Väter berichten: emotionale Momente mit ihren Kindern

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Väter berichten: emotionale Momente mit ihren Kindern

Vater_Baby_Melanie_DeFazio_-_Fotolia_com_100Gefühllos? - von wegen. Väter berichten im Gespräch mit vaeter.nrw.de von emotionalen Momenten mit ihren Kindern. "Männer drücken ihre Emotionen anders aus als Frauen", kommentiert Väter-Buchautor Thomas Gesterkamp.

Emotionale Momente mit dem Kind: Dabei fällt vielen Vätern zuerst die Geburt ein. "Der bewegendste Moment war direkt nach der Geburt alleine mit meinem kleinen Sohn. Eine riesige Freunde und auch Erleichterung, dass alles gut gegangen war", berichtet Reiner aus Köln. Er habe seinen Sohn gefragt: "Na, Schmal, wie geht es dir?" Darauf schaute die Hebamme um die Ecke und erkundigte sich: "Wie heißt das Kind? Schmal?" "Das war witzig und hat diesen sehr intensiven Moment aufgelockert", erinnert sich der Vater. "Geburt ist ein archaisches Erlebnis, das starke Gefühle weckt: Rührung und Glück. Das ist sehr bewegend", sagt Thomas Gesterkamp aus Köln, der sich als Journalist und Buchautor auf Väter-Themen spezialisiert hat und selbst Vater einer erwachsenen Tochter ist.

Besonders schön: Kindern helfen und ihnen die Welt zeigen

Jochen aus Wuppertal hat zwei zehn und 16 Jahre alte Kinder und ist überzeugt, dass seine Kinder der Grund sind, warum er mit einem "Grundglücksgefühl" durchs Leben geht. "Kinder sind zu 90 Prozent positiv", sagt er. Besonders schön, findet es Jochen, wenn er merkt, wie wichtig er für seine Kinder ist: "Es ist toll, wenn sie fragen: 'Kannst du mir helfen, Papa?'" Tochter und Sohn entwickelten sich gut. Das sei eine Bestätigung für ihn. Reiner, dessen Sohn inzwischen 17 Jahre alt ist, erinnert sich an eine Situation aus der Kindergartenzeit, als sein Sohn mittags strahlend auf ihn zu gerannt kam, weil er einen Konflikt mit einem Kameraden gelöst hatte, der ihn schon länger belastete. "Ich hatte meinem Sohn vorher einen Hinweis gegeben, wie er sich verhalten könnte", sagt Reiner, "und habe mich enorm gefreut, dass ich ihm helfen konnte und dass es ihm jetzt so gut ging." "Dieses hübsche,  kluge und sozial kompetente Mädchen ist mein Kind. Das macht mich stolz", berichtet auch Markus aus Köln. "Ich zeige ihr gerne die Welt. Besonders schön ist es, allein mit ihr unterwegs zu sein. Solche Situationen habe ich auch selbst als Kind mit meinem Vater sehr genossen." Neben den positiven Gefühlen, die mit Vaterschaft verbunden sind, gibt es auch andere Aspekte. Markus berichtet zum Beispiel über eine längere Krankheit seiner Tochter. Sie war bereits in der 11. Klasse und sehr selbstständig, als sie aufgrund eines Knieleidens ein halbes Jahr an Krücken gehen musste. "Meine Frau und ich stellten unser Leben komplett um, weil unsere Tochter ganz oft unsere Unterstützung brauchte. Es war emotional für mich eine echte Herausforderung, auf einmal wieder so sehr gebraucht zu werden und meine eigenen Pläne vielfach hintanstellen zu müssen."

Verantwortung übernehmen

Mit dem Vater-sein ist in jedem Fall viel Verantwortung verbunden: "Früher hatte ich das Gefühl: Wenn was schief geht, fangen mich meine Eltern auf. Plötzlich war klar: Jetzt bin ich derjenige, der auffängt", sagt Jochen. "Für viele Väter geht mit der Verantwortung für die Kinder die Sorge einher, ob sie finanziell ausreichend für die Familie sorgen können", erklärt Thomas Gesterkamp, "und das Gefühl von Scham, wenn ihnen das nicht gelingt, zum Beispiel weil sie arbeitslos werden."

