Ein starker Vater ist jemand, der einen guten Bezug zu seiner eigenen Persönlichkeit hat und bereit ist, durch die Beziehung zu seinem Kind oder zu seinen Kindern dazuzulernen. Psychologe Björn Süfke rät Vätern daher, mit den Kindern viele Alltagserfahrungen zu teilen.
"Ein 'Starker Vater!', das ist einer, der sich traut, sich mit sich selbst auseinander zu setzen", sagt Björn Süfke, Psychologe, Psychotherapeut und Buchautor aus Bielefeld, der sich auf die Beratung von Vätern spezialisiert hat. Denn Kinder forderten Väter in besonderer Weise heraus. "Sie schaffen es, dass sich Väter schwach, unsicher und hilflos fühlen. Und Hilflosigkeit ist für uns Männer ein besonders schwieriges Gefühl. Der Rückzug zum Arbeitsplatz erscheint dann als sehr verlockende Möglichkeit, dem aus dem Weg zu gehen." Aber kneifen gilt nicht, findet Björn Süfke, der in seinen Büchern, Vätern rät, für ihre Kinder "emotional präsent" zu sein. "Einmal musste ich vor lauter Hilflosigkeit weinen und wäre am liebsten aus dem Zimmer gerannt", berichtet er aus eigener Erfahrung. "Doch dann habe ich meinen Sohn meine Tränen sehen lassen. Er war perplex, vergaß seine Wut völlig und wir konnten beide sagen, dass es uns traurig macht, wenn wir uns streiten."
Gemeinsam Gemüse essen und Zähne putzen - das 'richtige Leben' eben
Diese ganz gewöhnlichen Situationen beim Essen, auf den Weg in den Kindergarten oder beim Ins-Bett-Bringen seien für die Beziehung zwischen Vater und Kind besonders wichtig. "Es ist gut für Kinder, ihre Väter in diesen Zusammenhängen erfahren zu können. Väter zeigen ihnen so, was es im Alltag bedeutet, ein Mann zu sein." Ein Wochenendbesuch im Zoo ersetze diese Alltagserfahrungen nicht. Der häufig zitierte Begriff einer "Quality-Time" mit dem Nachwuchs lege nahe, dass wenige, intensiv verbrachte Stunden einen grundsätzlichen Mangel an Zeit wett machen könnten. "Das verdreht die Tatsachen und macht mich wütend", sagt Björn Süfke.
Gute Gespräche ergeben sich eher nebenbei
Auch der australische Familienpsychologe Steve Biddulph beschreibt in seinem Beitrag "Vater sein heißt, etwas gemeinsam zu unternehmen" auf familienhandbuch.de wie wichtig ein gemeinsamer Alltag ist: "Meiner Auffassung nach brauchen Vertrauensbildung und Selbstmitteilung Raum, um sich zu entfalten. Familien auf dem Land erzählten mir, dass man durchaus miteinander rede und einander zuhöre, doch dass dies eher nebenbei geschehe, meist während man etwas zusammen erledigt, z.B. während man Holz auflade oder die Schafe reinhole. Eltern, die in der Stadt leben, erzählten mir, dass der Kontakt mit den Kindern am ehesten während der Autofahrten zum Klavierunterricht, zum Ballet, zum Sport oder anderen Hobbys zustande komme. Auf diesen Autofahrten bietet sich die Gelegenheit, zu fragen, wie es den Kindern geht, und mit ihnen losgelöst von ihrer - sie so beanspruchenden - Welt zu kommunizieren."
Studien belegen: Väter gehen sensibel auf Babys und Kinder ein
Doch Vaterschaft beginnt schon vor bzw. mit der Geburt und nicht erst, wenn Kinder sprechen und laufen können. Lange gingen Wissenschaftlerinnen und Wissenschafter jedoch davon aus, dass Väter mit Babys nicht angemessen umgehen könnten. So schrieb John Bowlby 1951 in einem Gutachten für die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die Mutter die von der Natur dafür vorbestimmte primäre Bezugsperson von Säuglingen und Kleinkindern sei. Sie baue in dieser Phase durch die feinfühlige Reaktion auf die "Äußerungen" des Kindes eine stabile emotionale Bindung zu Tochter oder Sohn auf. Der Vater sei dazu nicht in der Lage. Diese Auffassung ist jedoch längst widerlegt. Studien, wie die von Parke und Sawin (1976), zeigten, dass Väter in gleicher Weise wie Mütter sensibel auf die Signale von Säuglingen reagieren und ebenso erfolgreich eine enge Bindung zum Kind eingehen. Als einzigen Unterschied ergab die angeführte Untersuchung, dass Väter die Babys im Allgemeinen vorsichtiger (!) behandeln. Björn Süfke macht Vätern daher Mut, sich auch bereits in den ersten Monaten intensiv mit dem Nachwuchs zu beschäftigen. "Das schafft eine sehr gute Grundlage für die weitere Beziehung zum Kind und ist auch wichtig, weil der Vater so seinen Platz im sich neu bildenden Familiengefüge bewusst festlegt", sagt der Fachmann, der außerdem die besondere Rolle des Vaters für Söhne betont.
"Einen Zugang zu den eigenen Gefühlen zu gewinnen, ist für Väter Pflicht"
"Väter haben die Aufgabe, ihren Söhnen zu zeigen, dass auch Männer Gefühle haben und angemessen damit umgehen können", erklärt Björn Süfke. "Erfahrungen belegen, dass Jungen, die gute männliche Vorbilder haben, leichter ihre eigene Identität entwickeln können. Sich einen Zugang zur eigenen Gefühlswelt zu erarbeiten, mag für einen Mann ohne Nachwuchs daher Luxus sein, für einen Vater ist es Pflicht." Dass dieser Prozess anstrengend sein kann, verschweigt der Psychologe nicht. "Machen Sie sich auf den Weg", lautet sein Rat, "lesen Sie Bücher, reden Sie mit ihrer Partnerin bzw. mit Freunden oder besuchen Sie einen Männergesprächskreis. Ein 'starker Vater' zu sein, ist eine Herausforderung. Es ist aber nie zu spät sie anzunehmen."
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