Sozialer Vater für ein Pflege- oder Adoptivkind

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Sozialer Vater für ein Pflege- oder Adoptivkind

426680_R_K_by_Ramona-Kitzm__ller_pixelio_de_mod_100Adoptions- und Pflegekinder - ein großes Thema mit vielen - auch rechtlichen - Facetten. Vaeter-nrw.de liefert grundsätzliche und väterrelevante Informationen und sprach dazu mit Susanne Schumann-Kessner, Geschäftsführerin des Landesverbands für Pflege- und Adoptivfamilien NRW (PAN e.V.) in Düsseldorf.

Es gibt viele Möglichkeiten Vater zu sein. Für Pflege- oder Adoptivkinder zu sorgen, ist eine davon. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2008 in Deutschland 4.201 Kinder adoptiert. Über die Hälfte davon durch Stiefväter bzw. -mütter oder durch Verwandte. 1.919 Kinder hatten nichtverwandte Adoptiveltern. Die Zahl der adoptionswilligen Paare übersteigt die Anzahl der zur Adoption freigegeben Kinder jedoch bei weitem. 2007 kamen auf ein Kind rechnerisch zehn mögliche Adoptiveltern. "Viele Paare entscheiden sich daher dafür, ein Pflegekind aufzunehmen", berichtet Susanne Schumann-Kessner vom Landesverband für Pflege- und Adoptivfamilien in NRW (PAN e.V.) in Düsseldorf. Bei einem Pflegekind bleibt im Gegensatz zum Adoptivkind, das rechtlich einem leiblichen Kind gleichgestellt ist, das Sorgerecht normalerweise bei den leiblichen Eltern oder einem Vormund. "Wir setzen uns aber für die Übertragung des Sorgerechts auf die Pflegeeltern ein", sagt Susanne Schumann-Kessner. "Das Pflegekind bekommt dadurch das Gefühl, wirklich dazu zu gehören." 2008 wurden in Deutschland 14.423 Kinder in Pflegefamilien aufgenommen. "Aufgrund der viel größeren Zahl der Kinder, die ein neues Zuhause in einer Pflegefamilie benötigen, sind die Vermittlungs­chancen für Paare, die ein oder mehrere Kinder aufnehmen wollen, deutlich höher als bei einer Adoption", sagt die Vereinsgeschäftsführerin. "Stimmen die leiblichen Eltern zu, kann ein Pflegekind unter Umständen später auch adoptiert werden."

Wer kann Kinder aufnehmen?

Die Anforderungen an Menschen, die sich um ein Pflege- oder Adoptivkind bewerben, sind ähnlich. Adoptieren oder ein Pflegekind aufnehmen kann, wer mindestens 25 Jahre alt ist. Ein eventueller jüngerer Ehepartner muss mindestens 21 Jahre alt sein. Nach oben hin gibt es keine verbindlichen Altersbeschränkungen. Die Jugendämter oder von ihnen beauftragte Freie Träger achten jedoch darauf, dass der Altersabstand zum Kind rund 40 Jahre nicht wesentlich überschreitet. Bei der Vermittlung von Pflegekindern ist dieser Aspekt weniger ausschlaggebend. Bewerberinnen und Bewerber müssen außerdem ein polizeiliches Führungszeugnis, ein Gesundheitszeugnis, einen Einkommensnachweis und ausreichenden Wohnraum vorweisen. Bei Ehepaaren adoptieren beide Partner das Kind gemeinsam. Handelt es sich um eine eingetragene Lebensgemeinschaft, kann nur einer von beiden das Kind adoptieren. Während Adoptivkinder in der Regel nur an Paare vermittelt werden, können sich auch Alleinstehende als Pflegepersonen bewerben.

Vorbereitung auf Adoption oder Pflege von Kindern

Jugendämter oder Freie Träger führen ausführliche Eignungsgespräche und bieten Vorbereitungsseminare an. Väter machen sich dadurch bereits im Vorfeld bewusst, wie sie ihr künftiges Vatersein leben wollen. Um realistisch einschätzen zu können, was das speziell in Bezug auf ein Pflege- oder Adoptivkind bedeutet, empfiehlt sich der Austausch mit anderen Männern, die die Situation kennen. Entsprechende Kontakte bekommen Interessierte in Selbsthilfegruppen.

