Informationen und klare Absprachen machen Väter stark für die Geburt ihres Kindes. Vaeter-nrw.de hat sich auf die Suche gemacht, mit dem Experten Stefan Schmidt gesprochen und Themen recherchiert, die werdende Väter zusammen mit ihrer Partnerin im Blick haben sollten.
Werdende Väter bringen sich heute meist aktiv in die Vorbereitungen auf die Geburt des Kindes ein. "Geburtsvorbereitung ist für Väter wichtig", meint Stefan Schmidt aus Köln. Der Arbeits- und Organisationspsychologe engagiert sich nebenberuflich für Väter, die bald Nachwuchs bekommen. "Viele begleiten ihre Partnerin zum Geburtsvorbereitungskurs und sind dann überrascht, wie sehr sie selbst von den Impulsen dort profitieren." Das ist vor allem dann der Fall, wenn im Rahmen von Paarkursen zur Geburtsvorbereitung eine "Männerrunde" angeboten wird. Viele stellen sich hier erstmalig die Frage nach ihren eigenen Bedürfnissen rund um das Vaterwerden. Auch über ihre mögliche Rolle bei der Geburt und in der ersten Zeit danach tauschen sich die Teilnehmer aus.
Die eigenen Bedürfnisse kennen und miteinander besprechen sind wichtige Voraussetzungen für einen guten Start in die Familienphase. Die Themen sind vielfältig - und meist für werdende Mütter aufbereitet. Wer sich davon löst, findet Wissenswertes über die Entwicklung und Gesundheit von Mutter und Kind. Das Für und Wider von Geburtsklinik oder Geburtshaus und die Chancen und Risiken einer Hausgeburt sind in Elternratgebern, kostenlos ausliegenden Klinikführern und Internetportalen zu finden. Hilfreich sind auch Checklisten für den Klinikaufenthalt. Den Ablauf der Geburt und Wichtiges rund um die Erstversorgung des Kindes erklären die Hebammen. Eine Hebamme des Vertrauens finden die angehenden Mütter und Väter über die örtliche Geburtsklinik, eine nahe gelegene Hebammenpraxis, den behandelnden Frauenarzt oder ein Hebammennetzwerk im Internet.
Auf einer guten Informationsbasis lassen sich die wichtigen Entscheidungen rund um die Geburt gemeinsam treffen. Zentrale Fragen sind hier: Wo sind die Grenzen im Umgang mit den Schmerzen? Welche Möglichkeiten der Erstversorgung des Kindes sollen genutzt werden, auf welche Extras möchten die Eltern verzichten? Wie gestaltet sich die erste Zeit mit Kind zu Hause zum Beispiel im Hinblick auf Verwandtenbesuche? Hier fällt den Vätern später häufig eine wichtige Rolle zu. "Während der Geburt hatte ich schwer daran zu knapsen, dass ich nur Nebendarsteller war. Da hatten die Hebamme und später der Kinderarzt das Kommando. Ich war da nur Befehlsempfänger", erinnert sich Markus Meeth, frischgebackener Vater eines Sohnes. Als selbstständiger Unternehmer ist er anderes gewohnt. "Doch als während der Geburtsphase eine wichtige Entscheidung getroffen werden musste, war ich gefragt. Da habe ich das durchgesetzt, was wir beide im Vorfeld verabredet haben. Da war ich ganz Anwalt unserer kleinen Familie." Auch wenn man nicht jede Eventualität im Blick haben kann, sind grundsätzliche Verabredungen hilfreich, bestätigt Markus Meeth. Das ermöglicht es dem Vater, spontan auf Unvorhergesehenes zu reagieren und Wünsche der Mutter deutlich zu kommunizieren.
Mit dem Thema Geburt verbinden die meisten die Endphase im Kreissaal, unmittelbar bevor das Kind auf die Welt kommt. "Das ist zu kurz gedacht. Wir reden insgesamt von einem Zeitraum von bis zu 20 Stunden", sagt Experte Stefan Schmidt. "Zwischen den Wehen gibt es dabei immer wieder relativ entspannte Phasen. Dann ist es schön, wenn man seiner Partnerin zum Beispiel etwas vorlesen kann." Außerdem weist Schmidt darauf hin, dass der Partner nicht automatisch ein Recht auf ein Bett und Verpflegung hat. Väter sollten sich daher im Vorfeld informieren, welche Möglichkeiten die gewählte Klinik oder das Geburtshaus ihnen zur Verfügung stellt.
In der Wochenpension des Kölner Severinsklosters kam Markus Meeth in den Genuss des sogenannten Co-Sleeping-Konzepts. "Da waren wir nach der Geburt zu dritt in einem riesigen Bett zusammen und nicht eine Minute getrennt", schwärmt der junge Vater. Dieses Gefühl von Familien-Hotelzimmer ist leider noch nicht sehr verbreitet. Auch Männerrunden in Geburtsvorbereitungskursen und eine väterspezifische Aufbereitung der Informationen rund um Geburt und Wochenbett sind noch die Ausnahme. Hier ist erst ein Anfang gemacht.
Stefan Schmidt ist einer der wenigen Männer, die sich intensiv mit dem Thema Geburt und Wochenbett beschäftigen. Es hält es für wichtig, dass Väter ihre starke Rolle in dieser wichtigen und fordernden Zeit erkennen und auch einnehmen können: "Gut informiert zu sein, ist der Schlüssel dazu."
Links:
Das Online-Portal "Familienhandbuch.de" bietet Informationen unter dem Stichwort Gesundheit.
Weitere informative Beiträge und Literaturhinweise finden Sie auf vaeter-nrw.de unter "Vater werden".