Ihre Meinung: vaeter-nrw-Umfrage zu finanziellen Aspekten bei der Familiengründung

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Ihre Meinung: vaeter-nrw-Umfrage zu finanziellen Aspekten bei der Familiengründung

Vater_Sohn_sfelder_pixelio_de_mod_100Welche Rolle spielen finanzielle Aspekte bei der Gründung einer Familie und bei der anschließenden Aufgabenverteilung? Fragen dazu stellte vaeter-nrw im Oktober, November und Dezember 2009 seinen Lesern in der Rubrik "Ihre Meinung". Zum besseren Verständnis der Ergebnisse sprach vaeter-nrw mit dem Experten Professor Martin Diewald von der Universität Bielefeld, der unter anderem die Wechselwirkung von Beruf und Privatleben erforscht.

Vaeter-nrw fragte seine Leser, ob finanzielle Aspekte bei der Entscheidung dafür, eine Familie zu gründen bzw. die Familie zu vergrößern, eine Rolle spielen. Außerdem wollte die Redaktion wissen, ob Familien- und Erwerbsarbeit als gleichwertig erachtet werden.

Effekte von Familienleistungen

"Haben staatliche Leistungen Einfluss auf die Entscheidung, Kinder zu bekommen?", fragte vaeter-nrw seine Leser. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) bejahen dies: 38 Prozent antworteten mit "ja", 16 Prozent mit "eher ja". Insgesamt 46 Prozent (19 Prozent "eher nein", 27 Prozent "nein") der Umfrageteilnehmer sehen keine finanziellen Einflussmöglichkeiten des Staates auf die Familienplanung. "Die ausgewogene Anzahl der Befürworter und Zweifler an den Effekten von staatlichen Leistungen auf die Familiengründung spiegelt den nur bedingten Einfluss des Staates auf individuelle Entscheidungen wider", sagt Soziologe Martin Diewald. "Angesichts einer hochflexiblen Arbeitsgesellschaft und instabiler Partnerschaften stehen viele junge Menschen immer wieder vor der Frage: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für die Gründung einer Familie? Eine staatliche Leistung wie zum Beispiel das Elterngeld kann da schon einen zusätzlichen Kick geben - aber auch nicht mehr, bei einer so weitreichenden Entscheidung." Das Elterngeld hat auch noch einen anderen Effekt: Es bringt als Lohnersatzleistung Erwerbs- und Familienarbeit in einen neuen Zusammenhang. Es macht Familienarbeit für einen bestimmten Zeitraum ökonomisch attraktiv und sichert Familien im ersten Lebensjahr des Kindes finanziell ab.

Finanzielle Stabilität wichtig

Vaeter-nrw fragte, ob die persönliche finanzielle Situation den Ausschlag dafür gab, Vater zu werden. 32 Prozent und 18 Prozent der Befragten klickten auf "ja" bzw. "eher ja". 39 Prozent votierten mit "nein" und elf Prozent mit "eher nein". Dieses Umfrageergebnis führt Martin Diewald darauf zurück, dass die Fragestellung Raum für Interpretationen lässt. Einerseits könnten Väter mit "ja" antworten, weil sie sich ihren Kinderwunsch erst erfüllen, wenn die finanziellen Rahmenbedingungen gegeben sind. Andererseits ließe sich argumentieren, dass andere, emotionale Motive grundsätzlich schwerer wiegen und man die Frage daher nur mit "nein" beantworten kann. "Wenn die Wissenschaft nach der finanziellen Stabilität fragt, bekommen wir im Ergebnis heraus, dass Männer, die Familien bewusst planen, mehrheitlich nur dann Väter werden, wenn sie in halbwegs gesicherten finanziellen Verhältnissen leben. Das Ernährermodell schwingt immer noch mit", meint der Forscher. "Auch die Anzahl der Kinder, so ergaben Untersuchungen, ist von der finanziellen Situation abhängig. Die breite Masse der Gesellschaft leistet sich in der Regel nicht mehr als zwei Kinder."

Familienarbeit und Erwerbsarbeit

"Halten Sie Familienarbeit und Erwerbsarbeit für gleichwertig?", lautete die letzte Frage zu wirtschaftlichen Erwägungen bei der Familiengründung. Hier sprach sich eine deutliche Mehrheit von 79 Prozent mit "ja" oder "eher ja" für eine Gleichwertigkeit aus. 14 Prozent klickten auf "eher nein". Eine Minderheit von nur sieben Prozent hält Familienarbeit und Erwerbsarbeit für nicht gleichwertig. "Das Ergebnis resultiert aus einer Norm, die nicht verhaltenswirksam ist", sagt Martin Diewald zu dem für ihn überraschenden Ergebnis. Der Experte erklärt: "Heute würde sich keiner mehr hinstellen und sagen, Familienarbeit ist nichts wert. Das wäre politisch nicht korrekt. Aber das tatsächliche Verhalten der Menschen spiegelt eine andere Haltung wider. Die Erwerbsarbeit regelt die Verteilung von Einkommen, Status und Prestige. Familienarbeit und Erwerbsarbeit sind in unserer Arbeitsgesellschaft damit faktisch nicht gleichwertig. Familienarbeit unterscheidet sich grundsätzlich von Erwerbsarbeit, weil sie nicht bezahlt wird." Ökonomisch sei es daher nicht ratsam, sich auf Familienarbeit zu konzentrieren und die ernährende Erwerbsarbeit nur dem Partner oder der Partnerin zu überlassen.

Elternzeit als Einstieg in Familienarbeit

Interessant ist, die Ergebnisse dieser Befragung mit den Aussagen zu vergleichen, die vaeter-nrw-Nutzer Mitte 2009 zum Thema Elternzeit machten. 75 Prozent der Befragten gaben an, dass Elternzeit die Aufgabenverteilung in der Familie nachhaltig verändere. Denn das Elterngeld regt Mütter und Väter heute dazu an, über die Arbeitsverteilung im ersten Lebensjahr des Kindes zu verhandeln, da es für beide Elternteile in den meisten Fällen finanziell machbar ist, in Elternzeit zu gehen. Durch die "Bezahlung" der Familienarbeit - zumindest für eine Jahr - steht sie gleichwertig neben der Erwerbsarbeit. Das bietet für beide Partner die Chance, den Spaß an Karriere bzw. Familienarbeit zu entdecken. "Aktive Elternschaft darf jedoch nicht dazu führen, die Teilhabe an der Erwerbsarbeit zu verlieren", warnt Martin Diewald. "Damit ist aus meiner Sicht neben staatlichen Familienleistungen die Beschäftigungspolitik ein wichtiger Hebel für einen positiven Einfluss auf die Entscheidung, Vater zu werden. Unternehmen sind aufgerufen, auch unter wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen Vätern Elternzeit zu ermöglichen und ihnen Arbeitszeitmodelle anzubieten, die beides erlauben: Familienarbeit und Erwerbsarbeit."

Link:

vaeter-nrw-Umfrage zum Thema "Elternzeit"

Foto: sfelder / pixelio.de

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