Wie zufrieden sind Väter und Mütter? Dieser Frage ging der von der Stiftung Ravensburger Verlag geförderte Ravensburger Elternsurvey nach. Erste Ergebnisse stellten die Autoren, der Mikrosoziologe Professor Hans Bertram von der Humboldt-Universität Berlin, und die Familien- und Bildungsökonomin Professor Katharina Spieß vom DIW, im Januar 2010 in Berlin vor. Der Survey beruht auf einer Befragung von 1.000 Vätern und 1.000 Müttern mit mindestens einem Kind unter sechs Jahren. Vaeter-nrw.de fasst zentrale Ergebnisse zusammen.
Der Ravensburger Familiensurvey zeigt, dass junge Mütter und Väter in der Regel ähnliche Vorstellungen davon haben, wie sie ihr Familienleben gestalten wollen: Vor und nach der Kinderphase, so die Mehrheitseinstellung, sollten Mütter und Väter ökonomisch auf eigenen Füßen stehen. Solange Kinder im Haushalt leben, möchte der überwiegende Teil der Mütter Fürsorge für den Nachwuchs und Berufstätigkeit verbinden., 40 Prozent der Väter und ein ebenso hoher Anteil der Mütter votieren dafür, dass die Mutter zuhause bleibt, während die Kinder unter drei Jahren alt sind. Bei Kindergartenkindern (drei bis sechs Jahre) sprechen sich nur noch zehn Prozent der Väter und acht Prozent der Mütter für einen Verzicht auf Erwerbstätigkeit bei der Mutter aus. Wenn der Nachwuchs zur Schule geht, möchten zehn Prozent der Mütter voll und 60 Prozent in Teilzeit arbeiten. Die Vorstellungen der Väter in Bezug auf die Berufstätigkeit der Mütter sehen ganz ähnlich aus.
Die Versorgerehe hat ausgedient
Bertram und Spieß betonen den Wandel in den Einstellungen im Vergleich zur Elterngeneration der Befragten: "Die ökonomische Selbstständigkeit beider Partner wird als selbstverständlich vorausgesetzt, und eine Reduzierung der Arbeitszeit wird im Wesentlichen mit Zeit für die Fürsorge der Kinder begründet." Die Tatsache, dass sich Paare vielfach dafür entschieden, dass die Mutter ihre Erwerbstätigkeit unterbreche oder reduziere, habe rationale Gründe, meint Bertram, denn junge Frauen verdienten in Deutschland tendenziell erheblich weniger als junge Männer.
Erwerbstätige Väter sind zufriedener
Die Studienergebnisse zeigen aber auch, dass eine überwiegende oder ausschließliche Berufsorientierung bei Vätern viel stärker ausgeprägt ist als bei Müttern. Vollzeit erwerbstätige Männer sind daher zufriedener mit ihrem Leben als nicht erwerbstätige. Bei Müttern hingegen gibt es diesen eindeutigen Zusammenhang nicht.
Gute Netzwerke für Eltern wichtig
Positiv auf die Lebenszufriedenheit von Vätern - ebenso wie von Müttern - wirkt sich ein breites Netzwerk aus. Die Studie zeigte, dass es an erster Stelle die Großeltern sind, die wichtige Unterstützung leisten, indem sie Enkel hüten, bei Krankheit versorgen und als Gesprächspartnerinnen und -partner fungieren.
Familien möchten Zeit gemeinsam verbringen
Die Auswertung der Fragen zu gesellschaftspolitischen Themen ergab: Eltern wünschen sich Maßnahmen, die sich positiv auf die zeitliche Situation von Familien auswirken, "während Maßnahmen, die nur allgemein die ökonomische Situation der Familie verbessern, nicht notwendigerweise die oberste Priorität bei Eltern haben", so der Bericht. Unter "mehr Zeit für die Familie" verstehen die Eltern oftmals gemeinsame Familienzeit, so dass "die von vielen erhoffte Reduktion von familiärer Zeit der Mütter durch die stärkere Einbindung der Väter nicht in dem von manchen erhofften Umfang zur verstärkten Erwerbstätigkeit der Mütter führt."
Dem im Januar 2010 vorgestellten Vorbericht folgt Ende 2010 eine ausführliche Analyse der Umfrageergebnisse.
Link:
Internetseite der Ravensburger Stiftung mit einem Bericht über die Vorstellung der Survey-Ergebnisse und Downloadmöglichkeit für die von Hans Bertram und C. Katharina Spieß verfasste Kurzfassung der ersten Ergebnisse "Elterliches Wohlbefinden, öffentliche Unterstützung und die Zukunft der Kinder - der Ravensburger Elternsurvey"
Foto: Otto / pixelio.de