Väter-Umfrage: Anforderungen an einen "guten Vater" schwer zu vereinbaren

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Väter-Umfrage: Anforderungen an einen "guten Vater" schwer zu vereinbaren

Umfrage_Thomas_Siepmann_pixelio_de_100"Zeit für die Kinder": Das macht laut einer Forsa-Umfrage unter 1.000 Vätern zwischen 20 und 55 Jahren einen guten Vater aus. Viele Väter wünschen sich mehr davon, halten aber gleichzeitig an Vollzeitjobs fest. Der Grund: Die Einstellung, "wer ein guter Vater sein will, braucht ein gutes Einkommen", hält sich hartnäckig.

Drei Viertel der Väter sehen ihre Kinder als Bereicherung, die ihr Leben "glücklicher und erfüllter" macht, ergab die Forsa-Väter-Umfrage im Auftrag der Zeitschrift Eltern. Einen guten Vater zeichne es aus, meinen 83 Prozent der Befragten, dass er so viel Zeit wie möglich mit seinen Kindern verbringe. Das setzen viele Väter um: An normalen Wochentagen nehmen sich 73 Prozent der Väter (in Nordrhein-Westfalen 70 Prozent) eine oder mehr Stunden Zeit für den Nachwuchs. Ihr zeitliches Engagement in der Familie halten in Nordrhein-Westfalen rund zwei Drittel (64 Prozent, bundesweit: 59 Prozent) der Väter für nicht ausreichend.

Viele Väter finden es an sich als Vater gut, dass sie sich von Anfang an auch um die Babypflege (Wickeln, Füttern) gekümmert haben (68 Prozent), dass sie viel mit den Kindern herumtoben (67 Prozent), dass sie aufstehen, wenn Kindern nachts schreien (62 Prozent) und ihnen Dinge beibringen, die die Mutter ihnen nicht beibringen kann (65 Prozent). Fürsorgeaufgaben stiegen im Ansehen der Väter. Das macht ein Vergleich mit der Vorgängerbefragung von 2005 deutlich. Damals meinten 43 Prozent der Befragten, dass regelmäßiges Wickeln und Füttern eine wichtige Aufgabe für Väter sei. Heute sagen das 57 Prozent.

Väter im Beruf

90 Prozent der Väter sind Vollzeit berufstätig (in Nordrhein-Westfalen: 88 Prozent). Dieser Wert ist seit Jahren etwa konstant. Für 58 Prozent der Väter bundesweit und 68 Prozent der Väter in Nordrhein-Westfalen entspricht das dem Wunschmodell. Rund ein Viertel der Befragten gab jedoch an, gerne 30 bis 35 Stunden in der Woche arbeiten zu wollen, 13 Prozent würden am liebsten zwischen 20 und 29 Stunden arbeiten. In fast der Hälfte der Betrieben ist es nach Angabe der Befragten auch möglich, die Arbeitszeit entsprechend zu reduzieren. Dass die große Mehrheit der Väter trotzdem an einer umfangreichen Erwerbstätigkeit festhält, hat sicherlich mit dem vorherrschenden Bild vom "guten Vater" zu tun, für den es dazu gehöre - meinen 68 Prozent der Befragten - für ein ausreichendes Familien-Einkommen zu sorgen. 41 Prozent der Väter betonen zudem, dass sie es an sich als Vater gut finden, dass sie hart arbeiten und damit der Familie den Rücken frei halten.

Auch wenn es noch nicht die Mehrheit ist, Elternzeit zu beantragen "trauen" sich immer mehr Väter: 19 Prozent der 20- bis 35-jährigen Väter haben sie genossen. Bei den 36- bis 45-jährigen und den 46- bis 55-jährigen lag der Anteil mit neun und sechs Prozent noch im einstelligen Bereich. 53 Prozent der Elternzeit-Väter entschieden sich für zwei Elternzeitmonate. Satte 30 Prozent nahm mehr als sechs Monate. Dabei sind die Befürchtungen, dass sich Elternzeit negativ auf die Karriere auswirken könnte groß. In Nordrhein-Westfalen sind nahezu die Hälfte der Befragten dieser Meinung (bundesweit: 45 Prozent). 30 Prozent der nordrhein-westfälischen Väter und 35 Prozent der Väter bundesweit vertreten die Auffassung, dass sich Elternzeit weder positiv noch negativ auf das berufliche Fortkommen niederschlägt. Väter, die bereits in Elternzeit waren, sind - wohl aus eigener Erfahrung - optimistischer und meinen zu knapp 50 Prozent, dass Elternzeit keinen Einfluss auf den weiteren Karriereweg hat.

Gelingt Vätern der Spagat?

Voll im Beruf und trotzdem aktiv in der Familie: Gelingt Vätern der Spagat? Immerhin 29 Prozent - in Nordrhein-Westfalen sogar 32 Prozent - meinen, dass sie beides in guter Balance hielten. 2005 lag der bundesweite Wert noch bei 35 Prozent. 2011 sagen gut die Hälfte der Väter, dass sie sich mehr Zeit für die Familie wünschen. Um das umzusetzen, hieße es, beruflich zurückzustecken. Solange es zum Bild des guten Vaters gehört, Haupt- oder alleiniger Verdiener in der Familie zu sein, wird das zumeist schwer zu realisieren sein.

(vaeter.nrw.de., 01.09.2011)

Foto: Thomas Siepmann / pixelio.de

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