Die Kehrseite des Glücks

Auch Emotionen wie Wut, Sorge oder Trauer nennen die Väter. "Oft sind es eigentlich Kleinigkeiten, zum Beispiel das unaufgeräumte Zimmer, bei denen ich in die Luft gehe", gesteht sich Jochen ein. "Dass ich überreagiert habe, merke ich aber meistens erst hinterher." Markus sagt: "Wenn mein Kind mit einer fünf nach Hause kommt, leide ich mit. Das tut in der Seele weh." Gerade sei seine Tochter in Australien. "Da mache ich mir alle möglichen Gedanken und befürchte zum Beispiel einen Verkehrsunfall, weil dort ja Linksverkehr ist." Reiner berichtet von dem Tag, als sich der Sohn bei der Tagesmutter in der Tür die Fingerkuppe abquetschte. Der Vater kam schnell, trug den Sohn auf dem Arm zu einer nahe gelegenen chirurgischen Praxis, wo das fehlende Fingerstück wieder angenäht wurde. "Erst als es vorbei war, merkte ich, wie heftig die Situation war", sagt Reiner. "Am schlimmsten war es, als der Arzt ihm eine Spritze in die blutende Wunde gab. 'Warum kann er nicht meinen Finger nehmen?', habe ich mich da gefragt." Inzwischen überlegt der Sohn einen Teil seiner Ausbildung in den USA zu absolvieren. "Ich habe schon heute eine Träne im Knopfloch, wenn ich an den Abschied am Flughafen denke," sagt der Vater, den es gleichzeitig freut, zu sehen, wie selbstständig sein Sohn inzwischen ist.

Männer zeigen Emotionen anders

Männern werde häufig Gefühllosigkeit unterstellt, sagt Thomas Gesterkamp. "Wer sich mit ihnen unterhält, weiß: das stimmt nicht. Männer äußern ihre Emotionen nur oft anders, als Frauen sich das vorstellen. Männer versachlichen sie oft. Die Liebe zum Kind materialisiert sich zum Beispiel in den neuen Turnschuhen", erklärt er. Verbundenheit mit ihren Kindern stellen Väter eher über die gemeinsame Beschäftigung mit Sachthemen her. In der Publikation "Männer und emotionale Kompetenz", die das österreichische Bundesministerium für Soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz herausgab, kritisiert Allan Guggenbühl daher: "Wenn von den Vätern gefordert wird, dass sie den persönlichen Bezug in den Vordergrund stellen sollen, dann wird ihnen ein Standard aufgedrängt, der eher den Müttern entspricht. (...) Männer haben das Gefühl, ihr Verhalten sei nicht kindgerecht, wenn sie ihre Sachinteressen einbringen."

Vom "Arbeitsmann" zum ganzen Menschen

Kinder bieten Vätern die Gelegenheit, sich ihrer eigenen Emotionalität bewusster zu werden. Reiner drückt es so aus: "Vater sein macht einen zum 'Weichei'! Man wird einfühlsamer, nimmt andere Dinge wahr und lernt viel Neues kennen." Thomas Gesterkamp sagt: "Gerade die Fürsorge für ganz kleine Kinder, mit denen sie noch nicht sprechen können, eröffnet Vätern oft eine ganz neue Erfahrungswelt und die Chance, vom 'Arbeitsmann' zum ganzen Menschen zu werden."

Hinweis: Fotoausstellung "Außergewöhnlich: Väterglück"

Die Stuttgarter Fotografin Conny Wenk fing glückliche Momente von Vatern mit ihren Kindern, die alle das Down-Syndrom haben, ein. Die Ausstellung tourt durch Deutschland und ist auch in den nordrhein-westfälischen Städten, Schwerte, Bonn und Minden, zu Gast.

Foto: Melanie DeFazio / Fotolia.com

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