Väterpolitik: Europäische Väterplattform gegründet

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Väterpolitik: Europäische Väterplattform gegründet

platform_eu_fathers_mod_100Der Niederländer Peter Tromp, Vorsitzender des Vader Kennis Centrum VKC (Vater Wissens-Zentrum) in Utrecht, initiierte eine Vertretung für Väter auf europäischer Ebene: die Platform for European Fathers PEF (Europäische Väterplattform). Vaeter.nrw.de sprach mit Peter Tromp über diese Neugründung sowie über die Rahmenbedingungen für aktive Vaterschaft in den Niederlanden.

Ende Juni 2011 kamen 16 Vertreter von Väter-Initiativen aus zwölf europäischen Ländern in Brüssel zusammen. Am Rande des von den Grünen / Europäische Freie Allianz veranstalteten europäischen Väter-Kongresses gründeten sie die Platform for European Fathers (PEF) als Nicht-Regierungsorganisation, die die Interessen von Vätern auf europäischer Ebene vertreten soll. Aus Deutschland ist der Verein Väteraufbruch für Kinder (VAfK) vertreten. Außerdem sind Organisationen aus Belgien, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Österreich, Portugal, der Schweiz, Spanien und Ungarn dabei. „Die PEF ist eine offene Plattform, die gerne weitere Mitglieder aufnimmt“, sagt Peter Tromp. „Alle Organisationen, die unsere Ziele teilen, können Mitglied werden. Wir möchten die Forderungen von Vätern in ganz Europa in ihrer Vielfalt kennen lernen, um Väter-Interessen gegenüber der EU-Politik gut und ausgewogen vertreten zu können.“

Kinder haben ein Recht auf ihre Väter

Bei der Gründungsversammlung verabschiedeten die Mitglieder zwölf Hauptziele, die zum Beispiel folgende Grundsätze beinhalten: Die PEF agiert im Sinne der Interessen der Kinder und ihres Rechts auf beide Elternteile und deren jeweilige Familien. Die PEF wird gegenüber der EU-Sozialpolitik für engagierte Vaterschaft werben und für eine gleichmäßige und gleichberechtigte Arbeitsteilung und Sorge für die Kinder zwischen Elternteilen eintreten. Dies gilt besonders für die Themen Väter- und Elternzeit. Die Organisation setzt sich für das Recht von Vätern ein, ihre Vaterschaft aktiv zu leben und sich um die Betreuung und Erziehung ihrer Kinder umfassend kümmern zu können. (Das vollständige Gründungsstatement ist in englischer Sprache auf der PEF-Homepage nachzulesen.)

Unterschiedliche Rechtslagen in europäischen Staaten

Im Moment arbeitet die Organisation daran, eine Bestandsaufnahme zu machen und die Elternzeit-Regelungen sowie die Regelungen für das Sorge- und Umgangsrecht in den Mitgliedsländern zusammen zu tragen. „Wir machen jede Woche eine Internet-Telefonkonferenz dazu“, berichtet Peter Tromp, der im Vorstand zum Verantwortlichen für die  Geschäftsstelle der neu gegründeten Plattform gewählt wurde. Den Vorsitz hat der Ire Joseph Egan von Parental Equality inne. „Alle PEF-Vertreter arbeiten ehrenamtlich. Das heißt wir müssen sehr effektiv arbeiten, um unsere Ziele umzusetzen und Einfluss zu gewinnen“, berichtet Tromp.

Niederlande: VKC informiert über die Rolle von Vätern

In seiner Heimat, den Niederlanden, ist Peter Tromp mit dem 2003 gegründeten Vader Kennis Centrum (VKC) aktiv. Die Organisation möchte über die wichtige Rolle, die Väter für ihre Kinder spielen, informieren und geht dabei auf ganz unterschiedliche Vätergruppen und ihre Bedürfnisse und Möglichkeiten ein: auf verheiratete und geschiedenen Väter, auf solche, die mit ihren Kindern zusammen und solche, die getrennt von den Kindern leben, auf Väter mit Einwanderungsgeschichte, auf sehr junge, auf homosexuelle und auf arbeitende Väter. „Wir wollen Väter in die Leben ihrer Kinder zurückbringen, denn Kinder brauchen die Auseinandersetzung mit  Müttern und Vätern, mit Frauen und Männern“, fasst Peter Tromp zusammen. Dazu veranstaltet das VKC ein jährliches Symposium und lobt gemeinsam mit der Universität Amsterdam einen Vaterschafts-Preis aus. Tromp hofft, dass es dem Vader Kennis Centrum mit Unterstützung der Bernard van Leer Foundation zudem bald gelingen wird, einen Universitätslehrstuhl für Vaterschaftsforschung einzurichten. Das wäre der erste dieser Art in Europa, meint der Väter-Experte.

Diskussion um Ausweitung bezahlter Väterzeit

Auf politischer Ebene bestimmt vor allem ein Väter-Thema die Diskussion im Nachbarland: Nämlich die Frage, ob die bezahlte Väterzeit von derzeit zwei Tagen auf zwei Wochen erweitert werden sollte. „Die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber laufen allerdings Sturm gegen eine Erweiterung bezahlter Väterzeit“, berichtet Peter Tromp. „Neben der Schweiz und Irland sind die Niederlande jedoch meines Wissens nach das einzige europäische Land, das eine zweiwöchige Väterzeit noch immer unterschreitet.“ Auch auf EU-Ebene seien es unter anderem die Niederländer, die im EU Parlament einen Antrag auf einen zweiwöchigen vollständig bezahlten, nicht übertragbaren Vaterschaftsurlaub direkt nach der Entbindung blockierten, berichtet Peter Tromp.

Derzeit können niederländische Väter lediglich eine sogenannte Sorgezeit nutzen, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern für die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen zusteht. Nimmt ein Person Sorgezeit, arbeitet sie in dieser Zeit nur halb. Es gibt zwei Arten von Sorgezeit: Die kurze Sorgezeit kann zwei Wochen pro Jahr in Anspruch genommen werden und ist für Notfälle gedacht. Der Verdienstausfall wird dabei zu 70 Prozent ersetzt. Die längere Sorgezeit ist unbezahlt und umfasst maximal sechs Wochen pro Jahr. Peter Tromp kritisiert, dass das System zu kompliziert ist und das Arbeitgeberinnen bzw. Arbeitgeber, wenn wichtige betriebliche Belange dagegen sprechen, die Sorgezeit ablehnen können. Genutzt werde die Möglichkeit daher kaum. „Väter wissen vielfach gar nicht, wie sie sie beantragen sollen und haben außerdem die Befürchtung, im Betrieb Nachteile zu haben, wenn sie sie nutzen würden“, sagt Peter Tromp. „Die Paare handeln am Küchentisch daher doch wieder die eingefahrenen, traditionellen Aufgabenverteilungen aus. Damit gewinnen wir nichts. Wir fordern Elternzeit, die Vätern zusteht und für sie reserviert ist.“ Studien hätten gezeigt, dass Väter, die sich bereits ganz früh auf ihre Kinder einließen, diese Nähe im weiteren Lebensverlauf aufrecht erhielten. „Das zeigt: Ein guter Start in die Beziehung zum Kind ist wichtig. Väter brauchen Zeit mit ihren Babys.“

(vaeter.nrw.de, 27.10.2011)

Foto: Gründungsmitglieder der Europäischen Väterplattform vor dem Europäischen Parlament in Brüssel am 27. Juni 2011. Vorne mit kariertem Hemd: Peter Tromp.

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