entschieden wird.

Wer dem "Standard" nicht entspricht fällt raus!

"Es gibt in unserer Gesellschaft ein vorherrschendes Vaterbild. Dem entspricht der gut ausgebildete und beruflich integrierte Mittelschichtsvater", sagt Mekonnen Mesghena, Leiter des Referats Migration, Citizenship und Interkulturelle Demokratie in der Heinrich-Böll-Stiftung, der gemeinsam mit dem Kölner Sozial-Pädagogen Michael Tunç während des Kongresses einen Workshop zum Thema "Vielfalt" moderierte. Diese häufig zu beobachtende Verengung des Vaterbildes auf den Mittelschichtsvater verstelle den Blick für die Vielfalt väterlicher Lebenswelten, die sich in verschiedenen Dimensionen zeige: zum Beispiel ethnisch, kulturell, in Bezug auf Bildung, körperliche Verfassung und sexuelle Orientierung. "Wir müssen uns fragen, welche Entwürfe der Vaterrolle in unserer Gesellschaft unterstützt und gefördert und welche strukturell diskriminiert werden."

Klare Strukturen und feste Anlaufstellen schaffen

Mekonnen Mesghena fordert daher unter anderem klare Strukturen und feste Anlaufstellen, die Vätern Unterstützung anbieten. "Es darf kein Zufall sein, ob ich, wenn ich Hilfe benötige, eine Beratungsstelle oder eine Männergruppe finde oder nicht", sagt er. Doch strukturelle Diskriminierung sei nicht allein politisch in den Griff zu bekommen. "Alle Menschen in unserer Gesellschaft sind gefordert, Vielfalt zuzulassen."

Väter erhalten Unterstützung beim Jugendamt

Michael Braun vom Amt für Jugend und Soziales in Erkrath und ebenfalls Workshop-Moderator, ist da, wenn Väter Hilfe benötigen. "Das Jugendamt ist Anlaufstelle, wenn es  Probleme mit der Erziehung oder in der Entwicklung der Kinder gibt", berichtet er. "Viele kommen aber erst, wenn sich die Probleme bereits zugespitzt haben." Das liege auch daran, dass zum Jugendamt zu gehen, für viele Väter eine enorme Hürde bedeute. "Das thematisiere ich im Gespräch gleich, um unbegründete Befürchtungen auszuräumen", sagt er. Als systemischer Berater bezieht er den Vater übrigens auch dann ein, wenn zunächst nur die Mutter zu ihm kommt. "Es ist wichtig, das gesamte Familiengefüge zu sehen. Der Vater ist ein unverzichtbarer Bestandteil davon - selbst wenn die Eltern keinen Kontakt mehr haben. Was geschieht, wenn alle Jugendämter einen Beratungsansatz pflegen, der Vater und Mutter gleichberechtigt, vorurteilsfrei und wertschätzend einbezieht? Verbindliche Leitfäden für geschlechtersensible Arbeit in Jugendämtern könnten da hilfreich sein", meint Michael Braun.

Väter brauchen Lobby

Doch nicht nur im Jugendamt fühlen sich Väter oft als "Mitkommende", wie es der Lüdenscheider Therapeut Ansgar Röhrbein formulierte. Auch in Kindertageseinrichtungen und Schulen beispielsweise sind Mütter weiterhin Hauptansprechpartnerinnen für die Fachkräfte. Väterbeauftragte in Kommunen, Wohlfahrtverbänden, Betrieben, Kindergärten und Schulen einzusetzen, war daher eine Forderung, die auf dem Kongress laut wurde. Teilnehmerinnen und Teilnehmer schlugen auch vor, einen bestimmten Prozentsatz öffentlicher Fördergelder für Väterarbeit zu reservieren und bestehende Elternangebote daraufhin zu überprüfen, ob auch Väter damit ernsthaft angesprochen würden. Außerdem sollte es mehr Forschung und Analysen zu den Lebenslagen von Vätern geben, sagten sie.

Gut zuhören und "Schubladen" vermeiden

Jürgen Reimann, Inhaber von GrenzRaum Consulting in Leverkusen und ebenfalls Workshop-Moderator, schloss sich dieser Forderung nach mehr Väter-Forschung an: "Die Veranstaltung bildete die ganze Spannbreite von homosexuellen Vätern bis zur Väterrechtsbewegung ab. Diese Vielfalt ist in der öffentlichen Wahrnehmung nicht präsent. Ich halte es daher für sinnvoll, eine wissenschaftliche Väterforschung zu forcieren, die die Vielfalt väterlicher Lebenswelten transparent macht und deren Erkenntnisse immer aufs Neue selbstkritisch in die Praxis einzubinden."

 

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Foto: Fachhochschule Köln

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