Klare Paarabsprachen als Basis für den Schritt in die neue Familiensituation

Adoptiv- oder Pflegevater zu werden, ist zudem keine einsame Entscheidung: Männer, die Kindern ein neue Zuhause geben wollen, brauchen die Voraussetzungen dafür in ihrer Paarbeziehung. Die Entscheidung Adoptiv- oder Pflegefamilie zu werden, müssen beide gleichwertig bejahen. Auf das Paar kommen nämlich besondere Herausforderungen zu, die auch zu einer Belastungsprobe für die Paarbeziehung werden können. "Wir machen die Erfahrung, dass die meisten Pflegekinder zunächst eine enge Beziehung nur zu einer Bezugsperson aufbauen. Die Beziehungsabbrüche der Vergangenheit machen sie nämlich vorsichtig und erschweren es ihnen, Bindungen einzugehen", erläutert Susanne Schumann-Kessner. "In vielen Familien sind es die Mütter, die mehr Zeit mit den Kindern verbringen und daher zu ihren Bezugspersonen werden. Die Väter stehen dann oft außen vor. Das ist extrem belastend, vor allem wenn die Betroffenen Desinteresse oder Aggression des Kindes fälschlich als gegen die eigene Person gerichtet interpretieren." Es ist daher wichtig, sich vorab vielfältig über eventuell auftauchende schwierige Situationen wie diese zu informieren und in Gesprächen mit der Partnerin oder dem Partner Handlungsoptionen zu entwickeln.  Die Expertin rät, Geduld zu haben und immer wieder Gelegenheiten zu schaffen, in denen der Vater mit dem Kind alleine ist und von ihm als präsent und unterstützend erlebt werden kann.

Pflegefamilie als gute Option

Adoption, das zeigen die Zahlen, findet überwiegend innerhalb bestehender Familien statt, indem Stiefeltern oder andere Angehörige Kinder adoptieren. Für adoptionswillige Paare ist die Aufnahme eines Pflegekindes eine oft unterschätzte Option. Für die Pflegefamilie spreche, sagt Susanne Schumann-Kessner, dass die dauerhafte enge Anbindung an das Jugendamt eine Unterstützung für die Familie sein könne. Außerdem bleibe für das Pflegekind das Jugendamt der Kostenträger. Das sei zum Beispiel relevant, wenn das Kind für eine gute Entwicklung therapeutischer Hilfe bedürfe. Adoptiveltern stehen oft vor den gleichen erzieherischen Herausforderungen durch Verhaltensauffälligkeiten der Kinder, die sich aus ihrer wechselvollen Biografie ergeben. Sie müssen aber Unterstützung, die nicht kostenlos ist, selbst bezahlen. Für Pflegekinder wird zudem ein mit zunehmendem Alter des Kindes steigendes Pflegegeld gezahlt. Das Pflegegeld setzt sich zusammen aus "Unterhaltszahlungen" und "Kosten der Erziehung". In Nordrhein-Westfalen erhalten Pflegeeltern für Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr 655,- Euro, für Kinder vom siebten bis zum vollendeten 14. Lebensjahr 720,- Euro und für Jugendliche vom 14. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr und im Einzelfall für junge Volljährige 830,- Euro.

Alternative Auslandsadoption?

Viele Pflegekinder oder Kinder, die nicht als Babys in eine Adoptivfamilie kamen, zeigen Verhaltensauffälligkeiten, die eine Herausforderung für die Umgebung darstellen. Um das in der eigenen Familie zu vermeiden, möchten Paare oft lieber ein Baby adoptieren. Das ist jedoch in Deutschland aufgrund der geringen Zahl der Neugeborenen, die zur Adoption freigegeben werden, sehr schwierig. Viele Paare wenden sich daher ins Ausland, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Informationen zu Auslandsadoptionen sind bei der Bundeszentralstelle für Auslandsadoption in Bonn erhältlich. Viele Staaten unterzeichneten das Haager Adoptionsabkommen. Bei Adoptionen aus diesen Ländern ist es dann zwingend erforderlich, eine autorisierte Vermittlungsstelle einzuschalten. Einer Adoption müssen anschließend die entsprechenden Stellen beider Staaten zustimmen. Auch für eine Auslandsadoption ist übrigens eine Adoptionsfähigkeitsbescheinigung nötig.

Sozialer Vater sein

Wer Kinder adoptiert oder in Pflege nimmt, entscheidet sich, sozialer Vater zu sein und leistet damit einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag, indem er einem Kind oder mehreren Kindern mit seiner Partnerin oder seinem Partner ein neues Zuhause bietet und Entwicklungschancen für alle Beteiligten eröffnet.

 

Links:

 

vaeter-nrw.de:

 

Foto: Ramona Kitzmüller / pixelio.de

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